Alexandra Woods kann ihr Glück kaum fassen, als ihr Chef, Cole Lowell, sie bittet, ihn auf eine Geschäftsreise nach Berlin zu begleiten. In der Hoffnung, endlich sein Herz zu gewinnen, lässt sie sich auf eine heiße Affäre mit ihm ein, nur um am nächsten Morgen in eine Katastrophe zu schlittern. Cole hat sie nur mitgenommen, damit sie seinem Kunden schöne Augen macht. Wird sich Alex auf das gefährliche Spiel einlassen, um Coles Herz zu gewinnen?

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Lina Roberts

Lina Roberts ist ein Winterkind des Jahres 1969. Dennoch liebt sie den Frühling, sonnige Tage am Meer und die quirligen Metropolen Berlin, Kairo und Bangkok. Wenn sie nicht gerade schreibt, liest sie gern oder hängt träumend ihren Fantasien nach. Unter anderem Namen hat sie bereits einen Roman und einige Kurzgeschichten veröffentlicht. Als Lina Roberts schreibt sie romantische Liebesromane mit prickelnder Erotik.    

Autorenseite

Leseprobe

1. Kapitel

Alex angelte aus ihrer Jackentasche einen Fünfeuroschein, der sich im Gegensatz zur Pfundnote seltsam anfühlte, und drückte ihn dem Hotelpagen in die Hand. Pikiert blickte er auf den Schein, warf ihr einen abfälligen Blick zu und stolzierte aus der Suite.
   Als die Tür ins Schloss fiel, konnte sie ihr Grinsen nicht mehr zurückhalten. »O mein Gott!« Sie war tatsächlich im Adlon Kempinski Berlin. Sie, die in einem Dorf in der Grafschaft Norfolk im Osten Englands aufgewachsen war, und deren Eltern außer einem Bauernhof und zwanzig Kühen nur noch einen altersschwachen Traktor ihr Eigen nannten. Welche Glücksgöttin ihr nach ihrem Studium vor drei Jahren hold gewesen war, wusste sie bis heute nicht.
   Sie war vom Juniorchef eines der umsatzstärksten Managementberatungsunternehmen Großbritanniens als Buchhalterin eingestellt worden. Alex war allerdings klar, hätte sie den Sohn vom großen Boss vor ihrem Einstellungsgespräch kennengelernt, würde in ihrem Master kein ‚Sehr gut‘ stehen. Cole Lowell war der erste Mann, bei dem Alex ihre Disziplin und die gottesfürchtige Erziehung vergaß, die ihr Vater ihr mit dem Ledergürtel eingebläut hatte. Nicht, dass der Glaube in ihr tatsächlich fruchtbaren Boden gefunden hätte, aber die Schläge ihres Vaters hatten bis zu jenem Tag vor drei Jahren verhindert, dass in ihr auch nur ein unzüchtiger Gedanke keimte.
   Sie verdrängte die Erinnerungen, schälte sich aus der Kostümjacke und warf diese über das schicke Sofa, das mit dem Rücken vor ihr stand. Es wurde von zwei Lampen und ebenso vielen Sesseln flankiert. Dahinter befand sich ein gläserner Tisch, auf dem, neben einer Schale mit Erdbeeren, eine bauchige Vase mit einem Rosenstrauß platziert worden war.
   Ihr Blick verfing sich an dem Kamin, der in der Wand hinter dem Glastisch eingelassen war. Für einen Moment geriet sie in Versuchung, die Klimaanlage auf zehn Grad einzustellen, um einen Grund zu haben, den Kamin anzuzünden. Es musste himmlisch sein, auf dem Sofa zu liegen und den flackernden Feuerschein zu betrachten.
   Mit einem Seufzen wandte sie sich ab und ging ins Schlafzimmer. Das wuchtige Bett besaß am Fußende Pfosten, die den gepolsterten Betthimmel stützten. Vor dem Fenster rechts von ihr stand ein runder Glastisch mit Sesseln. Links führte eine Tür ins zweite Badezimmer. O ja, bei einer Zimmergröße von fast siebzig Quadratmetern reichte ein Bad nicht aus. Alex kicherte hinter vorgehaltener Hand und verschluckte sich beim Anblick der in dunkles Holz eingelassenen Badewanne. Großer Gott, zum Schlafen würde sie in den kommenden zwei Nächten kaum kommen. Schließlich musste sie die Sauna im ersten Badezimmer ausprobieren, den Kamin und die bequeme Wanne. Nur gut, dass sie ihren Lieblingsroman einge…
   Ein Klopfen riss sie aus ihren Überlegungen. Alex eilte aus dem Schlafzimmer. Als sie im Wohnzimmer anlangte, klopfte es erneut. Sie blieb abrupt stehen und lauschte. Das Geräusch war eindeutig nicht von ihrer Zimmertür gekommen. »Natürlich«, entfuhr es ihr leise und ein Stich durchbohrte ihr Herz.
