Nach fast einem Jahrzehnt der Trennung begegnen sich der Navy-SEAL Dean Carter und die Deutsche Kate Peters unter den schlechtesten Bedingungen wieder. Kate wurde in den mexikanischen Dschungel entführt und nun liegt es an Dean und seinem Team, sie zu befreien. Doch die alten Gefühle, die beide nie ganz vergessen konnten, machen die Rettung zu einem heiklen Spiel um Leben und Tod.

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Melanie Jezyschek

Melanie Jezyschek wurde 1993 geboren und wuchs in einer brandenburgischen Kleinstadt in der Nähe von Berlin auf. Nach ihrem Abitur hat sie im Frühjahr 2013 ein Studium der Buchwissenschaft und Germanistik begonnen, um ihre Liebe zu Büchern auch in beruflicher Hinsicht zu verankern, und lebt dafür derzeit in Mainz. Schon während ihrer Schulzeit fing sie an, in die Welt der Wörter einzutauchen und Geschichten aufs Papier zu bringen. Dabei entstand der Traum, Autorin zu werden. Sie hat bereits einige Kurzgeschichten in Verlagen veröffentlicht und arbeitet immer wieder an neuen Ideen, an denen es ihr nicht mangelt.

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Leseprobe

Prolog
Kaiserslautern, Deutschland

»Komm, lass uns tanzen«, forderte Dean sie auf.
   Lächelnd legte Kate ihre Hand in seine und stand auf. Obwohl sie heute feierten, kam bei ihr keine richtige Stimmung auf. Aber sie versuchte, es Dean gegenüber zu verbergen, so gut es ging. Es war ihr letzter gemeinsamer Abend, bevor er sich morgen in einen Flieger in die Staaten setzen und sie verlassen würde.
   Bevor sie weiter darüber nachdenken konnte, zog er sie an seine Brust. Jegliche negativen Gedanken schwanden. Genau das würde sie vermissen. Das Gefühl der Geborgenheit, dieses Kribbeln, wenn er sie berührte.
   »Denk nicht an morgen. Genieße das Hier und Jetzt«, flüsterte er ihr ins Ohr und strich zärtlich über ihren Rücken.
   »Leichter gesagt als getan.« Sie wollte ihn nicht gehen lassen. Die gemeinsamen Wochen, die sie verbracht hatten, waren die schönsten ihres Lebens gewesen. Wenn es nach ihr ginge, würde sie diese ins Unendliche verlängern.
   »Versuch es. Für mich.« Dean sah sie mit seinen leuchtend blauen Augen an, die sie schon vom ersten Augenblick an fasziniert hatten. Sie verfehlten ihre Wirkung nicht. Kate würde ihm jeden Wunsch erfüllen, wenn er sie so ansah und das wusste er genau.
   »Du bist gemein«, murrte sie, schmiegte sich jedoch an seine Schulter.
   Lachend führte er sie über die Tanzfläche, ohne etwas dazu zu sagen. Er wusste, was sie meinte und würde sich nicht dagegen auflehnen.
   Kate genoss die Nähe, solange er noch bei ihr war. Obwohl sie nicht darüber nachdenken wollte, was nach seiner Abreise sein würde, konnte sie die Gedanken daran nicht vertreiben. Es war wie ein schwerer Magnet, der an ihr haftete und ihr die letzten unbeschwerten Stunden mit Dean nicht gönnte.
   »Wir werden uns wiedersehen, das verspreche ich dir.«
   Kate wollte ihm glauben, als er einen Kuss auf die Stirn drückte, aber ihr Verstand sagte etwas anderes. Ehe er sich versah, würde er sie und ihre gemeinsame Zeit vergessen. Was sollte schon aus einem amerikanischen Soldaten und einer jungen Deutschen werden? Kate war nur eine kleine Episode in seinem aufregenden Leben. Das würde sie sich eingestehen müssen, sobald er im Flieger saß. »Lass uns nicht mehr darüber reden«, sagte sie und schloss die Augen, um einfach nur das Gefühl seines Körpers an ihrem zu genießen.
   Seine durchtrainierten Arme drückten sie enger an sich, als er mit ihr über die Tanzfläche zu schweben schien. Kate würde diesen Abend nie vergessen, denn egal, wie es nach dem morgigen Tag weiterging, Dean würde immer ihre erste große Liebe sein.
   »Ich liebe dich«, murmelte sie an seiner Schulter. Zwar hatte sie es ihm schon seit geraumer Zeit sagen wollen, sich aber nie getraut. Dass der Zeitpunkt nicht gerade gut gewählt war, merkte sie sofort, als sich Dean kurz verkrampfte, bevor er seine Lippen an ihre Schläfe drückte.
   »Du weißt, was ich für dich empfinde.«
   Nein, das wusste sie nicht, doch das würde sie ihm nicht offenbaren. Für ihr Herz hatte er die falsche Antwort gegeben, es zerbrach im selben Augenblick.

