Hochsommer in der Karibik - August 1717. Der attraktive Piratenkapitän Myles Mortens hat nur noch einen einzigen Coup vor sich. Er möchte einen legendären spanischen Schatz heben, bevor er sich auf einer schönen Insel zur Ruhe setzt und sein Leben genießt. Doch ein Sturm treibt ihm einen Passagiersegler in die Quere, der die schöne Helen St. James zu den Bahamas bringen soll. Mit seiner lang ersehnten Ruhe ist es schlagartig vorbei. Er muss sich gegen ungewohnte Gefühle und eine aufkommende Meuterei wehren.

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Ela van de Maan

Ela van de Maan
Ela van de Maan wurde im letzten Drittel des letzten Jahrhunderts im vorangegangenen Jahrtausend in einer Kleinstadt in Süddeutschland geboren. Seit sie lesen kann, wollte sie auch schreiben. Ihre größte Leidenschaft waren Fantasy und Abenteuerromane, die in ihrer eigenen Traumwelt immer neue Geschichten nach sich zogen. Irgendwann wurde der Geschichtenstapel in ihrem Kopf zu hoch und sie begann sie aufzuschreiben ... Ela van de Maan ist Mitglied in der DELIA - Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren und -autorinnen und im PAN - Phantastik-Autoren-Netzwerk.

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Leseprobe

Prolog

»Louis, wo ist mein Schwarz?«, rief Helen ihrem Diener hinterher, während sie ihre Farbtöpfe auf dem Tisch durchsah. Sie hatte bereits den Pinsel in der Hand und wollte ein letztes Mal den Garten malen, in dem sie in den vergangenen sechs Jahren so gern ihre Zeit verbracht hatte. »Du weißt, ich kann ohne Schwarz nicht malen.«
   Louis seufzte.
   »Auch wenn Tante Abigail …«, wollte sie gerade fortfahren, als diese auf ihren Sonnenschirm gestützt in der Verandatür erschien.
   »Meine liebe Helen, du sitzt im Garten, alles grünt und blüht. Sieh dich doch um. Wozu um alles in der Welt brauchst du schwarze Farbe? Ich kann hier nichts entdecken, das schwarz wäre.«
   »Du weißt, dass die Farben viel zu hell sind.« Helen hielt ihr die Töpfe entgegen. »Nichts ist so strahlend hell wie dieses Gelb, und wo bitte siehst du dieses eintönige Weiß? Und das Grün hier! Mein Gott, sieh dir doch nur das Grün an. Selbst ein Laubfrosch ist nicht annähernd so grün.« Helen mochte den mitleidsvollen Blick nicht, den ihre Tante ihr zuwarf. Sie verstand nicht, warum alle ihr einreden wollten, die Welt sei so bunt wie die Farben in den Töpfen, die der Apotheker für sie zusammenmischte. Er hatte keine Ahnung. Er war schließlich Apotheker und kein Maler. Sie sah die Welt anders. Sie war grau. Trist. Schmutzig. Traurig. Vor allem war sie traurig. Es gab nichts, das strahlte. Sogar der Himmel war von einem schmutzigen Blau.
   »Bitte, Tante Abigail, schick Louis noch einmal zur Apotheke, um einen extragroßen Topf Schwarz für die Reise zu besorgen. Ich sterbe vor Langeweile, wenn ich auf dem Schiff nicht malen kann. Und wer weiß, ob ich in Nassau sofort Farben bekommen werde. Womöglich haben sie dort kein Schwarz.«
   Tante Abigail gab Louis einen Wink, ihre Wünsche zu erfüllen. Helen atmete auf und versuchte, mit den grauen Resten, die sie wie einen wertvollen Schatz in einem kleinen dunklen Glas verschlossen hielt, die Sommerwolken über Boston auf der Leinwand einzufangen.

Kapitel 1

Das Unwetter setzte ein weiteres Mal zu einem Schlag an. Der Seegang war bereits unerträglich und doch schien es, als wollte er zu einem erneuten Hoch auflaufen. Helen umklammerte die hölzerne Säule der Kabine, so fest sie nur konnte. Sie betete zu allen Göttern dieser Erde, dass der Sturm, der ihnen viel zu schnell entgegengekommen war, sie am Leben lassen würde. Das Schiff wurde wie eine Nussschale von einer Welle zur anderen geworfen. Helen hatte sich mit Seilen an der Säule festgezurrt und trotzdem hatte sie Mühe, sich zu halten. Die Seile schnitten schmerzlich in ihre Taille. Durch das Tosen des Windes hörte sie das Knirschen der Segelmasten. Sie ahnte, dass sie kurz davor standen zu brechen. Teile der Segel flatterten um ihre Kabinentür und schlugen wie riesige, klatschende Hände dagegen. Die Männer, die an Deck immer noch hilflos versuchten, das Schiff über Wasser zu halten, schrien sich durcheinander Anweisungen zu. Ohne dass sie ein Wort davon verstehen konnte, wusste sie, dass der Segler dem unbarmherzigen Wetter bald nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Das schreckliche Geräusch von berstendem Holz ließ sie angstvoll zur Decke der Kabine starren. In diesem Moment brach der Hauptmast mit voller Wucht durch. Ein stechender Schmerz fuhr in ihren linken Arm und es wurde ihr schwarz vor Augen.