   Cole bewohnte die Nachbarsuite und zu dieser existierte eine Verbindungstür. Eigentlich sollte sie das Vorhandensein der Tür nicht wundern. Jeder Mitarbeiter der Richard Lowell Group wusste, dass der fünfunddreißigjährige Cole ein Verhältnis mit Caroline Sheldon hatte, auch wenn sich beide im Büro nicht einmal die Hände schüttelten. Innerhalb von einem Jahr war die knapp neunzehnjährige Caroline von einer einfachen Schreibkraft zur persönlichen Assistentin des Juniorchefs aufgestiegen. Offenbar lohnte es sich doch, jeden Tag mit High Heels, Minirock und bauchfreiem Top im Büro aufzutauchen.
   Alex seufzte lang anhaltend. Nicht nur, dass sie acht Jahre älter als Caroline war, gegen diese wirkte sie mit ihren weit geschnittenen Hosenanzügen, die sie üblicherweise trug, wie eine Matrone. Ihre Freundin Rose hatte mal gesagt, sie habe eine Figur, nach der sich die Männer im Mittelalter die Finger abgeleckt hätten, denn ihr Busen hätte bei jedem Schritt gedroht, aus dem Mieder zu hüpfen.
   Ein drittes Klopfen erklang und Alex schüttelte den Kopf. Hatte sie ernsthaft geglaubt, eine graue Maus fiele in der Masse der Mitarbeiter dem Juniorchef auf? Er nahm nicht einmal am Monatsende von ihr als Frau Notiz, wenn sie ihm die Gewinn- und Verlustrechnung vorlegte. Ihre Dummheit, das nicht in einem Minikleid und Seidenstrümpfen zu tun. Sein Schreibtisch hatte ihre Fantasie mehr als einmal angeregt. Aber im vergangenen Jahr hatte Alex bei der Vorstellung, wie Caroline auf der dunklen Holzoberfläche saß und die braun gebrannten, schlanken Beine für Cole öffnete, ihren Illusionen einen Riegel vorgeschoben.
   Alex straffte den Rücken und ging zur Verbindungstür. Natürlich war nicht vorgesehen gewesen, dass sie diese Suite für drei Tage bewohnen würde. Eine simple Magen-Darm-Grippe fesselte jedoch Caroline seit vorgestern Abend ans Bett. Notgedrungen musste Cole auf eine andere Reisebegleitung zurückgreifen, allerdings war Alex nicht auf die Idee gekommen, dass er ausgerechnet sie mit nach Deutschland nehmen würde. Selbst, als er sie gestern Vormittag in sein Büro bestellte, hatte sie keinen Schimmer. Sie war schließlich seine Buchhalterin, wozu sollte er sie irgendwohin mitnehmen?
   »Ihre Mutter ist in Berlin geboren worden?«, hatte er sie gefragt, ohne von der vor ihm liegenden Akte aufzublicken.
   »Ja und ja.«
   Sein Blick aus dunkelgrünen Augen streifte ihr Gesicht, bevor er den Kopf erneut senkte.
   »Ich spreche perfekt deutsch.« Seine Frage nach ihrer Mutter konnte nur auf die Tatsache abzielen, dass sie zweisprachig aufgewachsen war. Ihre Mutter war zwar in einem Kuhkaff außerhalb Berlins groß geworden, aber Cole interessierte sich garantiert nicht für die Kindheitserinnerungen einer ihm unbekannten Frau. Er war nicht deshalb zu einem der gefragtesten Unternehmensberater Großbritanniens geworden, weil sein Vater die Firma gegründet hatte. Cole kannte nicht nur die Schwächen seiner Konkurrenten, sondern auch die der Firmen, die er in Managementfragen beriet.
   Alex schob sich eine Haarsträhne hinter das Ohr, drehte den Schlüssel um und öffnete die Tür.
