Eine Leiche im Park zu finden ist schon verrückt genug, aber dass diese Leiche auch noch den Auftrag aus dem Jenseits erteilt, ihren Mörder zu finden, geht an die Grenze des Unglaublichen. So jedenfalls empfindet es Maike, als sie von der Schwester des Toten erfährt, dass er mit ihr in Kontakt stehe. Das Problem an der Sache ist, dass alle diese Frau nur „die Irre“ nennen …  

Alle Titel der Serie!

E-Book: 3,99 €

ePub: 978-9963-53-856-0
Kindle: 978-9963-53-857-7
pdf: 978-9963-53-855-3

Zeichen: 357.305

Printausgabe: 12,99 €

ISBN: 978-9963-53-854-6

Seiten: 229

Kaufen bei:  Amazon iTunes Thalia Weltbild

Katharina E. Georgi

Katharina Georgi, geboren 1966 in Baden-Württemberg. Seit ihrem dritten Lebensjahr wohnt sie in Fürth im Odenwald. Sie ist ein Odenwälder Mädel und genau so ist ihr auch der Schnabel gewachsen. In Fürth ist sie zur Schule gegangen, lebt und arbeitet dort als Autorin. Seit 2010 schreibt sie an mehreren Büchern, die sie im Laufe der Zeit veröffentlichen möchte. Hauptsächlich schreibt Katharina Krimis mit Humor. So auch ihr jüngster Roman. Binnen kurzer Zeit hatte sie eine Person erschaffen, die einfach nicht mehr wegzudenken war. Maike, eine Möchtegern-Detektivin, Traumtänzerin, Chaotin und einfach treu in dem, was sie tut. Das erste Buch mit der Protagonistin Maike ist fertig, aber es sollen noch einige Fortsetzungen folgen.

Autorenseite

Leseprobe

Laden Sie sich gern unsere XXL-Leseprobe im gewünschten Format (pdf, ePub oder Kindle (mobi)) herunter, oder klicken Sie auf das Buchsymbol, um sich online unser FlippingBook anzusehen.

pdf-Datei mobi-Datei ePub-Datei FlippingBook

... oder sofort „hineinschnuppern“

Nix Neues an der Verbrecherfront
Frankfurt im Januar

Ich saß auf dem Sofa, trank Kaffee und las die Morgenzeitung. Ich hoffte, dass ich darin mehr über die Leiche, die wir gefunden hatten, in Erfahrung bringen würde. Mir brachte es heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke, dass ich fast über den armen Kerl gestolpert wäre. Und als Mark ihn an den Füßen packte und unter den Büschen hervorzog, starrten wir auf ein hübsches Einschussloch zwischen seinen Augen. Einen Ausweis und andere persönliche Dinge hatte die Polizei nicht bei ihm gefunden. Die Kleidung, die er trug, wies darauf hin, dass der Mann, der nicht älter als zwanzig gewesen sein mochte, vermutlich ein Fahrer einer hiesigen Pizzeria war. Das Kuriose an dieser ganzen Sache war: Gino, der Chef der Pizzeria, bestritt, dass er den Mann jemals gesehen, und schon gar nicht bei sich angestellt hatte.
   Diese Aussage gab mir noch zusätzlich den Ansporn, bei der Aufklärung in diesem Fall mitzuhelfen.
   Punkt 1: Wir hatten diese Leiche gefunden.
   Punkt 2: Gino ist mein Lieblings-Italiener.
   Ich hoffte, dass Gino nicht mit zu den Verdächtigen gehörte. Das einzige Verbrechen, das man ihm anlasten könnte, war, dass mir seine Speisekarte schon oft zum Verhängnis wurde. Seine Pizza war grandios und bescherte mir das eine oder andere fiese Hüftröllchen.
   Enttäuscht faltete ich die Zeitung zusammen. Außer dass sich die Einbrüche in Wohnungen und Häusern in meiner Gegend in der letzten Zeit häuften, gab es keinerlei Nachrichten, die für mich von Interesse gewesen wären. Ja, ich gebe zu, es fing an, mich gewaltig zu ärgern. Die Berichte oder Hinweise, die auf diesen Leichenfund oder auf dessen Identität hindeuteten, waren schon seit Wochen überfällig. Selbst Karsten, der vor Kurzem zur Mordkommission versetzt worden war, schwieg über alles, was mit diesem Fall zu tun hatte. Und jeglicher Versuch, ihn zu überreden, über neuste Erkenntnisse zu plaudern, misslang.
   Missmutig lehnte ich mich mit meiner Kaffeetasse zurück ins Sofa und grübelte über mein Leben nach. Langsam wurde es mir langweilig in meiner kleinen Wohnung, und alles, was sich noch zu putzen gelohnt hätte, hatte meine Mutter für mich erledigt. Und da sie und mein Stiefvater seit gestern auf einer Reise waren, hatte ich niemanden, der sich mit mir unterhielt.
   Selbst Mark konnte ich nicht erreichen, da er auf einer Montage außerhalb Frankfurts unterwegs war und sein Mobiltelefon tagsüber abgeschaltet hatte. Was unserer Beziehung, die zurzeit etwas kühl war, sehr guttat. Also beschloss ich spontan, meine Freundin Caro in ihrem Büro zu besuchen. Ich zog mir meine dicke Daunenjacke an, schlüpfte in die Boots, stülpte mir meine Kapuze über den Kopf und verließ meine Wohnung. Ein Knistern unter meinen Füßen ließ mich aufschrecken, und beim genaueren Hinsehen, entpuppte sich das Knistern als Zettel. Ich schnappte mir das zusammengefaltete Blatt, das vor meiner Wohnungstür lag, und erstarrte. Die wenigen Worte, die darauf geschrieben standen, reichten aus, um meiner Neugier das Futter zu geben, das sie dringend gebraucht hatte.
   Es war ein geplanter Mord …
   … stand da geschrieben. Eine Straße weiter stieg ich in den Bus, der in die Stadt fuhr, und betrachtete mir währenddessen den Zettel genauer. Ich grübelte, doch in diesem übervollen Gefährt, war es mir nicht möglich, überhaupt einen klaren Gedanken zu fassen, von wem der Zettel stammen könnte und warum man ihn mir und nicht der Polizei vor die Tür gelegt hatte.
   Zwei Blogs entfernt vom Bürogebäude, in dem Caro arbeitete, stieg ich aus, und lief nachdenklich die winterliche Straße entlang. Ich kam zu dem Entschluss, dass es ein übler Scherz war, den Karsten mir spielen wollte, doch ich war sicher nicht so doof und sprach ihn darauf an. Wer sonst außer ihm sollte mir diesen Zettel hinterlassen haben? Also zerknüllte ich ihn und warf ihn in den nächsten Mülleimer, an dem ich vorbeiging. Eine schlanke Frau mit blauen Augen lief an mir vorbei, nickte mir zu und föhnte mir ein fröhliches »Grüß dich« entgegen, als müsste ich sie kennen. Sie war derart in Mütze und Schal vermummt, dass ich beim besten Willen nicht erkennen konnte, wer das gewesen sein sollte. Dennoch grüßte ich mit einem ebenso freundlichen Hallo zurück, und dachte nicht weiter über sie nach. Für einen Plausch wäre es ohnehin zu kalt gewesen. Außerdem wühlte sie gerade eifrig im Mülleimer herum.
   Was auch immer sie da sucht, dachte ich angeekelt, ich hoffe, sie sucht nur nach Leergut, und nicht nach etwas Essbarem.