*

Myles war froh, dass er und seine Mannschaft es noch rechtzeitig in die kleine Bucht der Insel geschafft hatten, um sich und das Schiff einigermaßen in Sicherheit zu bringen. Sie gedachten der armen Seelen, die der wütende Sturm mit sich reißen würde. Auch wenn sie erfahrene Seeleute waren und die Unwägbarkeiten des karibischen Wetters nur zu gut kannten, konnte es doch jedem von ihnen passieren, dass er dem zornigen Wettergott in seine tödlichen Fänge lief. Aus einem geschützten Winkel am Eingang beobachtete er seinen Schiffsjungen Jonas, der sich stramm gegen den Wind stemmen musste, als er aus der etwas höher gelegenen Höhle huschte, um nach dem Schiff zu sehen. Es wurde von den Wellen hin und her gestoßen wie eine Schaluppe, obwohl es ein stattliches Kampfschiff war, das sie vor Kurzem der spanischen Marine abgenommen hatten. Doch die Anker schienen zu halten. Auch war offenbar noch nichts durch die herumfliegenden Palmenteile beschädigt worden. Außer, dass die Pirates Dream zwischenzeitlich mit allerhand abgerissenem Grün bedeckt war, konnte er nichts weiter feststellen. Der Junge war völlig durchnässt, als er wieder zurückschleichen wollte.
   »Das war unsinnig, die Höhle zu verlassen«, rügte Myles ihn und deutete zu den sich immer weiter auftürmenden schwarzen Wolkenbergen über ihnen. »Der Sturm wird noch lange andauern und wir können im Moment nichts unternehmen, falls das Schiff beschädigt wird. Du setzt nur unnötig dein Leben aufs Spiel.«
   Der Schiffsjunge sah schuldbewusst zu ihm auf. Myles tat es fast leid, dass er so streng mit ihm war, aber wenn man auf See überleben wollte, musste man seine Lektionen früh lernen. Jonas war ohnehin zu klein für seine vierzehn Jahre, und er würde es schwer genug unter den rauen Gesellen haben, denen er sich angeschlossen hatte, da sollte er zumindest nicht auch noch ständig Fehler machen.
   »Such dir etwas Trockenes zum Anziehen«, brummte er ihm fast väterlich hinterher, als sich der Junge mit bis zu den Ohren hochgezogenen Schultern davonmachte. Myles strich die nassen Strähnen nach hinten, die sich durch den Wind aus seinem Zopf gelöst hatten, und folgte Jonas zurück in die Höhle. Er verstand die Unruhe seines jüngsten Mannschaftsmitglieds nur zu gut. Auch er hatte in seiner ersten Zeit auf See oft mit der Furcht gerungen, irgendwann auf einer Insel zu stranden und nie wieder aufs Festland zurückkehren zu können. Aber das war lange her. Inzwischen sehnte er sich danach, sich auf einem ruhigen Eiland zu verkriechen und die nervenaufreibenden Kaperfahrten ein für alle Mal hinter sich zu lassen. Er fühlte sich alt und verbraucht, trotz seiner noch nicht einmal dreißig Jahre. Und er wusste, dass er langsam in das Alter kam, wo es besser war, aufzuhören, wenn man noch über die fünfunddreißig hinauswollte. Er warf ein Stück trockenes Treibholz ins Lagerfeuer, das durch den unkontrollierten Luftzug immer wieder in eine andere Richtung züngelte, und setzte sich abseits in eine Nische. Die meisten seiner zwischenzeitlich auf fast neunzig Mann angewachsenen Mannschaft dösten vor sich hin. Andere hatten sich in Grüppchen zurückgezogen, spielten um ein paar Münzen oder diskutierten leise.
   Er versuchte, ihr Gesprächsthema herauszufinden. Es hieß, auf der Hut zu sein. Seine Leute ahnten, dass er vorhatte, aufzuhören. Sie testeten bereits aus, wie sie sich untereinander Respekt verschaffen konnten, um ihrerseits den Posten des Kapitäns antreten zu können, wenn er abtrat oder abgetreten wurde. Er konnte ihnen nicht einmal einen Nachfolger empfehlen; dafür hielt er von den möglichen Kandidaten selbst zu wenig. Aber es war ihm auch gleichgültig. Wenn sie erst ihre Beute eingesackt hatten, würde er ihnen den Kurs nach Saint Barthélemy geben und auf ein neues Leben zusteuern. Und was nach ihm kam, war ihm einerlei.
   Er lauschte dem Heulen des Windes und dem Schlagen der Palmwedel, die wieder mit voller Kraft gegen die Felswand klatschten, als der Sturm noch einmal zur Höchstform auflief.