Kapitel 1
San Diego, Kalifornien, 9 Jahre später

Der Klingelton seines Handys riss Dean aus dem Schlaf. »Wer stört?« Mit geschlossenen Augen wartete er auf eine Antwort, die vernünftig genug klang, um ihn zu wecken. Doch sobald die Stimme am anderen Ende ertönte, war er hellwach.
   »Blue, hier ist Cam. Tut mir leid für deinen Schlaf, aber wir wurden auf die Basis gerufen.«
   Als Dean seinen Decknamen aus dem Mund seines besten Kumpels und Commanding Officers Camden Reeves hörte, wusste er sofort, dass schlagartig die Ruhe vorbei war, auch wenn sie gerade erst von einer Mission zurückgekehrt waren.
   »Ich komme«, sagte er und sprang förmlich aus seinem Bett.
   Für eine Dusche blieb keine Zeit. Er streifte sich Hose und ein T-Shirt über und sprintete zu seinem Wagen.
   Den Weg zur Halbinsel Coronado, der Basis der SEAL-Teams an der Westküste und gleichzeitige Ausbildungsstätte des SEAL-Nachwuchses, raste er in einer Geschwindigkeit entlang, die ihm einige Strafzettel einbringen würde, wenn sich die Navy nicht darum gekümmert hätte, dass solche Belanglosigkeiten ihren Einsätzen nicht im Weg standen.
   So erreichte er die Naval Base zeitgleich mit Cams schwarzem Geländewagen, der sich direkt neben seinen Porsche – eines der wenigen Dinge, die er sich von seinem Geld als SEAL geleistet hatte – auf einen der begehrten Offiziers-Parkplätze stellte.
   »Weißt du, was sie von uns wollen?«
   Cams Schulterzucken und seine Miene zeigten, dass sein Partner genauso wenig informiert war wie er.
   »Muss wohl wichtig sein.«
   Wo er recht hatte, hatte er recht. Trotzdem wusste Dean nicht, warum der Admiral ausgerechnet ihr Team anforderte, wenn doch andere ebenso bereitstanden. Doch die Frage würde er ihnen bald beantworten.
   Mit dem Eintreffen der anderen Männer ihres Teams machten sie sich auf ins Büro des Admirals, der sie schon erwartete. Und das nicht allein. Neben Admiral Parker stand ein Anzugträger der Sorte Bundesbehörde. Das gefiel Dean nicht. Die freien Tage, die er vor sich gehabt hatte, konnte er definitiv vergessen.
   »Guten Tag, meine Herren. Es tut mir leid, dass wir Sie gleich nach ihrem letzten Einsatz wieder herholen, aber es besteht Dringlichkeit.« Der Admiral nickte knapp in Richtung des Anzugträgers. »Das ist Andrew Prinstley, FBI-Agent und zuständig für Botschaften, in unserem Fall der Deutschen. Er wird Ihnen mehr zur gegenwärtigen Situation erzählen.«
   Dean hatte ein schlechtes Gefühl bei der Sache. Deutsche Botschaft? Bisher hatten sie keine Schwierigkeiten mit den Deutschen gehabt. Er war den Menschen dort gegenüber freundlich gesinnt, seit er als junger Soldat eine Zeit lang in Deutschland stationiert gewesen war.
   Der Gedanke an die Zeit in Europa versetzte ihm wie immer einen Tritt in die Magengrube, Die Vergangenheit holte ihn immer wieder ein, doch er durfte sich nicht von seinen Gefühlen übermannen lassen. Das hier war sein Job und der war extrem wichtig für sein Land.
   »Ich will gleich zur Sache kommen: Eine enge Mitarbeiterin des deutschen Botschafters wurde vor zwei Tagen entführt. Ihr Team wird eine Befreiungsaktion durchführen.«
   Bedrückende Stille legte sich über das Team. Eine Entführung war immer eine schwierige Sache. Sie konnten nie genau wissen, wie es der Geisel ging, die sie befreien sollten.
   »Das ist sie. Ihr Name ist Katharina Peters.«