Liebeskummer lohnt sich nicht

Gemütlich schlenderte ich durch die große, in Glas gehaltene Eingangshalle hinüber zu den Fahrstühlen, stieg in die Kabine und wählte das Stockwerk, in dem sich Caros Büro befand. Beim Schließen der Tür konnte ich gerade noch sehen, dass die Frau, der ich zuvor auf der Straße begegnet war, das Gebäude betrat und sich umschaute. Als sich unsere Blicke trafen, schreckte sie zurück. Leider war ich zu langsam, die Stopptaste zu drücken, um zu erfahren, wer sie war, denn die Kabine zockelte bereits nach oben. Klar könnte ich noch einmal nach unten fahren, doch das kam mir blöd vor.
   Oben angekommen schlurfte ich durch den langen Flur und steuerte Caros Bürokomplex an. Die Büros ringsherum, die sich noch mit im Gebäude befanden, waren allesamt noch geschlossen.
   »Hallo Caro«, rief ich, als ich die große Glastür öffnete.
   »Ich bin im Büro«, rief meine Freundin. Sie saß an ihrem Schreibtisch, als ich den kleinen Raum betrat.
   »Wo ist die Pizza?«, begrüßte sie mich und begutachtete mich fragend.
   »Bei Gino«, antwortete ich sarkastisch.
   Sie zog eine Augenbraue hoch, ich hob entschuldigend meine Arme.
   »Hey! Es ist noch nicht mal Mittag, wir können nicht schon zum Frühstück damit anfangen«, sagte ich und ließ mich auf ihr bequemes Sofa fallen, das gegenüber ihrem Schreibtisch an der Wand stand.
   Caro seufzte. »Ich glaube, heute geht der Tag wohl nie vorüber!« Traurig blickte sie ins Foyer zu dem leeren Anmeldeschalter hinüber.
   Irgendetwas war im Busch, und ich war mir nicht sicher, ob ich wissen wollte, was es war. Nicht umsonst verlangte Caro um diese Uhrzeit nach einer Trost spendenden Pizza. Und nun war mir klar, wenn ich nur im Geringsten darauf reagieren würde, würden wir am Ende heulend auf dem Sofa hocken und uns schwören, nie mehr den Raum zu verlassen. Also tat ich das Einzige, was ich in solchen Fällen für richtig hielt. Ich plapperte los, um Caro von diesen negativen Gedanken, die sie plagten abzulenken.
   »Hey! Ab morgen geht es wieder zur Arbeit«, sagte ich fröhlich. »Und die Kurse für Psychologie fangen bald an, ist das nicht toll?«
   Caro schwieg und rührte sich nicht. Sie starrte nur in den dämlichen Flur hinaus.
   »Ich habe noch einen Platz im Abendkurs bekommen, für den ich mich im letzten halben Jahr anmelden wollte. Und ich freue mich darüber, dass es geklappt hat«, meinte ich mit lauter Stimme.
   Caro seufzte und starrte ins Leere.
   »Erde an Caro! Ich glaube, ich werde verfolgt«, meinte ich geheimnisvoll und hoffte somit, ihre Aufmerksamkeit zu wecken. Merkwürdigerweise musste ich an die Frau mit den blauen Augen denken, die irgendwo im Gebäude herumschwirrte.
   Ihr Kopf schnellte zu mir herum, als würde sie aus einer Trance erwachen. »Hm?«, fragte sie erschrocken.
   Wusste ich es doch, so lockte man sie aus der Reserve. Ich grinste Caro an, die mich skeptisch betrachtete.
   »Was hast du da gesagt?«, hakte sie nach.
   »Caro was ist los?«, antwortete ich mit einer Gegenfrage. Natürlich fühlte ich mich nicht verfolgt, aber ich könnte ihr stattdessen von dem Zettel und den Verdacht erzählen, den ich Karsten gegenüber hegte. Doch konnte ich nicht umher, zu fragen, denn Caro hatte Tränen in den Augen.
   »Hank und ich haben uns getrennt«, brach es endlich aus ihr heraus. Seufzend stützte sie ihre Ellenbogen auf die Tischplatte und legte ihren Kopf müde auf ihre Hände.
   »Was?«, fragte ich erstaunt. Ich konnte nicht glauben, was ich da eben gehört hatte. »Ist das der Grund für den leeren Schreibtisch da draußen?«, fragte ich und deutete mit dem Daumen gen Flur.
   Caro nickte.
   »Mensch. Das tut mir leid.«
   Traurig sah sie mich an. »Ich zeig dir was.« Sie zog an einer Schublade und beförderte einen blauen Briefumschlag daraus hervor. »Lies selbst«, meinte sie, als sie mir den Umschlag wenig später vor die Nase hielt.
   Während ich ihn öffnete und den Brief darin, der schon etliche Male auf und zu geklappt wurde, vorsichtig entfaltete, setzte sich Caro neben mich in den Ledersessel. Mit den Füßen wackelnd und naseputzend, wartete sie ab, bis ich zu Ende gelesen hatte. In den wenigen Worten, die Hank niedergeschrieben hatte, erzählte er Caro, dass seine Frau ihm einen persönlichen Brief hatte zukommen lassen. Aufgrund dessen hatte sich Hank letztendlich schweren Herzens entschlossen, die Beziehung zu Caro zu beenden, um seiner Frau noch eine zweite Chance zu geben.
   »Mensch, Caro«, sagte ich traurig zu ihr, als ich ausgelesen hatte. Ich legte den Brief auf den Tisch und umarmte meine Freundin fest.
   »Ich dachte echt, er wäre Mr. Right!« Sie seufzte, löste sich aus der Umarmung und schlurfte zurück an ihren Schreibtisch.
   Ich saß da, legte den Kopf schief und schaute sie nachdenklich an.
   »Wenigstens bist du nicht mehr allein. Du hast Mark.«
   O ja, noch, dachte ich, aber wie lange noch? Wir führten zurzeit eine etwas frostige Beziehung. »Mark. Hm«, flüsterte ich zweifelnd vor mich hin.
   Caro horchte auf wie eine Löwin in freier Wildbahn, die ihre Beute roch, und sah neugierig zu mir rüber. »Was heißt ‚hm‘ denn genau?«
   »Na ja, wir haben halt Meinungsverschiedenheiten.«
   »Ihr seid frisch verliebt. Was gibt es denn da für Meinungsverschiedenheiten?«, meinte sie empört. »Überleg mal, was ihr schon alles in der kurzen Zeit, seit ihr euch kennt, durchgemacht habt. So etwas schweißt doch zusammen.«
   »Ich weiß. Aber ich habe Angst, Caro.«
   »Angst, wovor?«
   »Er möchte, dass wir zusammenziehen, und ich möchte das nicht. Deswegen glaubt er, es wäre für mich nur ein Strohfeuer gewesen.«
   Caro schreckte verwundert zurück. »Ist es das?«, fragte sie zögerlich.
   »Nein!«
   »Woran liegt es denn?«
   »Ich habe Angst, mich zu fest zu binden. Und dann geht wieder alles schief. Es läuft doch gut, so wie es ist. Nur seit die Einbrüche in letzter Zeit auch in unseren Wohnvierteln vorkommen, will er mich nur noch ungern in meiner Wohnung allein lassen. Marks Meinung ist, über uns würde dann schließlich ein Polizist wohnen, und da hätte ich immerhin etwas mehr Sicherheit.«
   Caro dachte nickend nach. »Es hat Vorteile, wenn ein Polizeibeamter mit im Haus wohnt.«
   »Selbst, wenn ich es wollte, ich kann noch nicht bei Mark wohnen«, sagte ich entschieden zu Caro. »Ich muss auf das Haus achten, bis meine Eltern wieder da sind.«
   Caro sah mich nachdenklich an. »Mark ist nicht dein beschissener Ex-Verlobter. Verdammt, lass deine Selbstzweifel!« Sie wedelte mit ihrem Zeigefinger in meine Richtung. »Gib ihm eine Chance. Warte, bis deine Eltern zurück sind, und entscheide dich für Mark!« Es klang nicht wie eine Bitte, es war ein Befehl, der keinerlei Widerworte duldete.
   »Na klar«, brummte ich genervt, »lass uns das Thema wechseln, bitte.«
   Caro nickte knapp, faltete ihre Hände und blickte mich streng an. Ihr Verhalten erinnerte mich an einen Mafia-Kriminalfilm, in dem das Familienoberhaupt, auch Don genannt, kurz zuvor seine Untertanen auf grausamste Weise zusammengefaltet hatte.
   »Was hat es mit den Überfällen auf sich, von denen man öfters in den Zeitungen liest?«, meinte Caro und räusperte sich. »Es heißt in den Nachrichten, dass in den Wohnungen, in denen eingebrochen wurde, keinerlei Einbruchsspuren festzustellen seien. Und weiß man schon etwas Neues über die Leiche, die ihr im Park gefunden habt?« Auffordernd blickte sie mich an, denn sie glaubte, wenn einer etwas darüber wissen müsste, würde es wohl ich sein. Immerhin stand ich, ihrer Meinung nach, in ständigem Kontakt zur Polizei.
   Was überhaupt nicht stimmte. Karsten hüllte sich genauso in Schweigen wie diese lahmen Zeitungen. Außer, dass Karsten aus Spaß einen blöden Zettel vor meiner Wohnungstür hinterließ, wusste ich darüber nicht mehr oder weniger als andere auch. Nachdenklich lehnte mich nach vorn und blickte Caro an.
   »Ich kann über diese Einbrüche nichts sagen. Aber weißt du, was mich am meisten nervt?«
   Caro schüttelte den Kopf.
   Ich ließ mich zurück ins Sofa plumpsen und seufzte. »Es nervt, dass ich nichts, aber auch gar nichts, von diesem unbekannten Toten aus dem Park herausbekomme. Ich habe schon meiner Mutter den Auftrag gegeben, sich im Pflegeheim ein wenig umzuhören, doch selbst dort weiß man nichts Neues darüber. Sonst wird in Noras Kiosk ständig über Neuigkeiten getratscht.«
   Caro räusperte sich. »Was ist mit Karsten? Frag ihn!«
   Ich brummte auf. »Karsten sagt mir nichts darüber. Das nervt mich. Wie soll ich da meine Arbeit machen?«
   »Arbeit machen? Was genau meinst du damit?« Verschwörerisch linste Caro mich mit einer Miene an, die ich lieber nicht deuten wollte. Mir kam das Familienoberhaupt wieder in den Sinn.
   »Ich hole mir die Lizenz und werde Privatermittlerin«, sagte ich bestimmend.
   Caro sah mich an, als säße vor ihr der Weihnachtsmann. »Hä?«, meinte sie knapp.
   »Ich will wissen, was dem armen Kerl passiert ist! Und ich schwöre dir, ich krieg’ das raus! Jetzt, während Karsten mit den Einbrüchen beschäftigt ist, könnte ich ihn bitten, mir ein wenig mehr Handlungsfreiheit in der Sache mit dem Toten zu lassen.«
   Caro sah mich aufmerksam an. »Du«, sagte sie und knetete sich die Hände. »Du hast echt den Drang, einen Fall zu lösen?«
   Ich nickte.
   »Du hast Blut geleckt, stimmt’s? Seit ihr diese«, Caro schüttelte sich angeekelt, »Leiche gefunden habt, bist du heiß darauf, zu erfahren, was da vor sich ging. Und ich weiß ja, dass dies immer dein Traum war, so zu sein wie deine beiden TV-Helden. Aber denkst du nicht, dass man das besser der Polizei überlassen sollte?«
   Ich grinste kopfschüttelnd. Caro sah mich aus einer Mischung aus Stolz und Ungläubigkeit an.
   »Hoffen wir mal, dass Karsten dir die Gelegenheit gibt, dich in diesen Fall mit einzubeziehen, sonst gibst du nie Ruhe.«
   Eine Weile saßen wir schweigend da. Ich hing meinen Gedanken nach, und Caro zappelte unruhig mit den Fingern.
   »Ich muss noch viel erledigen«, sagte sie zu mir.
   Das Zeichen, für mich zu gehen.
   »Wirst du dir Ersatz für draußen holen?«, fragte ich und deutete mit dem Kopf gen Empfangszimmer.
   Caro zuckte mit den Schultern und fuhr sich durch ihre sowieso schon zerzauste Frisur. Im Licht des Monitors sah sie aus, als hätte sie seit Jahren nicht richtig geschlafen.
   »Zurzeit erwäge ich, das Büro für eine Weile zu schließen. Ich kann mich nicht auf die Arbeit konzentrieren«, stöhnte sie leidig.
   Genau das begann, mir Sorgen zu bereiten.