   Cole lehnte am Türrahmen, sein kalter Blick stach ihr regelrecht in die Augen. »Ich klopfe aus Prinzip nur ein einziges Mal, merken Sie sich …« Sein Blick glitt von ihrem Gesicht an abwärts.
   Wie jedes Mal, wenn er sie derart musterte, straffte sie den Rücken. Sie stammte vom Land, aber deshalb war sie noch lange kein Bauertrampel. In seinen dunklen Iriden tauchte ein Leuchten auf, das sie noch nie dort gesehen hatte. Sie senkte den Kopf und schnappte nach Luft. Die hochsommerlichen Temperaturen hatten ihre dünne Bluse am Körper festgeklebt und die ließ anders, als ihre üblichen weiten Jacken keinen Zweifel an ihrer Körbchengröße.
   Selbst als sie tief durchatmete, wanderte sein Blick nicht in ihr Gesicht. Seine sinnlich geformten Lippen teilten sich und seine Zungenspitze tauchte in dem schmalen Spalt warmer Feuchtigkeit auf. Wie würde es sich anfühlen, wenn er ihre Nippel genau da hineinsaugte?
   Alex entfuhr ein leises Stöhnen. Ihre Brustwarzen wurden hart, und feuchte Hitze bereitete sich zwischen ihren Schenkeln aus. Ein dunkler Glanz legte sich über seine Augen und seine Zunge strich über die Unterlippe. Wenn sie nach unten blicken würde, würde seine Hose an einer bestimmten Stelle …?
   Das Klingeln seines Handys zerriss den Moment.
   Cole fuhr sich durch die rabenschwarzen kurzen Haare, sah auf sein Display und drückte den Anrufer weg. »In einer Stunde treffen wir uns mit Mr. Pohl und seinem Sohn zum Dinner«, sagte er mit einer Stimme, die kalt wie Eis klang. »Seien Sie pünktlich.« Sein Blick wanderte erneut zu ihrem Oberkörper. Er presste die Zähne aufeinander und wirbelte herum.
   Sie bekam für einen Herzschlag lang seinen in Jeans steckenden knackigen Hintern zu sehen, bevor er die Verbindungstür mit einem lauten Knall ins Schloss warf. Alex fuhr zurück und starrte die Tür an. Cole hing der Ruf an, Schwächlinge mit Worten zu filetieren, doch bislang hatte er sie noch nie derart kalt und von oben herab behandelt. Sie senkte den Kopf. Deutlich zeichneten sich ihre hervorstehenden Nippel unter der dünnen weißen Seidenbluse ab. Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit hatte sie zur Feier des Tages heute Morgen einen Spitzen-BH ausgewählt und keinen simplen aus Baumwolle mit eingearbeiteten Körbchen.
   Alex schob ihre Tür leise ins Schloss. Ihr Anblick musste Cole derart entsetzt haben, dass er vor lauter Wut seine Fassung verlor. Den Tränen nahe ging sie ins Schlafzimmer und kramte in ihrer Reisetasche. Ursprünglich hatte sie für das Dinner ein luftiges Sommerkleid eingepackt, aber da sie kein Verlangen auf eine Wiederholung von eben verspürte, wählte sie eine weit geschnittene lange Bluse und eine legere Leinenhose aus.
   Hatte sie tatsächlich geglaubt, Cole in den kommenden Tagen näherkommen zu können? Gegen die rassige Caroline hatte sie doch keine Chance. Ihre Körbchengröße mochte zwar über der von Caroline liegen, ansonsten hatte sie jedoch nur noch blasse Haut, langweilige aschblonde Haare und einen zu üppig geratenen Körper zu bieten. Offensichtlich nichts, auf was Cole stand.

Mit ein paar raschen Schlucken trank Alex ihr Weinglas leer und stellte es auf den Tisch. Der Kellner kam augenblicklich herbei und schenkte ihr zum dritten Mal nach. Gott, sie sehnte sich trotzdem nach einem Cognac. Seit das Dinner vor einer Stunde begonnen hatte, würdigten weder Cole noch Mr. Pohl Senior sie eines Blickes, dafür Pohl Junior umso mehr. Trotz ihrer hochgeschlossenen Bluse fühlte sich Alex, als säße sie nackt vor ihm. Anscheinend hielt er sie für ein Appetithäppchen, das er sich zwischendurch gönnen konnte. Coles Desinteresse bestärkte Pohl Junior wohl in seinem Ansinnen. Sein anzüglicher Blick ruhte beinahe ununterbrochen auf ihrem Busen. Ob er wusste, welche Augenfarbe sie hatte?
