Ein Reservierungsfehler und die Katastrophe ist perfekt. Catherine Meyer bleibt nichts anderes übrig, als sich zum zehnjährigen Klassentreffen ein Hotelzimmer mit ihrem alten Jugendschwarm zu teilen. Ausgerechnet Jacob McGuire! Gleich am ersten Abend provoziert er sie aufs Äußerste. Catherine lässt sich auf ein riskantes Spiel ein, bei dem sie ihm viel zu nahe kommt. Im Beisein der anderen bleibt Jacob distanziert, flirtet mit früheren Freundinnen und treibt Catherine dazu, das begonnene Spiel auch in der zweiten Nacht fortzusetzen. Sieht er in ihr doch mehr als nur einen netten Zeitvertreib? Ungewollt hört sie ein Gespräch zwischen Jacob und einem Klassenkameraden und erkennt: Gründlicher konnte sie sich nicht irren. Wieso hat sie jemals Hoffnungen zugelassen? Trotzdem erliegt sie auch in der dritten Nacht Jacobs Charme, und die Abreise rückt immer näher ...

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Susan Clarks

Susan Clarks entdeckte früh ihre Leidenschaft für Bücher. Deshalb verwunderte es niemanden, dass sie sich für ihr Leben zwei große Ziele setzte. Zum einen wollte sie die Welt retten, zum anderen einen Roman schreiben. Da sich die Rettung der Welt mit Familie ein wenig schwierig gestaltet, hat sie sich nach der Geburt ihres ersten Kindes intensiv dem Schreiben zugewandt und ihren ersten Roman zu Papier gebracht, der im Juli 2014 im Bookshouse Verlag veröffentlicht wurde.

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Leseprobe

Kapitel 1

Catherine eilte mit ihrem Trolley durch die gläserne Eingangstür und steuerte auf die Rezeption zu. Obwohl sie bereits um fünf Uhr in der Früh aufgestanden war, war sie hoffnungslos verspätet. In einer halben Stunde würde das Begrüßungsdinner zum zehnjährigen Klassentreffen stattfinden, und an ihr klebte der Schweiß von sieben Stunden Autofahrt.
   Sie wippte mit dem Fuß und sah immer wieder auf die Armbanduhr, als sie sich hinter einem Mann aufstellte, der lautstark mit dem Rezeptionisten diskutierte.
   »Sir, es tut mir leid«, erklärte der Mann hinter der Theke. »Die reservierten Einzelzimmer für Ihre Gesellschaft sind alle vergeben und es ist sonst kein Zimmer frei.« Er drehte den Bildschirm zu dem Gast, damit sich dieser selbst davon überzeugen konnte.
   Catherine kniff die Augen zusammen, um ebenfalls etwas aus der Tabelle herauslesen zu können, aber die Zahlen und Buchstaben waren zu klein. Zu welcher Gesellschaft der Typ wohl gehörte? Sie hoffte nur, dass mit ihrem Zimmer alles klappen würde, sonst brauchte sie zu dem Abendessen gar nicht mehr aufzutauchen.
   »Ich bestehe aber auf ein Einzelzimmer!«
   Schlagartig richtete sich Catherines Blick auf den Hinterkopf ihres Vordermannes. Diese Stimme kannte sie. Selbst nach zehn Jahren gab es keinen Zweifel, zu wem sie gehörte. Jacob McGuire.
   »Sir, ich kann mich nur wiederholen. Es sind keine Einzelzimmer mehr verfügbar, auch wenn Sie dafür bezahlen. Für Ihre Gesellschaft ist noch genau ein Doppelzimmer reserviert. Für Sie und eine Ms. Catherine Meyer.«
   Catherine traute ihren Ohren nicht. »Was?« Sie ließ ihren Trolley stehen und eilte die zwei Schritte an die Rezeption. »Nein, nein«, rief sie und schüttelte den Kopf. »Ich bestehe auf einem Einzelzimmer.«
   Der Rezeptionist, dessen Namensschild ihn als Phil Thomson auswies, starrte sie aus großen Augen an. »Miss?«
   Catherine schlug mit der flachen Hand auf die Theke. »Ich werde mir sicher kein Zimmer mit diesem muskelbepackten Möchtegernmacho hier teilen.«
   »Wie bitte?« Jacob betrachtete sie mit zornesgerötetem Gesicht. »Wer sind Sie überhaupt?«
   Catherine atmete tief durch. Wieso überraschte es sie nicht, dass er sie nicht erkannte? Sie schüttelte den Kopf. »Mit Intelligenz warst du ja noch nie geschlagen.« Sie wartete, aber der Groschen wollte bei ihm nicht fallen. »Ich bin Catherine Meyer.«
   Jacobs Augenbrauen schnellten hoch. Sein Blick wanderte von oben nach unten, um wieder bei ihrem Gesicht zu enden. »Du hast dich nicht verändert.«
   Catherine verdrehte die Augen. Was hatte sie erwartet? Ein Kompliment? Vor zehn Jahren war sie in ihrer Klasse die graue Maus gewesen. Die leicht übergewichtige, mit Zahnspange und Brille. Die, über die sich alle lustig gemacht hatten.
   Und heute? Heute trug sie Kontaktlinsen, ihre Zähne waren perfekt aneinandergereiht und ihr Gewicht lag nahe am Ideal. Trotzdem war sie keine Femme fatale. Sie legte keinen Wert darauf, aus der Masse hervorzustechen. Ihre Kleidung trug sie meist einer Nummer zu groß, ihre Haare leger zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, und Make-up kannte sie nur aus den Regalen in der Drogerie.
   »Du hast dich auch nicht verändert, Jacob.« Allerdings war das keine Beleidigung. Er war immer der Star in ihrer Klasse gewesen und noch heute strotzte er vor Energie. Sein Anzug schmiegte sich an seinen athletischen Körper, sein kantiges Profil glich dem eines Filmstars.
   Sie starrten sich an.
   »Ich werde mir kein Zimmer mit dir teilen«, erklärte sie und verschränkte die Arme vor der Brust.
   »Das trifft sich gut. Ich nämlich auch nicht mit dir.«
   Schweigen breitete sich aus, während sich jeder von ihnen weigerte, den Blickkontakt als Erster zu beenden.
   »Ich bin nur ungern der Spielverderber«, meldete sich Phil zu Wort. »Aber wollen Sie das Zimmer nun haben, oder nicht?«