Als ich die Fahrstuhlkabine betrat, klappte mir die Kinnlade hinunter. An der Wahltafel hing ein einst zerknüllter Zettel, dessen Buchstaben darauf mir förmlich die Linse sprengten.

Es war ein geplanter Mord …

Langsam zweifelte ich daran, dass diese Nachricht von Karsten stammen könnte.

Trendsetter, oder wie?

Nach dem anstrengenden Tag in der Kindergruppe setzte ich mich noch einen Moment mit meiner Chefin Karin in die Küche zum Abschluss-Kaffee.
   Beim Hinsetzen blieb ich prompt mit der nagelneuen, blickdichten Strumpfhose, an einem hervorstehenden Holzsplitter, der an der alten Sitzbank herausragte, hängen.
   »Mist«, entfuhr es mir und schaute dabei leidlich auf die kaputte Hose. Direkt über dem rechten Knie hatte ich ein großes Loch im Stoff.
   »Autsch«, sagte Karin mitfühlend und betrachtete die Ecke der Holzbank. »Ich muss das dringend reparieren lassen. Bill unser Hausmeister kommt nachher vorbei. Da werde ich ihn beauftragen, das abzuschleifen.«
   »Toll«, sagte ich sarkastisch und war den Tränen nahe. »Ich muss gleich in die Vorlesung, und jetzt darf ich mir vorher eine neue Strumpfhose besorgen.«
   »Dein Rock ist lang genug, geht es zur Not nicht ohne?«
   »Nö!«, stöhnte ich leise. »Dann hätte ich mich heute Morgen für Jeans und Bluse entscheiden können, aber ich habe nicht umsonst gehungert, um diesen Rock tragen zu können. Blöderweise kam mir gestern der kleine Unfall im Bad dazwischen.«
   Ich streckte mein Bein unter dem Tisch hervor und zeigte Karin die leicht vom Pflaster ausgebeulte Stelle.
   »Beim Rasieren geschnitten, was?«
   »Hm.« Ich nickte. »Stumpfe Klingen«, meinte ich seufzend.
   »Maike, du hast da ein Loch«, quiekte jemand aufgeregt neben mir.
   »Ich weiß, Dirk«, sagte ich zu dem fünfjährigen Jungen, der zu unserer Gruppe gehörte. »Ich habe mir das Loch gerade an der Bank da geholt.« Ich lächelte Dirk an und wuschelte ihm mit der Hand über den Kopf.
   Dirk besah sich meine Knie, dann fing er an zu lächeln. »Das ist doch nicht schlimm. Soll ich dir mal zeigen, was meine große Schwester Mara macht, wenn sie eine neue Strumpfhose hat, die ihr zu langweilig aussieht?«
   Karin grinste mich an, und ich wusste auch warum. Dirks Schwester ist ein ausgewachsener Vampirfan. An ihr gibt es nichts an Kleidung, das keine Löcher, Nieten oder Farbenfrohes hätte.
   »Was tut deine Schwester in solch einem Fall?«, fragte ich vorsichtig nach, und wünschte mir im selben Augenblick, ich hätte es gelassen. »Mach erst deine Augen zu. Karin du musst helfen, dass Maike nicht guckt.«
   Karin nickte, stand auf, stellte sich hinter mich und hielt mir die Augen zu. Ich hörte, wie Dirk jubelnd wegrannte und gleich darauf wiederkam. An Karins leisem Lachen wusste ich, es würde grausam enden.
   Ich spürte etwas Kaltes auf meinem Knie und hatte dann auf der anderen Seite meines Beines noch mal dasselbe Gefühl. Etwas wurde mir auf die Knie gedrückt, daran herumgezupft, und als es ratschte, wurde es mir mulmig.
   »Was tust du?«, fragte ich beunruhigt.
   »Bin gleich fertig«, sagte er freudig, meinte dann, dass ich gucken dürfe und Karin gab mir die Sicht frei.
   Das Erste, was ich sah, war Dirk, der die Bastelschere in der Hand hielt, dann fiel mein Blick auf den Tisch, auf dem vereinzelt kleine Klebesteine lagen. Mir schwante böses und schielte vorsichtig hinunter auf meine Knie.
   Och nö. Jetzt schauten auf beiden Seiten der Hose meine Knie hervor. Dirk hatte eifrig den Stoff auf beiden Seiten, oberhalb des Knies quer eingeschnitten und um das jeweilige Loch herum, bunte Strasssteine gepappt.
   »Wow! Sieht klasse aus«, freute sich Dirk, von seinen Künsten überzeugt. »Wenn Mara das sieht, darf ich sicher auch ihre Hosen so toll machen!«
   Karin kicherte. »Na, das ist Mal ein Design.«
   Ich kicherte nicht, mir war zum Heulen zumute.
   Dirk strahlte uns an und legte zufrieden die Schere auf den Tisch. »Ich muss mal Pipi«, sagte er und verließ das Zimmer.

Missmutig, da ich mich absolut nicht in meinen Strumpfhosen wohlfühlte, verließ ich den Kindergarten und stieg in den Bus, der Minuten später an der Haltestelle anhielt. Zwei junge Frauen, die schicker angezogen waren, als ich es mir jemals leisten konnte, sahen auf meine Beine, als ich mich ihnen gegenüber auf den letzten noch freien Platz setzte. Mein Blick fiel auf eine Frau in meinem Alter, die mir eine Reihe weiter, schräg gegenübersaß und mich ebenfalls zu beobachten schien. Sie war zierlich und hatte blonde, schulterlange Haare, deren Haarspitzen schwarz eingefärbt waren. Ich räusperte mich, nickte ihr kurz zu und drehte mich nach vorn um, wo sich die beiden Modepuppen gehässige Blicke zuwarfen und mich anschließend blöd angrinsten, was ich zu ignorieren versuchte. Automatisch schweifte mein Blick zu der zierlichen Frau hinüber, um zu sehen, was sie von dem Gekicher vor mir mitbekam. Und nun fing es an, in mir zu kochen. Auch sie hockte da, und hielt ihren Blick auf mich geheftet. Ab und zu sah sie unter sich und schien etwas in sich hineinzumurmeln.
   O Mann, das nächste Mal fahre ich mit meinem Auto, stöhnte ich innerlich auf, löste meinen Blick von der Frau und starrte stur zum Seitenfenster hinaus. Nur die Klappe halten und auf nichts mehr reagieren, redete ich mir beruhigend zu. Leider machten es mir die beiden Dumpfbacken nicht gerade einfach, zu schweigen.
   Die kleinere von ihnen konnte es nicht lassen, meine Knie anzustarren. »Glaubst du, dass das ankommt, was du da trägst?« Schnippisch zog sie ihre wohl frisch operierte Nase kraus, denn diese war einfach nur perfekt, nicht zu groß, gradlinig und passte wie angegossen zu dem zierlichen Gesicht.
   Ich schätzte beide Frauen etwa auf zwanzig. Aber ihrem Verhalten nach zu urteilen, waren die Kichererbsen nicht älter als fünfzehn.
   »Ich hoffe«, antwortete ich knurrend, ohne zu viel Notiz von ihr zu nehmen, »dieses Scheißding, hat mich zwanzig Euro gekostet«, sagte ich wahrheitsgemäß.
   Die größere der beiden Frauen schaute erst mich, dann meine Knie mit großen Augen an.
   »Designed by Dirk«, fügte ich hinzu, um noch eins draufzusetzen, und schaute beide ernsthaft an. Wenn ich hier schon untergehen musste, dann wenigstens mit Würde.
   »Oh!« Die kleinere von beiden nickte wissend. »Na dann!« Sie stupste die größere an.
   »Ist hipp«, sagte diese freundlicher zu mir, nickte aufmunternd und sah ihre Freundin unsicher an.
   Designed by Dirk. Ich grinste in mich hinein. Ich wette, die glauben, dass Dirk ein neuer Designer ist, der Modeklamotten entwirft. Und dass die sich gegenseitig bloß nicht zugeben möchten, diesen hippen Laden nicht zu kennen. Wenn die wüssten, wer Dirk in Wirklichkeit ist. Ein kleiner Junge, der mit Federboas kämpfte, und dessen Schwester ein Stachelhalsband zur Abwehr von ungebetenen Vampirbissen trug.
   An der nächsten Haltestelle stand ich auf, und verließ ohne noch ein Wort zu sagen den Bus. Beide Frauen drückten sich am Fenster die Nasen platt, als ich am Busfenster außen vorbeiging. Die blonde Frau, die ebenfalls mit mir zusammen den Bus verließ, musterte mich schräg und lächelte mich an. Noch bevor ich etwas sagen konnte, lief sie bereits weiter, um die nächste Häuserecke davon.
   »Ja, ich weiß, ich muss mir neue Strumpfhosen kaufen«, schimpfte ich ihr hinterher. Ich wusste auch so, dass ich in dieser Aufmachung nicht herumlaufen konnte.