   Alex schob ihren Dessertteller beiseite. Von dem vorzüglichen Essen hatte sie kaum etwas hinunterbekommen. Sie fragte sich wiederholt, warum Cole sie mitgeschleift hatte. Die Unterhaltung am Tisch drehte sich nicht ums Geschäftliche, sondern um den neuesten Klatsch der High Society. Gott. Liefen derartige Dinner immer so langweilig ab?
   »Verraten Sie uns den neuesten Mitarbeitertratsch, der im Büroturm der Richard Lowell Group kursiert, Ms. Woods?«, fragte Pohl Junior, der ihr gegenübersaß. Er tupfte sich den Mund mit seiner Serviette sauber und sah ihr zum ersten Mal in die Augen.
   »Wenn Sie mir Ihre Gedanken verraten«, entgegnete Alex und ergriff ihr Weinglas. Pohl Junior wurde tatsächlich rot im Gesicht. Wenigstens etwas.
   »Die sind so langweilig, damit kann ich bei Ihnen garantiert nicht punkten.«
   Jede Wette, dass er seine Gedanken nicht für langweilig hielt. Er atmete ein wenig zu schnell und lief da nicht ein Schweißtropfen an seiner Schläfe hinab? Alex spülte den ekligen Geschmack, der ihr plötzlich auf der Zunge lag, mit Wein hinunter. Sie wollte sich nicht ausmalen, in welcher Pose sie in seinen Gedanken gerade vor ihm lag. Andere Frauen würden sich garantiert bei seinem Werben geschmeichelt fühlen. Mit seinem strubbeligen Blondhaar, dem Dreitagebart und den kobaltfarbenen Augen sah er aus, als könnte er auf dem Titelbild eines Modemagazins posieren. Doch sein maßgeschneiderter Anzug konnte nicht die Ansätze von Fettpölsterchen verbergen, die von seinem Jetsetleben stammten. Er genoss ohne Zweifel mehr, als das er in seinem Büro saß und arbeitete. Trotzdem sah er umwerfend aus. Alex fragte sich im Stillen, wieso er den Blick auf sie gerichtet hielt, obwohl sich jede Frau im Restaurant wegen ihm und Cole den Hals verrenkte. »Mr. Pohl, das nehme ich …«
   »Jens«, warf er ein und strahlte sie an, jedoch erreichte das Lächeln seine Augen nicht. Er glaubte scheinbar, dass der Reichtum, der ihn umgab, ausreichte, um sie ins Bett zu bekommen.
   Alex warf einen raschen Seitenblick zu Cole, der neben ihr saß. Er hatte seine leise Unterhaltung mit Pohl Senior abgebrochen und nippte gelangweilt an seinem Wein.
   Wut begann in ihrem Bauch zu gären. Wenn er ihre Anwesenheit nicht ertrug, warum hatte er sie dann mitgenommen?
   »Das nehme ich Ihnen nicht ab«, sagte sie zu Jens und zwang sich zu einem Lächeln. Dieser schmierige Typ widerte sie an. Er meinte wohl, weil sie etwas fülliger war, reichte es aus, einige Male mit den Wimpern zu klimpern, um sie ins Bett zu bekommen. »Sie sahen aus, als verweilten Sie in angenehmen Gedanken.« Selbst die Wörter schmeckten widerlich auf ihrer Zunge. Sie trank ein paar Schlucke von dem trockenen Rotwein und lehnte sich zurück. Das Lächeln gefror ihm auf den Lippen, wohl, weil sie ihm ihren Vornamen nicht verraten hatte. Gut, vielleicht verstand er diesen Wink.
   »Sie drehten sich hauptsächlich ums Geschäftliche, Ms. Woods«, entgegnete er und schob einen Ärmel seines lindgrünen Sakkos ein Stück nach oben. Das Licht der Kerze spiegelte sich in seiner goldenen Cartier Uhr wider.
   Alex tat ihm den Gefallen und betrachtete seine Errungenschaft zwei Sekunden lang. Angesichts seiner glatten Lüge und dem arroganten Blick, der sich in seine Augen schlich, fiel es ihr allerdings schwer, seine Uhr mit der von ihm erhofften Begeisterung zu würdigen.