*

Immer noch fassungslos kaute Catherine auf ihrem Salat herum. Der Diashow, die vorn auf die Leinwand projiziert wurde, schenkte sie kaum Beachtung. Sie würde diese Nacht im selben Zimmer wie Jacob McGuire verbringen. Seufzend legte sie die Gabel beiseite. Der Appetit war ihr längst vergangen.
   »Was hast du denn?« Besorgt warf ihr Jane Fox einen Blick zu. »Du isst ja gar nichts.«
   Jane war während der Schulzeit immer eine derjenigen gewesen, die sich auf ihre Kosten amüsiert hatte. Meist aus dem Grund, um vor der angesagten Clique gut dazustehen. Deshalb misstraute Catherine ihr heute ebenso wie damals.
   Catherine schüttelte den Kopf. »Ach, ich habe keinen Appetit. War ein langer Tag für mich.«
   »Machst du dir Sorgen wegen Jacob?« Jane versuchte, ein Lachen zu unterdrücken.
   »Nein, warum sollte ich?« Warum war sie zu diesem Klassentreffen überhaupt aufgetaucht? Hatte sie ernsthaft erwartet, dass sich die Idioten von damals geändert hätten?
   »Eben.« Jane kicherte. »Er wird dich schon nicht anrühren. Oder willst du, dass er dich anfasst?«
   Catherine verdrehte die Augen. Die Nachricht, dass Jacob und sie sich ein Zimmer teilen mussten, hatte sich in Windeseile verbreitet und das, obwohl Jacob und sie noch eine geschlagene Stunde auf den Rezeptionisten eingeredet hatten. Dummerweise weilte dieses Wochenende noch eine andere Gesellschaft im Hotel und belegte sämtliche anderen Zimmer. Die einzige Alternative wäre seine oder ihre Abreise gewesen.
   »Reis du doch ab«, hatte sie ihm entgegengeschleudert. »Ich habe sieben Stunden Autofahrt hinter mir. Das reicht für heute.«
   Zähneknirschend hatte er sie angesehen. »Wie weit ist das nächste Hotel entfernt?« Mit einem mörderischen Blick durchbohrte er den armen Phil.
   »Fünfundsiebzig Kilometer«, antwortete dieser kleinlaut.
   Jacobs Kinn klappte hinunter. »Es muss doch irgendetwas in der Nähe geben.«
   »Ja, schon. Eine Pension, etwa zehn Kilometer entfernt. Aber die ist gerade wegen Umbau geschlossen.« In weiser Voraussicht wich Phil einen Schritt zurück.
   Jacob ballte die Hand zu einer Faust und gab ein paar deftige Flüche von sich.
   In diesem Moment kam Jeff Lenkins hinzu. Jeff, ebenfalls ein großer Star an ihrer Schule, und somit Jacobs Rivale, obwohl sie das nach außen hin nie offen gezeigt hatten. »Gibt es ein Problem?«, fragte er und blickte in die Runde.
   Phil erklärte Jeff die missliche Lage und hegte wohl große Hoffnung, dass er ihn daraus befreien würde. Jeff war schließlich derjenige gewesen, der dieses Klassentreffen organisiert hatte und für alles aufkam, denn aus ihm war inzwischen ein gut verdienender Rugbyspieler geworden.
   »Wie groß ist denn das Zimmer?«, erkundigte sich Jeff.
   »Fünfundzwanzig Quadratmeter mit einem tollen Ausblick. Großes Badezimmer und zwei getrennte Betten«, lautete die prompte Auskunft.
   »Das klingt doch großartig«, meinte Jeff und sah zuerst zu Catherine und dann zu Jacob. Sie reagierten nicht. Jeff hatte Jacob auf den Oberarm geklopft und ihn angestrahlt. »Komm schon, Jake. Nur eine Nacht. Was ist schon dabei? Wir sind doch erwachsen.«
   Ja, was war schon dabei? Catherine griff zu ihrem zweiten Weinglas. Jeff hatte schließlich leicht reden. Er teilte sich das Zimmer mit seiner Verlobten.
   Catherine schenkte Jane ein Lächeln und genehmigte sich einen kräftigen Schluck. Vielleicht schaffte sie es ja, sich so weit zu betrinken, dass sie nur noch komatös ins Bett fallen musste.
   Das Dinner zog sich hin. Beim Dessert lief noch immer die Diashow, bei der vor allem Bilder der einstigen Stars zu sehen waren. Catherine hatte noch kein einziges Bild von sich entdeckt. Nicht, dass sie deshalb besonders traurig gewesen wäre. So toll hatte sie nie ausgesehen.
   Jacob saß drei Tische weiter und ignorierte sie. Er schien sich prächtig zu amüsieren mit seinen alten Kumpeln und Liebschaften. Wenn sie Glück hatte, würde er eine Einladung in das Bett einer früheren Freundin erhalten. Zumindest machte er den Eindruck, als arbeitete er schwer daran.
   Catherine atmete tief durch. Notfalls müsste sie auf dem Rücksitz ihres Autos schlafen.