Harald und die Irre

In der Aula war es kalt. Ich saß in einer der oberen Reihen, in der Nähe des Eingangs. Jedes Mal, wenn die Tür geöffnet wurde, da im Minutentakt Leute hereinkamen, zog es fürchterlich wie Hechtsuppe, dass ich ernsthaft überlegte, den Platz zu wechseln. Da nur noch in den unteren Reihen, genau vor dem Professorenpult, Plätze frei waren, verwarf ich den Gedanken, und nahm das fiese Ziehen in Kauf.
   Ich kramte Block und Stift aus meiner Tasche heraus und legte alles vor mich auf den Tisch. Dabei sah ich mich nach bekannten Gesichtern um, konnte aber keines entdecken. Außer das, dass neben mir saß. Na ja, ich kannte diese Person nur vom Hörensagen. Harald Ferro, der Sohn unseres Obst- und Gemüsehändlers, saß neben mir, und sah sich genauso um wie ich. Als sich unsere Blicke trafen, fuhr er sich durch seine gegelten schwarzen Haare und grinste breit. Sein Blick schweifte hinüber zu einer Frau, die uns schräg gegenübersaß. Sein Grinsen verschwand, als er bemerkte, dass auch sie zu uns herübersah. Irgendwie kam sie mir bekannt vor, und langsam dämmerte es mir. Blaue Augen, blonde schulterlange Haare, schwarze Haarspitzen. Es war die Frau, die mich im Bus ständig begutachtete. Und auch jetzt hatte ich das Gefühl, als würde sie mich die ganze Zeit über beobachten.
   Ich war nahe dran, aufzustehen und auf meine Knie zu deuten. »Guck, alles wieder ganz!«
   Als könnte sie meine Gedanken lesen, blickte sie auf, klappte ihr Buch zu und verließ ohne ein Wort den Hörsaal.
   Harald, der dieses Szenario mitbekommen hatte, beugte sich leicht zu mir herüber und stieß mich an. »Das ist die Irre«, sagte er spöttisch und grinste verächtlich.
   Mein Kopf fuhr zu ihm herum. »Hä?« Er kannte die? Okay, wenn Harald Derartiges über andere behauptete, musste man sich die Frage stellen, wer da von beiden der Beklopptere war.
   Harald Ferro war ein kleiner, dicker Kerl, mit, für meinen Geschmack, zu viel Gel in seinen Haaren, die angeklatscht am Kopf nach hinten gestrichen waren. Man sprach viel über ihn. Dank der alten Leutchen im Altersheim, in dem meine Mutter als Fußpflegerin arbeitete, blieb mir, ob ich es wollte oder nicht, nichts verborgen. Meine Mutter erzählte mir, dass Harald als Jugendlicher, lange von der Bildfläche verschwunden gewesen sei. Soviel sie gehört hatte, hatte er vor drei Jahren noch in Italien bei seinem Onkel Ricardo gelebt. Man hätte es für dringend nötig befunden, da er damals eine schwere Phase durchmachte. So umschrieb man damals seine kriminelle Ader. Wer mit siebzehn versuchte, das Auto seines Lehrers zu klauen und es geradewegs beim Ausparken rückwärts an einen Baum donnerte, der machte eindeutig eine schwere Phase durch. Seine Eltern einigten sich mit dem Lehrer gütlich und schickten Harald kurzerhand zurück nach Italien, zu Ricardo, seinem Onkel väterlicher Seite.
   Sein Kumpel Lars, der mit Kevin zusammen mit im Wagen saß, verbrachte damals schon mehrere Wochen im Jugendknast, wegen Einbrüchen und Körperverletzung. Wenn ich ihn beschreiben sollte, würde ich sagen, er war der typische Surfer-Boy, immer braun, sportlich, frech.
   Und Kevin, ein drahtiger Kerl, erinnerte mich an einen Terrier, so flink und immer wachsam. Er hatte sich, nach einigen Sozialstunden, die er nach der Aktion mit Harald ableisten musste, gefangen, studierte Chemie, und trat bald in die Fußstapfen seines Vaters, der unsere Apotheke im Ort führte. Sein Studium finanzierte er sich mit, indem er sich bei Gino einige Euro dazuverdiente. Aber auch ihm traute ich nicht über den Weg.
   »Wieso die Irre?«, fragte ich Harald leise, und mir stieg das schlecht riechende Aftershave, das er aufgetragen hatte, unangenehm in die Nase.
    »Na, die spinnt doch, das sieht man doch wohl«, flüsterte er mir zu. »Deren Bruder Josef war es, den man im Park hinter einem Busch gefunden hat. Stand in allen Zeitungen. Er ist wohl jemandem tierisch auf den Sack gegangen, und deshalb musste er gehen.«
   Harald zog bei den Worten »Musste er gehen« mit Zeige- und Mittelfingern Apostrophe in die Luft. Dabei grinste er, als wäre es auch noch witzig.
   Und nun wurde ich hellhörig. Neugierig lehnte ich mich näher zu ihm heran, was ihm gefiel, denn er legte seinen Arm um meine Stuhllehne und hing fast mit seiner Nase in meinem Ohr, als er anfing zu erzählen. »Nun behauptet die Tussi, sie könne ihren toten Bruder sehen und er wolle sich mit ihr unterhalten.« Harald lachte leise und schüttelte den Kopf. Er spielte an einer meiner Haarsträhnen und sah mir tief in die Augen.
   »Du redest Mist«, sagte ich scharf und brachte Abstand zwischen uns. Dieses Gezupfe an meinen Haaren war mir eindeutig zu lästig.
   »Nee, bestimmt nicht!« Er grinste, lehnte sich noch näher zu mir und legte erneut seinen Arm hinter mich auf die Stuhllehne. »Frag sie mal. Die erzählt dir Sachen.«
   Harald lächelte. Was ich versuchte, zu ignorieren.
   »Hast du ihn gekannt?«, fragte ich und hoffte, ich klang nicht zu neugierig.
   Er überlegte kurz. »Nicht gut, er war des Öfteren mit Kevin unterwegs. Und mein Kumpel erzählt mir nicht, mit wem er durch die Straßen zieht. Soll sich die Polizei mit Josef beschäftigen, könnte sein, dass er bereit ist, denen etwas darüber zu erzählen. Die Irre vermittelt da sicher gern.«
   Ich ignorierte diese Bemerkung. »War ihr Bruder ebenfalls ein Fahrer bei Gino, wie Kevin?«
   »Wie kommst du darauf?«, fragte mich Harald ein wenig zu schnell für meine Begriffe. Dann sah er mich dermaßen aufmerksam an, dass ich fast eine Gänsehaut bekam.
   »Na ja«, sagte ich schnell, »man hört, er hätte eine Jacke getragen, wie die Fahrer es bei Gino tun. Und da Kevin bei Gino arbeitet, liegt es nahe, dass er ebenfalls ein Fahrer gewesen sein könnte.«
   »Sagt wer?« Harald kniff die Augen misstrauisch zusammen. Ich konnte spüren, dass er regelrecht versuchte, in meinen Gedanken zu stochern, um irgendetwas herauszufinden, von dem ich nicht recht wusste, was er dort eigentlich suchte.
   Dennoch hielt ich seinem Blick stand. Seine Augen wurden dunkler, und er legte die Stirn fragend in Falten.
   »Ähm, sagen die Leute«, gab ich ihm zur Antwort. »Angeblich hätten einige Personen die Leiche gesehen, bevor die Polizei sie abtransportieren ließ.«
   Ich hoffte, dass er mir das abkaufen würde. Ich wollte ihm auf keinen Fall erzählen müssen, dass Mark und ich den armen Josef, der für mich dank Harald nun nicht mehr namenlos bleiben musste, gefunden hatten. Plötzlich fühlte ich mich ein wenig in meiner Ehre verletzt, was Karsten anbelangte. Man erfuhr von anderen Leuten mehr als von ihm. Und dies fing an, an mir zu nagen. Wenn Harald schon so viel Bescheid wusste, was zum Henker hatte Karsten alles herausgefunden und mir vorenthalten? Ich habe bis heute noch nicht einmal gewusst, wie der Tote hieß. Jedes Mal vertröstete er mich, indem er mir sagte, dass es nichts Neues gäbe. Das war nun vorbei, ich würde etwas eindringlicher auf Karsten einreden müssen.
   Harald sah mich erwartungsvoll an. »Und weil ihn angeblich einer gesehen hatte, ist irgendwo durchgesickert, dass der Tote eine Jacke von Ginos Lieferservice getragen haben soll?«
   »So habe ich es gehört.«
   Erleichtert winkte er ab. »Der war kein Fahrer von Gino«, sagte er leise. »Nur ein Opfer, zur falschen Zeit, am falschen Ort.«
   Er sah mich an, als wollte er mir damit etwas mitteilen. Ich konnte etwas in seinen Augen lesen, das mir wiederum keine Ruhe ließ. Irgendetwas rührte sich in mir, und dann wurde mir klar: Der Kerl da neben mir wusste etwas. Und wie das so bei mir ist, anstatt die Klappe zu halten, um es gut sein zu lassen, siegte die Neugier. »Woher weißt du das alles so genau?«
   Nachdenklich legte Harald den Kopf auf die Seite, atmete laut aus und sah mich eine Weile stumm an. Jedes einzelne Rädchen in seinem Gehirn begann zu rattern, das konnte ich förmlich hören.
   »Na, von der Irren«, sagte er gehässig. »Die erzählt ständig, dass man ihren Bruder im Park gefunden habe. Sie sagt jedem, der sie nach ihrem Bruder fragt, dass Josef ihr als Geist erschienen sei und ihr seither nicht mehr von ihrer Seite weiche. Die Frau nimmt doch keiner ernst!« Lächelnd lehnte er sich entspannt in seinen Stuhl zurück.
   »Weiß man, warum man ihn getötet hat?«, fragte ich so blöd, wie ich konnte, und hoffte, dass ich diesmal mehr Informationen aus ihm herausholen könne.
   »Hm, die Irre könnte ihren Bruder fragen. Dann gibt es Antworten auf das Rätsel«, sagte er leise, richtete sich auf seinen Stuhl auf und schaute hinunter zu dem Professor, der sich mühte, dem restlichen Publikum seinen Vortrag zu halten.
   Ich tat es Harald gleich, und es war mir auf einmal unangenehm, neben diesem Kerl zu sitzen.
   Harald begann mit den Zähnen zu knirschen und seine geballte Faust, die er auf dem Tisch abstützte, zitterte verdächtig. Ich rückte automatisch zur Seite und saß beinahe auf meinem Nebenmann, der sich beschwerte, ob ich ihn anmachen wolle. Ich fing an, mich zu ärgern, weil er es so laut gesagt hatte, dass es auch Harald mitbekam, und er wieder doof zu mir herübergrinste. Seine Faust entspannte sich und ich war darüber erleichtert.
   Aber nicht nur wegen Harald begann ich mich zu ärgern, dass ich hier oben saß, nein, auch wegen des Professors, dessen Namen ich mir nicht einmal gemerkt hatte. Dieser Mann da unten konnte locker der unbekannte Batman sein. Und nicht nur mir ging es so, auch andere weibliche Wesen im Saal hingen an seinen Lippen und kauten versonnen an ihren Kugelschreibern. Mir fiel die Frau ein, die Harald die Irre nannte, und ich fragte mich, warum sie bei solch einem Mann, der sich da unten die größte Mühe gab, seinen Schülern etwas zu vermitteln, den Saal einfach so verlassen konnte. Ich beobachtete Harald aus den Augenwinkeln heraus. Er las eine SMS, und sein Grinsen wurde breiter.
   »Du musst dich für die Irre nicht interessieren. Es ist besser, du hältst dich von ihr fern und achtest mehr auf dich«, sagte er leise, aber sehr deutlich zu mir, ohne mich anzuschauen.
   Es lag etwas Bedrohliches im Klang seiner Stimme. Und ehrlich, mir lief es kalt den Rücken hinunter.
   Harald widmete sich weiter seinem Handy und tippte mit flinken Fingern darauf herum.