*

Mühsam versuchte Helen, ihre Augen zu öffnen. Es schien alles friedlich und ruhig. Wo war sie? Gerade eben hatte noch der Sturm um sie herum getobt. Sie versuchte, den Kopf zu heben. Die aufgeregten Stimmen, die sie wie aus weiter Ferne wahrnahm, kamen ihr bekannt vor. Sie stützte sich auf, doch der Schmerz in ihrem Arm ließ sie aufstöhnen. Eine Hand streckte sich ihr entgegen.
   »Kommt, ich helfe Euch.«
   Sie sah auf. Es war einer der fünfzehn Passagiere, die mit ihr auf dem Segelschiff reisten. Dankbar nahm sie seine Hilfe an. Sie wickelte sich in eine Decke, die auf dem provisorischen Lager unter ihr gelegen hatte. Etwas schwankend stapfte sie durch warmen, weichen Sand in Richtung Wasser.
   »Helen, wohin willst du? Du solltest noch etwas liegen bleiben«, rief ihr Tante Abigail hinterher.
   »Nein, lass mich«, entgegnete sie heiser. »Es geht schon.« Sie wollte ihren Augen nicht trauen. Das Meer, das eben noch schwarz wie der Höllenschlund um ihr Schiff getobt hatte, lag friedlich vor ihr und schimmerte in den schönsten Türkistönen, als wäre nichts geschehen. Die wenigen, bizarren Wolken, die noch am Himmel waren, lösten sich Sekunde für Sekunde schneller auf. War sie ohnmächtig gewesen? Es musste wohl so sein, sonst könnte sie sich sicher erinnern, wie sie hierhergekommen waren. Hatten sie es doch geschafft, dem Schicksal zu entrinnen? Nur, wo waren sie gelandet?
   »Sie sollten sich schonen, Mylady«, mahnte Kapitän Hanks fürsorglich, doch Helen schüttelte den Kopf.
   Sie wollte begreifen, was passiert war. Der Sturm hatte ihnen überhaupt keine Zeit gelassen, rechtzeitig Zuflucht in einer Bucht zu suchen. »Wie sind wir auf diese Insel gekommen?«
   »Wir hatten viel Glück. Der Sturm hat uns praktisch hierher getrieben. Wir sind nicht weit abseits von unserem Kurs, aber die Insel ist leider unbewohnt. Wir werden uns mit Notmaßnahmen behelfen müssen.« Sie beobachtete die Männer der Besatzung, die bereits dabei waren, das mit leichter Schlagseite im seichten Wasser liegende Schiff nach Beschädigungen durchzusehen. Sie zogen den gebrochenen Hauptmast mitsamt den zerrissenen Segeln an den Strand. Es würde Tage dauern, bis sie die Segel geflickt hatten. Aber würde man den Masten so einfach ersetzen können? Sie hatte keine Ahnung vom Schiffsbau, und es behagte ihr nicht, dass sie nicht wusste, wie lange sie auf dieser Insel verharren mussten. Konnte man hier einige Zeit überleben, wenn sie nicht einmal bewohnt war? Sie lauschte Kapitän Hanks Anordnungen, als er ein paar Leute fortschickte, die nach geeignetem Bauholz und Wasser suchen sollten.
   »Haben wir kein Wasser mehr in den Fässern?«, fragte sie besorgt.
   Hanks schüttelte den Kopf. »Wir haben einige Fässer verloren, andere sind gebrochen. Das Wasser, das wir noch haben, reicht für höchstens zwei Tage, wenn wir sparsam sind. Aber seid unbesorgt, auf nahezu jeder Insel gibt es ein Regenbecken, und wenn wir Glück haben, sogar eine Frischwasserquelle, aus der wir uns bedienen können, bis wir das Schiff wieder seetauglich gemacht haben.«
   Sie warf einen skeptischen Blick zu dem angeschlagenen Segler. »Seid Ihr Euch sicher, dass Ihr das Schiff reparieren könnt?«
   Kapitän Hanks machte einen zuversichtlichen Eindruck, aber Helen traute dem Frieden nicht. Die Männer, die die Schäden beheben sollten, sahen eher ratlos drein. »Falls wir es nicht schaffen sollten, wären wir trotz allem nicht ganz verloren«, antwortete Hanks, »denn wir liegen an einer relativ befahrenen Route. Es wäre gut möglich, dass in den nächsten Tagen ein Schiff vorbeikommt, das uns mit nach Nassau nehmen könnte.«
   Die Silhouette eines großen Segelschiffes tauchte wie beschworen am Horizont auf.

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