   Die Sehnsucht nach einem urigen Pub, lauter Musik und Gläserklirren überkam sie. Im Stillen seufzte sie. Offensichtlich war sie noch immer ein Mädchen vom Lande, das sich in Gegenwart eines geleckten Jetlegaffen nicht wohlfühlte. Seit sie als Buchhalterin für die Richard Lowell Group arbeitete, verdiente sie im Monat mehr Geld, als ihre Eltern im Jahr zur Verfügung hatten. Trotzdem zog sie nach wie vor ein frisch gezapftes Ale einem fünfhundert Euro teuren Wein vor.
   »Morgen ist früh genug, um ans Geschäftliche zu denken«, sagte sie und riskierte einen weiteren Seitenblick zu Cole. Er hatte seine Unterhaltung mit Pohl Senior wieder aufgenommen und war anscheinend vollkommen vertieft in das leise geführte Gespräch. Soweit sie den paar Wortfetzen entnehmen konnte, drehte es sich derzeit um Sankt Moritz. Alex gelang es nicht, ein Augenrollen zu unterdrücken. Angesichts von hochsommerlichen dreißig Grad erschien es ihr seltsam, von einer Après-Ski-Party zu sprechen.
   »Sie haben recht, Ms. Woods.« Jens stellte nach einem raschen Blick in die Runde sein leeres Weinglas auf den Tisch. Er stand auf, kam zu ihr und reichte ihr den Arm. »Darf ich Sie zur Bar begleiten, dort lässt es sich bei einem Drink gemütlicher plaudern.«
   »Eine gute Idee, Jens«, sagte Cole mit einem gleichmütigen Tonfall. »Gehen Sie schon einmal mit Ms. Woods vor, Ihr Vater und ich folgen Ihnen in wenigen Momenten.«
   Die Wut in ihrem Bauch begann zu brodeln. Hatte Cole gerade den Weg für diesen schmierigen Typen geebnet? Alex zerknüllte ihre Serviette, trank ihr Glas leer und stand auf. Zu schnell, denn ihr wurde schwindlig. Sie atmete tief durch und bereute das augenblicklich. Jens hatte weder mit Parfüm noch mit Aftershave gespart. Ihr Magen drehte sich angesichts dieser aufdringlichen Duftkomposition herum und ihr wurde kurzfristig schwarz vor Augen.
   Sie stöhnte auf, taumelte zurück und stieß gegen ihren Stuhl. Hinter ihr erklang ein Klirren und ein Schaben, gleichzeitig mit Jens griff auch Cole nach ihrem Arm.
   »Wären Sie so freundlich und würden mit Ihrem Vater an der Bar auf mich warten?«, fragte Cole und zog Alex an sich. »Ich begleite nur schnell meine Mitarbeiterin auf ihr Zimmer. Ms. Woods ging es bereits heute Vormittag nicht gut.«
   Wow, dass Männern Lügen immer so glatt über die Lippen gingen. Alex schüttelte den Kopf und bereute das sofort. Erneut wurde ihr schwarz vor Augen.
   Jens’ Blick verfinsterte sich. Offenbar hielt er wenig davon, dass nicht er der Jungfrau in Nöten beistehen konnte.
   »Natürlich warten wir auf Sie, Cole«, mischte sich Pohl Senior ein und stand auf.
   »Danke«, sagte Cole und schob Alex an Jens vorbei in Richtung Flur.
   Pohl Junior machte nur widerwillig Platz, hatte aber offensichtlich die Überreste seiner Erziehung wiedergefunden, denn er warf ihr einen mitfühlenden Blick zu. »Schlafen Sie gut, Ms. Woods.«
   Alex nickte ihm über die Schulter zu und da hatte Cole sie bereits zur Tür hinausgeschoben. »Sie können mich loslassen«, sagte sie zu ihm.
   Er gönnte ihr weder einen Blick noch lockerte er seinen festen Griff.
   »Mr. Lowell, mir geht es gut, Sie müssen die Pohls meinetwegen nicht warten lassen«, flüsterte Alex. Gott, von ihr aus könnte sie neben Cole bis nach London und noch weiter laufen, wenn da nicht seine Mimik wäre, die ihr die Luft aus den Lungen quetschte. Sein Gesicht glich einer gefühlskalten Marmorbüste und sein Blick war stur geradeaus gerichtet. Ohne auf ihre Worte einzugehen, schob er sie an anderen Hotelgästen des Adlon vorbei zum Lift.
   »Bitte, Mr. Lowell, mein Magen hat sich beruhigt. Er hatte nur Schwierigkeiten mit der verschwenderischen Duftkomposition von Pohl Junior. Jens hat nicht mit …«
   Ein dezentes Klingeln erklang. Die Fahrstuhltür glitt auf und Cole schob sie in die leere Kabine.