Es war bereits stockdunkel draußen, als ich in den Bus gegenüber der Schule stieg. Müde vom Tag und nachdenklich über die Informationen, die ich von Harald über die Leiche im Park erfuhr, setzte ich mich an einen freien Fensterplatz und blickte hinüber zu den Straßenlaternen.
   An der Straßenecke sah ich die junge Frau, aus dem Hörsaal stehen. Offensichtlich unterhielt sie sich mit jemandem, den ich im Schatten der Hauswand nicht sehen konnte. Noch dazu versperrte mir ein Werbeschild die freie Sicht, aber wenn der Bus losfuhr, würde ich auch sicher gleich wissen, mit wem sie sprach.
   Die Frau stand im Licht der Straßenlaterne, seitlich an die Hauswand gelehnt und unterhielt sich rege mit ihrem Gegenüber. Als ob sie bemerkt hätte, dass ich sie gesehen hatte, fixierte sie plötzlich angestrengt den Bus. Sie zeigte in meine Richtung und nickte langsam, als wollte sie damit etwas bestätigen.
   Als der Bus an ihr vorbeifuhr, war es mir möglich, in den Winkel des Werbeschildes einzusehen, das mir die ganze Zeit über die Sicht versperrt hatte. Und ich bekam zum zweiten Mal an diesem Tag eine Gänsehaut. Diese Frau stand mutterseelenallein da und winkte mir zu, als sie mich erkannte.

Als ich die Tür zum Hausflur mit einem leisen Klick öffnete, und zu meiner Wohnungstür ging, kam es mir schon komisch vor. Irgendetwas stimmte hier nicht. Meine Wohnungstür stand offen. Was manchmal bei mir vorkam, wenn ich sie nicht richtig zugezogen hatte.
   Diesmal aber war es anders. Sie stand zu weit offen, als dass sich diese von einem Luftzug wieder hätte öffnen können. Langsam und leise, ohne ein Wort zu sagen, betrat ich den Flur.
   Im ersten Moment konnte ich nichts Ungewöhnliches feststellen. Außer, dass es leicht nach überreifen Zitronen roch, deutete nichts darauf hin, dass hier noch jemand war, falls hier überhaupt jemand gewesen war. Bevor ich mich richtig darauf konzentrieren konnte, wurde es dunkel um mich herum. Ich ging keuchend zu Boden. Meine Augen brannten wie Hölle, das Atmen fiel mir schwer und der stechende Schmerz an meinem Hinterkopf war fast unerträglich.
   Ächzend versuchte ich, mich aufzusetzen, was mir verdammt schwerfiel, da sich alles um mich herum zu drehen begann. Still lag ich auf dem Rücken und lauschte nach verdächtigen Geräuschen, was mir nicht gelang, denn mein eigener Herzschlag störte meinen Gehörsinn dermaßen, dass ich es aufgab. Daher beschloss ich, einfach noch einen Moment auf dem Rücken zu liegen, um meine Gedanken zu ordnen, was mir der Rest von meinem Körper dankte.
   So sehr ich auch versuchte, zu verstehen, was da gerade passiert war, ich konnte keinen klaren Gedanken fassen. Meine Augen tränten, an meinem Hinterkopf wummerte es.
   Ich wurde überfallen!, schoss es mir durch den Kopf. Ich fasste es nicht. Jemand hatte mir tatsächlich eins übergezogen und mich mit Pfefferspray besprüht? Erschrocken fuhr ich hoch und starrte zur Wohnungstür. Eiskalt lief es mir den Rücken hinunter. Die Wohnung meiner Eltern.
   Mit einem Kühlpack, das ich mir an den Hinterkopf hielt, durchforstete ich zuallererst meine Wohnung. Gestohlen wurde nichts, jedenfalls sah es nicht danach aus. Alle Schränke waren noch geschlossen, und nichts lag verstreut auf dem Boden herum. Demnach konnte man davon ausgehen, dass die Diebe von meiner Heimkehr überrascht wurden und während meiner kurzfristigen Ohnmacht auf schnellstem Wege das Weite suchten. Vielleicht, dachte ich, als ich das Kühlpack weglegte, habe ich Glück, und die sind zuerst bei mir eingebrochen und nicht erst oben in der Wohnung meiner Eltern. Aber um genau das zu überprüfen, musste ich raus aus meiner Wohnung. Schluck.
   Nachdem ich minutenlang vor meiner Wohnungstür stand und lauschte, ob ich Geräusche von außen hörte, getraute ich mich schließlich, vorsichtig einen Blick in den Außenflur zu werfen. Dann stieg ich vorsichtig die Steinstufen hinauf. Ich hatte eine Scheißangst, aber mich trieb die Neugier an, und ich hoffte fest, dass oben alles in Ordnung war. Zur Sicherheit hatte ich einen Kochlöffel aus der Küche mitgenommen, um mich zur Wehr zu setzen, falls ich es musste. Das Kochmesser im Messerblock ließ ich lieber stecken. Es war sauteuer gewesen, und ich wollte es nicht wegwerfen müssen, sollte es kurzfristig in einem Fremden stecken, der versuchte, mich erneut mit Pfefferspray niederzusprühen. Es wäre mir echt unangenehm, das gute Messer danach noch einmal für meine Kocherei zu benützen. Schließlich war ich nicht Hannibal, oder wie der Kerl hieß, der sich Gulasch aus dem Oberschenkel eines Menschen brutzelte.
   Ich war erleichtert, dass oben alles dunkel und still war, und froh darüber, dass die Wohnungstür meiner Eltern zum Glück noch fest verschlossen war, als ich an ihr rüttelte. Nichts deutete auf einen Einbruch hin.
   Als Nächstes rief ich Karsten an und schilderte ihm in kurzen Worten, was geschehen war.
   Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, bis seine Kollegen, die er mir schicken wollte, auftauchten. Er und Mark kamen einige Zeit später genau zur selben Zeit an wie die Blaulichtfans. Ich könnte heulen, wie peinlich …
   »Ich habe nichts gemacht«, sagte ich zu Karsten und Mark, als sie mich sitzend auf der Steintreppe im Flur antrafen. »Ich habe in der Wohnung nichts verändert, und soweit ich gesehen habe, wurde nichts gestohlen.«
   Die beiden standen nun in dem kleinen Flur meiner Wohnung und begutachteten mit besorgter Miene alles, während ich unsicher meine Kommentare dazu abgab. Ich blieb draußen auf der Treppe sitzen.
   Mark setzte sich neben mich und nahm mich in den Arm. »Karsten macht das schon«, sagte er in einem beruhigenden Ton und küsste mich sanft auf die Stirn. Ich kuschelte mich an seinen festen und warmen Oberkörper und entspannte mich langsam.
   »Schön, dass du da bist. Ich dachte, du wärst länger auf der Montage.«
   »Dachte ich auch, aber der Bau wurde vorerst eingestellt, und somit werde ich hier gebraucht.« Mark zwinkerte mir zu.
   Eine Weile saßen wir schweigend nebeneinander, während er meine Schulter streichelte und ich meinen Kopf an seine lehnte. Dann küsste er mich sanft auf die Wange. »Okay, du kommst mit zu mir!« Mark lächelte, und seine braunen Augen brachten mich zum Schmelzen.
   Und nun wurde mir klar, ich hätte das Angebot, schon früher bei Mark zu wohnen, wahrnehmen sollen. Aber wer hätte gedacht, dass man bei mir einbricht? Ich hatte nichts, was sich zum Stehlen gelohnt hätte.
   Mein Nachbar gegenüber, der hatte Sachen, die man stehlen konnte. Zum Beispiel einen teuren 300-PS-Luxusitaliener. Der stand in der Garage auf einem Teppich und durfte nur dann auf die Straße, wenn es fünf Wochen lang nicht geregnet hatte.
   Seufzend nickend setzte ich mich auf, und rieb sanft mit den Handballen meine Augen, die noch tränten und verdammt wehtaten.
   Karstens Kollegen liefen noch eifrig in meiner Wohnung umher. Jeder Einzelne von ihnen wusste, was er zu tun hatte. Sie nahmen Fingerabdrücke, wie man es aus dem Fernsehen kannte, untersuchten das Schloss an der Tür und machten sich Notizen. Irgendwie erinnerte es mich an einen Bienenstock.
   Ich für meinen Teil wusste, dass sie am Schloss nichts finden würden, da die Tür die Angewohnheit hatte, von selbst aufzuspringen, wenn man sie nicht richtig zuzog oder abschloss. Und da war mir klar, dass ich Mark und Karsten gegenüber dieses Türschloss-Phänomen besser erst einmal nicht erwähnen sollte. Nur eines machte mir Sorgen: Ich hätte unsere Haustür besser abgeschlossen, anstatt den Schnapper hinunterzudrücken. Verdammt noch mal, wer rechnete schon damit, dass gerade an diesem Tag, an dem man dachte, dass es nicht schlimm sei, die Haustür einmal nicht abzuschließen, jemand auf die Idee kam, einzubrechen.