   Noch bevor Dean das Foto sah, das der Mann herumreichte, setzte sein Herz für einen Augenblick aus und Entsetzen machte sich in seinem Körper breit. Der Anblick des mahagonifarbenen Haares und der grünen Augen, die ihn durch eine schmale Brille ansahen, setzte ihm noch einmal zusätzlich zu und ließ ihn nach einem Stuhl greifen. Obwohl er sonst seine Gefühle gut im Griff hatte, konnte er seine Entrüstung diesmal nicht verbergen. Kate wirkte auf dem Bild älter als in seiner Erinnerung, immerhin waren neun Jahre seit ihrer Trennung vergangen. Er glaubte, noch immer das Gefühl ihres schlanken Körpers an seinem zu spüren und ihr Haar an seiner Nase zu riechen. Es war unglaublich, wie lebhaft diese Erinnerungen über ihn hereinbrachen und ihn vergessen ließen, wo er sich befand. Noch einmal durchlebte er die schönsten Wochen seines Lebens, auch wenn sie kein gutes Ende genommen hatten.
   »Dean?« Cams tiefe Stimme riss ihn aus seinem Flashback und ließ ihn verdutzt zu seinem Freund aufsehen. Die durchdringenden grünen Augen des COs blickten verwirrt und besorgt auf ihn und holten ihn zurück in die Gegenwart. Er war immer noch in Coronado, Kalifornien und ein SEAL. Stöhnend wurde ihm klar, was sich gerade abgespielt hatte.
   »Sorry. Kommt nicht wieder vor.« Er richtete sich auf und straffte die Schultern, um seine kurze Verletzlichkeit zu überspielen, doch er spürte noch immer die besorgten Blicke seines Teams auf sich. Auch der Admiral und der FBI-Agent konnten die Verwirrung in ihren Augen nicht verbergen.
   »Kennen Sie Miss Peters?«, fragte der Agent unvermittelt und traf genau ins Schwarze.
   Dean nickte.
   »Nun gut, dann wird dieser Sachverhalt hoffentlich dazu führen, dass Sie sie dort heil herausbringen.«
   Zum ersten Mal in seinem Leben wollte er einen Einsatz nicht antreten. Es stand außer Frage, dass er Kate in Sicherheit wissen wollte, doch ihm war sofort klar, dass er durch seine starken Gefühle den Einsatz gefährden könnte und nicht nur seine Leute, sondern auch Kate in Gefahr brachte. Und das wollte er auf keinen Fall zulassen.
   »Sir?«, sprach er den Admiral an, aber bevor Dean sein Anliegen preisgeben konnte, zog Cam ihn nach hinten und sprach für ihn.
   »Es ist nichts. Entschuldigen Sie uns bitte, Admiral, wir müssen etwas unter vier Augen klären.«
   Dean wollte nichts mit dem CO klären.
   Es ging hier um ein Menschenleben, das er nicht gefährden konnte, nur weil er nicht bei der Sache war. Das musste sein Freund und ranghöherer Partner verstehen.
   Unter den aufmerksamen Blicken der Anwesenden schleifte Cam ihn quasi aus dem Büro. Mit zusammengebissenen Zähnen ließ Dean es über sich ergehen, aber er würde nicht klein beigeben.
   »So«, begann Cam und verschränkte die Arme vor seiner Brust, während er ihn mit strenger Miene ansah. »Was denkst du dir eigentlich dabei, dich von diesem Einsatz ausschließen zu lassen?« Sein Blick verdüsterte sich. »Glaubst du tatsächlich, dass du durch die Gefühle, die du anscheinend für diese Frau empfindest, keine ordentliche Arbeit als SEAL leisten kannst?«
   Es hätte ihm klar sein müssen, dass Cam sein Vorhaben erraten hatte, trotzdem war es überraschend, dass er so leicht durchschaut worden war.
   »Ja, genau das denke ich, egal, was du sagst. Ich werde nicht die Mission oder Kates Leben aufs Spiel setzen, indem ich euch begleite.«
   Cam zog die Augenbrauen nach oben und musterte ihn still, bis Dean es nicht mehr aushielt. Diese Stille fraß ihn innerlich auf.
   »Sag was! Verdammt, verdonnere mich zu einer Woche Extrarunden im Parcours oder zur Saufrunde mit den Jungs, aber sag etwas.«
   Cams Miene änderte sich nicht sofort, doch dann schlug er ihm plötzlich auf die Schulter und grinste ihn an. »Ich hätte niemals gedacht, dass du dich je wegen einer Frau so verhältst. Du kommst mit und dann stellst du sie mir vor, ohne auszulassen, woher du sie kennst.«
   Dean konnte dem SEAL nur perplex hinterhersehen, obwohl er genau das von seinem Freund eigentlich hätte erwarten müssen.