   Alex schnappte nach Luft. Sie musste schon blind sein, um die flackernde Wut in seinen Augen zu übersehen. Alex sollte so schnell wie möglich flüchten. Sie wollte sich ihm entwinden, doch Cole hielt sie unerbittlich fest. Ein leises Fauchen erklang, die Lifttür glitt zu und der Fahrstuhl setzte sich langsam in Bewegung.
   Cole wirbelte sie herum und drückte sie an die kühle Wand. »Wenn Sie nicht so viel Alkohol vertragen, sollten Sie die Finger davon lassen«, fauchte er.
   »Und Sie sollten mir endlich sagen, wozu Sie mich mitgenommen haben«, entgegnete Alex.
   Cole trat dicht vor sie, sodass ihr kaum Platz zum Atmen blieb. Seine Hände landeten neben ihr auf der Metallwand und er beugte sich so tief zu ihr herunter, dass seine Lippen nur Millimeter von ihren entfernt waren.
   »Jens Pohl ist dagegen, dass sich sein Vater in Managementfragen an mich wendet. Leider hat Jens einen sehr starken Einfluss auf seinen Vater, was die Verhandlung unnötig in die Länge zieht und schwer belastet.«
   »Und ich soll …« Alex stockte vor Wut der Atem in der Kehle, als sie begriff. »Ich soll für Pohl Junior die Beine öffnen, damit er es sich anders überlegt?«
   Etwas Düsteres überzog jäh seine Augen. »Das würde ihm nicht ausreichen. Er steht auf Fesselspiele, Alexandra. Sie auch?«
   Alex atmete tief durch. Ihr Busen rieb über sein Sakko und sein herb männlicher Duft, dem nur eine Spur Parfüm anhaftete, kribbelte in ihrer Nase.
   »Er mag es hart, ganz hart«, raunte Cole und schob sein Bein zwischen ihre Schenkel. Langsam hob er sein Knie, höher und höher.
   Alex stockte für einen Moment der Atem.
   »Mir wurde zugetragen, dass es ihn nicht stört, wenn seine Partnerinnen mit blauen Flecken nach Hause gehen.«
   Seine Lippen berührten die ihren beim Sprechen und ihr wurde schwindlig vor Sehnsucht nach einem Kuss. »Tun sie das bei Ihnen auch?«, fragte Alex und verschluckte sich fast. Sein Knie erreichte ihren intimsten Punkt und rieb darüber. Sündig fest und dekadent langsam. Vor und zurück, ein Spiel aus wollüstiger Erbarmungslosigkeit. Ihr Herz begann zu rasen, Hitze strömte in ihren Schoß.
   »Wenn das ihr Wunsch ist«, entgegnete Cole mit einem Blick, der sie verschlang. Er lehnte sich noch ein Stück nach vorn und quetschte ihren Busen zwischen ihnen ein. Prickelnde Schauder jagten ihre Wirbelsäule hinab, ihre Nippel wurden hart und ihr Unterleib zog sich vor Begehren zusammen. »Stehst du auf Schmerzen, Alexandra?«
   Ihr Herz machte einen Satz, weil er zum vertrauten Du übergangen war, bevor sie die Bedeutung seiner Worte begriff. Spielte er mit ihr? »Du solltest keine Frage stellen, auf die du keine Antwort …«
   Ein Ruck ging durch die Kabine und die Lifttür glitt auf. Cole warf einen Blick über seine Schulter und fluchte leise. Vor dem Fahrstuhl stand eine ältere Dame und kramte in ihrer Handtasche. Sein Knie verschwand und Alex atmete erleichtert auf.
   »Ich stelle grundsätzlich keine Fragen, auf die ich die Antwort nicht wissen will«, sagte er und sah in ihre Augen. »Also?«
   »Du bekommst deine Antwort nur auf eine Weise«, entgegnete Alex. Sie quetschte sich an ihm vorbei und rannte aus der Kabine. Im Flur drehte sie sich um und blickte zu Cole. Er lehnte an der Wand und sah sie mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck an. »Ich will eine Gehaltserhöhung.«
   Seine Mimik verdüsterte sich, doch Alex war zu wütend, um sich für ihre unbedachten Worte zu entschuldigen. Die Lifttür glitt hinter der älteren Dame zu und Alex eilte den Korridor entlang zu ihrer Suite.

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