Haralds schwerste Aufgabe

Harald Ferro stand in der Kühlhalle, in der sein Vater das Gemüse lagerte, und wartete auf Lars und Kevin, seine alten Schulfreunde. Er dachte noch einmal über das äußerst ernsthafte Gespräch mit Ricardos Onkel nach, das er vor einigen Tagen mit ihm führte.
   Ricardo hatte Informationen von Josef bekommen, die ihn beunruhigten, und jetzt, da dieser erschossen im Park gefunden wurde, bestätigte sich sein Verdacht, dass es irgendwo in seinen Kreisen einen Maulwurf geben musste. Nun hatte Harald die Aufgabe, seine Jungs heute auf eine Mission zu schicken, bei der es um die Loyalität seiner Kumpels ging. Nachdem Ricardo Harald instruiert hatte, wie er vorgehen musste, war das Gespräch auch schon beendet.
   Genaueres wollte ihm sein Onkel nicht mitteilen, nur so viel, dass einer gewaltig in der Scheiße sitzen würde, sollte sich sein Verdacht bestätigen. Um wen es sich dabei genau handelte, wollte Ricardo nicht sagen, aber Harald beschlich das ungute Gefühl, dass es sich um Lars handeln könnte. Denn, seit Josefs Ableben, erkundigte sich Lars viel über Ricardos Geschäfte bei ihm. Harald blickte auf die Uhr und hoffte, dass Lars und Kevin Erfolg hatten, denn dann konnte er sich selbst und Ricardo beweisen, dass seine Kumpels loyale Freunde waren.

*

Draußen war es dunkel und Lars konnte unbemerkt von außen sehen, dass Harald wie ein Tiger in seinem Käfig auf und ab ging und dabei permanent auf sein Mobiltelefon starrte.
   Was er nun tun musste, verlangte von ihm äußerste Feinfühligkeit, denn der Bruch, den er soeben abbrechen musste, war alles andere als meisterhaft. Lars zählte bis fünf, atmete tief ein und aus, und stakste anschließend mit einem »Hi Kumpel« zur Halle hinein.
   Harald legte den Kopf schief und blickte ihn misstrauisch aus schmalen Augen an. »Wo ist Kevin?«, fragte er leise und ahnte wohl, dass etwas nicht so reibungslos lief, wie es geplant war.
   »Nach Hause.« Lars bewegte sich nicht und war in diesem Augenblick auf alles gefasst.
   »Was genau soll das heißen?«
   »Ähm, es wimmelt nur so von Bullen da draußen«, Lars zeigte mit ausgestrecktem Zeigefinger zur Tür, »und da hielten wir es für ratsam, uns zu trennen.« Er blickte zu Harald, der wie angewurzelt dastand und Lars mit offenem Mund anstarrte.
   »Bullen?« Harald zog seinen Kumpel in einen dunkleren Teil des Raumes. »Und dann kommst du hier her? Sag mal, geht’s noch?«, flüsterte er heiser und blickte nervös zur Tür.
   »Mich hat keiner gesehen, Mann.«
   »Und was war da los, dass du abbrechen musstest?« Haralds Wangen färbten sich langsam puterrot.
   »Scheiße eye!« Lars vergrub seine Hände in den Hosentaschen seiner Jeans. »Die verdammten Tropfen hatten keine Wirkung auf diese Tussi.«
   Bei diesen Worten wurde Harald hellhörig. »Was für eine Tussi? In dem Haus lebt keine Tussi, da gibt es nur diesen stinkreichen Typen. Mann, Lars!« Harald klatschte sich mit der flachen Hand an die Stirn. »Ihr solltet in Hausnummer zweiundzwanzig zu dem Typen einsteigen und dieses Bild für Ramon abholen, du Dämlapp. Was in aller Welt ist daran schwer, ein bescheuertes Bild von der Wand zu klauen? Das hat bisher immer geklappt. Seit dieser dämliche Josef nicht mehr ist, klappt hier nichts mehr!« Harald trat gegen eine leere Kiste, die quer durch den Raum flog, und Lars zuckte, bei dem Wutanfall den Harald hervorbrachte regelrecht zusammen.
   »Kevin war doch dort und hat die Pizza abgeliefert, oder?«
   »Klar war er dort, Mann.« Lars sah unsicher auf seine Schuhspitzen. »Und ich bin kurze Zeit später wie besprochen reinmarschiert. Aber ich musste ein Spray benutzen, um die Tussi außer Gefecht zu setzen, sonst wäre ich aufgeflogen. Sie stand auf einmal im Flur, und ich konnte mich gerade noch in einer Nische an der Garderobe verstecken. Und als sie vorbeikam … wamm!« Lars klatschte in die Hände. »Habe ich ihr mit dem Spray eine Ladung verpasst und ihr mit dem Schirm, der im Ständer steckte, den Rest gegeben. Danach hatte ich Zeit, nur hing an der Wohnzimmerwand kein Bild. Ich habe genau dort nachgesehen, wo Kevin erklärt hat. Nichts!« Lars warf enttäuscht die Hände in die Luft. »Mein erster Gedanke war, erst mal raus, um Kevin zu finden. Der Akku vom Handy war alle, und ich konnte ihn nicht anrufen. Kurz darauf hörte ich die Sirenen, und es dauerte nicht lange, da kam die Polizei mit allen Wagen, die die auf dem Revier stehen hatten, in die Straße eingebogen und hielten vor dem Haus.«
   Harald schnaubte verächtlich durch die Nase. »Rate mal, wer die Bullen gerufen hat! So fest scheinst du nicht zugehauen zu haben!«
   Lars zuckte gleichgültig mit den Schultern. Harald trat näher an ihn heran, sodass sich ihre Nasen fast berührten.
   »Lass es mich dir deutlich machen. Kevin liefert die verdammte Pizza, nachdem der Kerl bei Gino bestellt hat. Vorher träufelt er die Tropfen auf das gute Stück und manipuliert beim Verlassen des Hauses die Haustür, damit sie sich hinterher einfach aufschieben lässt. Du wartest eine gute Stunde, Kontrollanruf, ob der Kerl schon im Land der Träume schwebt und dann ab ins Haus. Unauffälliger geht es kaum. Das lief bisher immer so, ohne Pannen! Was heißt, die Tropfen wirken nicht, und, was das Beste ist, wieso höre ich ständig das Wort ‚Tussi‘ von dir? In Hausnummer zweiundzwanzig wohnt ein Kerl!«
   »Harald«, sagte Lars mit einem Zittern in der Stimme und machte automatisch einen großen Schritt nach hinten, »mein Akku vom Handy war alle, ich konnte keinen Kontrollanruf machen. Ich dachte mir, ich warte einige Minuten und gehe einfach rein. Scheiß auf den Anruf, wenn Kevin etwas zusammenmixt, wirkt das immer.«
   »Lars«, sagte Harald mit leiser Stimme und fasste ihn blitzartig am Kragen seines Shirts. »Sag nicht, du bist ins falsche Haus rein!« Bedrohlich schnaubte Harald ihn an, und er versuchte automatisch, weiter nach hinten auszuweichen.
   »Da kam eine Frau durch die Tür.« Lars keuchte, und Harald lockerte seinen Griff. »Kevin hat zu mir gesagt, bevor er die Pizza auslieferte, dass in dreiundzwanzig gleich alles startklar sei.«
   Lars wich, so gut es ging, vor Harald zurück. Was schwer war, denn er hielt ihn noch am Shirt fest.
   »Dreiundzwanzig? Habe ich mich da eben verhört! Du bist im Haus dreiundzwanzig eingestiegen?«
   Lars nickte. »Ich konnte erst nichts verstehen, der Empfang war scheiße, aber dann sagte Kev deutlich dreiundzwanzig.«
   Harald atmete enttäuscht aus. »Du Affe! Du bist in die falsche Wohnung rein!«
   »O Mann«, Lars raufte sich die Haare, »ich hab Kev nicht richtig verstanden!«
   »Das darf nicht passieren, Mann, du hättest nachfragen sollen!«
   »Mein Akku war alle.« Zur Bestätigung zeigte Lars Harald das Telefon.
   Harald packte es und schleuderte es zornig gegen die Wand. »Du kaufst dir gefälligst ein besseres Handy! Scheiße, jetzt liegt die Pizza in dieser Wohnung, der Kerl ist im Land der Träume, und wir können nicht mal hinfahren, weil gegenüber die Polizei wegen Einbruchs ermittelt!«
   »Dann holen wir das Bild eben ein andermal. Am nächsten Wochenende bestellt der sicher wieder bei Gino. Dann wird Kevin liefern und dann ziehen wir das Ding richtig hoch! Der hat in der Garage noch einen Wagen stehen, der von Interesse sein könnte«, meinte Lars erfreut, was Harald nicht gefiel.
   »Von dem lässt du gefälligst die Hacken weg! Wir brauchen nur das Bild!«
   »Hey Harald, das würde Ricardo sicher freuen, wenn wir den Wagen für ihn beschaffen. Was ist an so einem dämlichen Bild denn nur so besonders?«
   Harald seufzte. »Dieser seltene Oldtimer gehört Ricardo bereits. Das wissen aber nur du und ich, verstanden!« Harald drohte ihm mit dem Finger. »Das Bild brauche ich für Ramon.«
   Lars horchte auf. »Das ist also der Wagen, auf den Ricardos Konkurrent so scharf ist?«
   Harald stockte. »Woher weißt du das mit Trimante?«
   Lars winkte ab. »Hab ich auf der Straße gehört«, log er. »Wir sollten uns das Auto holen und mal eine Runde damit drehen.«
   »Hey, Mann! Bau keinen Scheiß, verstanden?«, knurrte Harald warnend.
   »Hey, Kumpel, das war doch nur Spaß.«

*

»Hm«, brummte Harald skeptisch. Er kannte seinen Kumpel gut genug, um zu wissen, dass dieser eben keinen Scherz rausgehauen hatte. Was er nun tun musste, fiel Harald schwer. Er war nun dabei, den Käse in die besagte Falle zu legen.
   »Ich verrate dir was, wenn du die Klappe halten kannst«, meinte er. »Das Bild wäre für Ramon gewesen, damit hat mein Onkel nichts am Hut, und wenn der mitbekommt, dass ich hinter seinem Rücken einen eigenen kleinen Deal am Laufen habe, brauche ich nicht mehr hier raus.« Er fuhr sich durch die Haare. »Mann, shit! Ricardo wird fuchsteufelswild werden, wenn er erfährt, warum ich dieses Bild brauche.« Er blickte seinen Kumpel sorgenvoll an, der danebenstand und ein fettes Grinsen in seinem Gesicht zeigte. »Was gibt es da zu grinsen?«
   »Wir haben diese Aktion heute nur für deinen Kram gemacht und nicht für Ricardo? Was war das für eine Hilfe, dass dieser Bruch heute so nötig war?« Lars schüttelte den Kopf.
   »Scheiße, ich hab mir Ricardos Wagen geborgt.« Harald seufzte.
   »Der aus der besagten Garage?«
   »Ja. Leider hat sich da ein Ast verfangen, als ich einen Feldweg entlangfuhr. Ich musste Ramon bemühen, ihn so unauffällig wie möglich hier wegzuschaffen, um diese beschissene Schramme entfernen zu lassen«, antwortete Harald wahrheitsgemäß.
   Lars blickte Harald mit großen Augen an, dann fing er an zu lachen. »Du klaust ein Auto aus Ricardos Garage, fährst es zu klump und willst, dass wir dort ein zweites Mal einsteigen? Glaubst du nicht, dass es scheiße noch mal gefährlich ist, dort einzusteigen, wenn derjenige, dem die Garage gehört, weiß, dass einer das Auto dort rausgeholt hat?«
   Harald blickte seinen Kumpel schräg an. »Der Stellplatz gehört zu Ricardo, nicht die Wohnung. Der Kerl da hat sie nur vermietet oder so. Dem ist es doch egal, wann und wie oft das Auto in der Garage steht. Ich weiß nur, dass der, der ihm diese Garage zur Verfügung stellt, ein Bild in seinem Wohnzimmer hat, das Ramon gefiel, als er dort war, um den Vertrag klar zu machen. Das hat Ramon erwähnt, als ich ihn darum gebeten hatte, diese beschissene Delle zu beseitigen. Der hatte Aufwand, musste mit dem Lkw herkommen. Mann, warum muss ich dir das auch noch erklären? Macht, was ich euch sage, dass allein zählt hier!«
   »Und man kann zu jeder Zeit an die Karre ran?«, fragte Lars neugierig.
   »Mann, hörst du mir überhaupt zu?«, murrte Harald, »es geht um das Bild!«
   »Es geht um deine Blödheit.« Lars kicherte. »Hat Ramon das Auto wieder in den Uhrzustand versetzt?«
   »Hör auf, mir ständig Fragen über das Auto zu stellen. Die Sache mit dem Bild können wir vergessen!«
   »Ich besorge es ein andermal, wenn sich die Tussi gegenüber wieder sicher fühlt.« Lars grinste beschwichtigend.
   »Lass mich damit in Ruhe, vergiss es«, meinte Harald enttäuscht. Verzweifelt blickte er auf die Uhr. »Übrigens, die Tussi, wie du sie nennst, Lars, sitzt im Kurs an der Uni neben mir. Die ist neugierig, weißt du das!« Harald kam näher an Lars heran. »Sie heißt Maike und ist ’ne Nervensäge! Die schnüffelt mir hinterher. Und das ist das Letzte, was wir hier gebrauchen können. Genau, wie dieser neugierige Kai von gegenüber in seinem beschissenen Imbisswagen!« Harald zeigte zum Fenster in die Richtung, in der der Wagen von Kai Ganter stand. Es störte ihn gewaltig, dass dieser besagte Kai alles zu beobachten schien, was im Lagerhaus vor sich ging. Und bei Ganter war er sich ganz und gar nicht sicher, was der Kerl über ihn wusste. Seit er selbst seine Geschäfte hier in dieser Gegend machte, wechselte dort im Imbiss von heute auf morgen der Besitzer. Das konnte ein Zufall sein, aber Harald traute der Sache nicht. »Ich glaube, der wird mir zu neugierig. Letzte Woche habe ich ihn erwischt, wie er um die Halle schlich, als Ramon die Lieferung abholte, und das gefällt mir nicht. Kümmere dich um ihn. Mach einmal etwas richtig, Lars! Und vergiss die Karre von Ricardo«, maulte Harald sauer. Beweise mir, dass mein Onkel falsch liegt.
   Jetzt wurde auch Lars sauer. »Fehler passieren! Das müsstest du doch als Erster wissen. Ich kümmere mich um den da draußen. Ich kümmere mich auch um diese Maike, wenn du das willst. Auch um jeden anderen, der zu neugierig ist. Damit hatte und habe ich kein Problem.«
   Harald schaute ihm nur seelenruhig in die Augen. Er hoffte für Lars, dass dieser wusste, wann er aufzuhören hatte, das Maul aufzureißen. Besonders jetzt, indem er so laut schrie, dass sämtliche Nachbarn einen Ort weiter hören konnten, was er da gerade an Informationen von sich gab, die besser keiner hören sollte.
   Wütend und vor lauter Ärger darüber, dass Harald den Coolen mimte, stieß Lars ihm hart mit der flachen Hand vor die Brust, was Haralds Geduldsfaden reißen ließ.
   »Nimm dich in Acht, mehr sag ich dir nicht«, brüllte Harald vor Zorn und schlug auf seinen Freund ein, bis dieser die Tür fand und fluchtartig hinaus ins Dunkle taumelte.
   Harald gab der Tür von innen einen harten Tritt, sodass diese mit einem Knall ins Schloss fiel und sogar das gesamte Rolltor anfing zu vibrieren. Dann zückte er sein Telefon, wählte mit zitternden Fingern eine Nummer und ging zurück in den dunkleren Teil des Lagerraums.

*

Als sich Lars gefangen hatte, bemerkte er eine Gestalt, die nicht weit entfernt der Tür, fast wie selbstverständlich an der Lagerhausmauer lehnte und ihn beobachtete. Er erkannte die Person auf Anhieb. Es war die Frau, die er als die Irre kannte. Sie sah auf seine blutende Nase, schnaubte ihn verächtlich an und lief im Schutze der Dunkelheit zwischen den Häusern davon.
   Lars kannte sie nicht gut, wusste aber, dass sie Josefs Schwester war. Wütend trat er gegen einen alten, zerbrochenen Mauerstein, der hoch in die Luft hinter eine Hecke flog und mit einem dumpfen Poff in den Rasen einschlug. Josef, dieser Idiot, war nahe dran, ihn auffliegen zu lassen. Und jetzt spielte sich Harald auch noch auf, als wäre er der Boss. Das konnte er sich nicht gefallen lassen. Lars blickte zum geschlossenen Rolltor. Es war ein Glückstreffer, dass er heute in die falsche Wohnung eingestiegen war.
   Als er sich zum Gehen umdrehte, fiel sein Blick hinüber auf die andere Straßenseite und bemerkte, dass da noch jemand war, der ihn zu beobachten schien. Kai Ganter. Lars blieb einen Moment stehen, zog die Augen zu engen Schlitzen zusammen und beobachtete ihn ebenfalls. Wie viel hast du mitbekommen?, fragte sich Lars, während er sich die blutige Nase am Ärmel seines Shirts abwischte. Dabei starrte er in die Dunkelheit zum Imbiss hinüber, wo Kai gerade die Tür abschloss und pfeifend davonging.
   Du wirst es noch spüren, was es heißt zu schnüffeln, dachte Lars bitter und hatte bereits einen neuen Plan.

Gino

Der vorläufige Umzug in Marks Wohnung ließ sich nicht mehr vermeiden. Bevor ich meine Wohnungstür verschloss, warf ich seufzend einen letzten Blick in den Flur. In meiner Wohnung sah es aus, als wäre eine Horde Schlümpfe, gejagt von Schornsteinfegern, im Galopp durch die Zimmer gepoltert. Überall schwarzes Pulver am Boden. An manchen Stellen in der Wohnung sah man rechteckige Felder, an denen die Leute der Spurensuche die Abdrücke, die das Pulver sichtbar gemacht hatte, mittels Klebefolie genommen hatten. Sogar an der Wand pappte dieses Pulver. Mark, der meine Gedanken zu lesen schien, legte seine Hand auf meine Schulter, schloss die Tür ab und schob mich sanft aus der Haustür in Richtung Jeep.
   »Auch das bekommen wir in den Griff«, sagte er mit seiner rauen Stimme, die mich allein schon auf andere Gedanken bringen könnte. Er öffnete mir lächelnd die Wagentür und schloss sie sanft, nachdem ich lustlos ins Innere geklettert war und nach dem Sicherheitsgurt griff.
   »Jetzt gehörst du mir!« Mark grinste schelmisch. »Karsten wird auf dich aufpassen, wenn ich nicht da bin.«
   Verlegen sah ich auf meine Füße. Ja, ich hatte verstanden, Mark hatte sich zu Recht gesorgt.

Caro und ich saßen einige Tage später nach meinem Einzug bei Mark auf dem Sofa im Wohnzimmer, und ich musste ihr sorgfältig jede Einzelheit des Einbruchs schildern. Meine Freundin kam erst heute von einer Geschäftsreise zurück und war, nachdem sie von dem Überfall in meiner Wohnung gehört hatte, gleich zu Mark und mir mit einer Karte aus Ginos Laden gekommen. Als ich sie hereinbat, wedelte sie mir diese mit den Worten »Keine Widerrede, ich zahle« um die Nase, drückte mich feste und bemitleidete mich fast schon übertrieben. Dann drückte sie Mark die Speisekarte in die Hand, schleppte mich ins Wohnzimmer und zog eine kleine Flasche Sekt aus ihrer Handtasche hervor.
   »Na, dann bestelle ich für uns mal etwas zu beißen.« Mein Freund grinste und blickte mich mit seinen dunklen braunen Augen liebevoll an. Und auf einmal hatte ich keine Lust mehr auf Pizza.
   Caro räusperte sich neben mir. »Ich kann auch woanders essen.«
   »Nix da, du bleibst!« Ich lachte verlegen und boxte ihr spielerisch in die Rippen.

Gino kam dreißig Minuten später höchstpersönlich zu uns und lieferte das Essen und eine Flasche Wein »Extra« für uns aus.
   »Man sieht dich kaum noch, Gino«, sagte Caro und trat mir unter dem Tisch gegen den Fuß.
   Ich wusste, was sie wollte. Sie hatte Angst, dass ich ihn nach dem Toten fragen könne. Beleidigt zog ich die Brauen zusammen. Ich hätte Gino nicht über den armen Josef ausgefragt.
   »Wir haben jetzt viele Bestellungen zur Mittagszeit, und ich brauche noch Fahrer die tagsüber fahren. Es ist im Augenblick alles nicht so einfach für mich. Und was mir Sorgen bereitet ist, dass ich beweisen soll, dass der tote Mann, den man im Park gefunden hat, nichts mit mir zu tun hat«, antwortete Gino und sprach damit das Thema von allein an. »Immer wieder stellen die Polizisten Fragen, und ich weiß nichts mehr dazu zu sagen. Die Polizei glaubt mir nicht. Sie sagen, ich würde etwas verheimlichen, sie würden mir schon noch beweisen, dass der Mann bei mir arbeitete. Warum die das glauben, kann ich nicht sagen. Ich bin und war immer ein anständiger Bürger. Ich musste den Toten auf einem Bild anschauen, aber ich kannte ihn nicht!« Gino schüttelte sich kurz. »Das ist gruselig, wisst ihr das?« Müde rieb er sich über die Augen.
   »Glauben wir dir«, sagte Mark einfühlsam.
   »Ich kann nicht glauben, dass ich mit einem Mord in Verbindung gebracht werden soll«, sagte er in diesem Augenblick mehr zu sich selbst als zu uns. »Ihr müsst wissen, dass solche Behauptungen meinem Geschäft schaden. Es wird bald Gerüchte geben, und ich wäre nicht Gino, würde ich mir dies gefallen lassen.«
   Caro und ich warfen uns verwunderte Blicke zu.
   Gino sah mich an. »Ich muss herausfinden, wer mir da was anhängen will. Das ist nicht gut fürs Geschäft. Dieser Mann war keiner von meinen Fahrern.« Enttäuscht schüttelte er den Kopf.
   »Der Typ trug aber eine Jacke von deiner Pizzeria?«, fragte ich vorsichtig.
   Caro trat mir unter dem Tisch erneut ans Bein, das mir signalisieren sollte, die Klappe zu halten. Aber meine Frage brachte den Stein ins Rollen. Gino schaute, als wäre es das Normalste auf der Welt, mit seinen Jacken herumzulaufen.
   »Solche Jacken kann man im Internet kaufen. Dort gibt es noch andere Sachen von meinem Geschäft, als Werbeidee!« Er wedelte heftig, verzog die Stirn nach oben und die Mundwinkel nach unten. Dabei sah er aus, als wäre er ein Boss aus einem Gangsterfilm.
   Ich blickte zu Caro, und mir fiel dieser Don urplötzlich wieder ein. Gino war in Wirklichkeit auch solch ein Don, er strahlte eine Autorität aus, die ich einfach nur faszinierend fand.
   »Das war die Idee von meiner Frau«, sagte er. »Wisst ihr, sie denkt, wir müssen Werbung machen. Ich komme bald nicht mehr hinterher mit den Bestellungen für meine Pizza. Ich brauche das nicht. Das ist Stress!« Als Gino merkte, dass er, während er sprach, lauter wurde, sah er uns entsetzt an und schwieg abrupt.
   Wir saßen auf dem Sofa und schauten ihn mit großen Augen an. So hatte ich ihn noch nie gesehen oder gehört.
   »Was ist das für eine Welt, in der man einfach so gute Jungs zur Strecke bringt?« Entnervt und nachdenklich zugleich schüttelte er seinen Kopf.
   Ich horchte auf. Irgendetwas schwang in seiner Stimme mit. Es war fast so, als wäre Josef ihm doch nicht so unbekannt, wie er zuvor noch behauptete. Ich grübelte. Doch als ich die Worte »Ich überlege das Geschäft für eine Weile zu schließen« hörte, schnellte mein Kopf zu Gino herum.
   »Was?«, fragte ich verblüfft, ebenso Caro.
   »Es vergeht kein Tag, an dem die Polizei nicht in den Laden kommt. Ihnen ist es egal, ob ich Kundschaft habe oder nicht. Ich spüre die unsicheren Blicke meiner Kunden, und viele meiner Stammleute verbringen ihre Mittagspause woanders. Ich bin müde, das macht keinerlei Spaß mehr.« Gino sah mich traurig an.
   »Gino«, sagte ich erschrocken, »du darfst nicht aufhören. Deine Kunden kommen wieder, dessen bin ich mir sicher. Außerdem würdest du doch sicher nur das Gerücht, dass du vermeiden möchtest, schüren, wenn du schließen würdest.«
   Caro nickte zur Bestätigung, als hätte sie Angst, etwas zu sagen. Gino war so in Fahrt gewesen, ich kam mir selbst vor, als bekäme ich eine Standpauke gehalten.
   »Ich denke, du hast recht.« Gino kratzte sich nachdenklich am Kinn. »Danke Leute für eure nette Aufmunterung. Die, die bei dir eingebrochen haben, bekommen noch …, wie sagt ihr immer?« Er überlegte kurz. »… ihr Fett weg«, beendete er seinen Satz und lachte.
   Sein Gesichtsausdruck erhellte sich, dann packte er den Deckel der Lieferbox zu. Mark bezahlte die Pizza und begleitete Gino noch zur Tür.
   »Wow«, sagte Mark, als er zurückkam, »der kann ganz schön Dampf ablassen.«
   »Stimmt«, sagte Caro, »nur was meinte er mit: Ich finde heraus, wer mir schaden will? Und woher wusste er, dass man bei dir eingebrochen hat?«
   »Kann und will ich nicht wissen«, sagte ich und starrte auf den noch geschlossenen Karton vor mir auf dem Tisch.
   Mark schaute mich belustigt von der Seite an und grinste. »Raubtierfütterung«, sagte er und öffnete den Deckel der Pizzaschachtel.
   Eine Duftwolke stieg auf, und kaum war diese verflogen, kaute ich auch schon das erste Stück von meiner Pizza-extrascharf.
   »Sie ist wieder die Alte«, sagte Caro erleichtert, lehnte sich zurück in das Sofa und biss genussvoll in ihr Pizzateil mit viel Käse.

Die Leseprobe hat dir gefallen?
Hol dir das E-Book in einem der
zahlreichen, bekannten Onlineshops.

Viel Spaß beim Weiterlesen.