Um ihre vermisste Schwester zu finden, geht das schottische Dienstmädchen Catriona einen Handel mit Benedict Eldrige, dem Earl of Fairclough, ein: Sie wird seine Frau und erhält Zutritt zur Londoner Oberschicht – nachdem er ihr beigebracht hat, sich zu benehmen. Er hilft ihr, so lange sie sich an das Gelübde hält, das sie bei ihrer Hochzeit vor Gott abgelegt hat: Benedict zu gehorchen. Jederzeit.

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Sophia Rudolph

Ich wurde an einem kalten, verschneiten Wintertag 1984 im Südwesten Deutschlands geboren. Was es hier im Überfluss gibt, sind alte Geschichten, und so begann ich schon früh, meiner Leidenschaft für Geschichten zu frönen. Den ersten Liebesroman mit ausführlichen Liebeszenen bekam ich mit etwa dreizehn Jahren in die Hände und bis heute sind diesem viele gefolgt. Die ersten Schreibversuche begann ich, sobald ich in der Lage war, sinnvolle Worte aneinanderzureihen. Zunächst im stillen Kämmerlein, dann in der Anonymität des Internets, und nun in einer öffentlicheren Form. Die ersten Erotikszenen schlichen sich in Liebesgeschichten ein, als ich etwa sechzehn oder siebzehn Jahre alt war. Im Laufe der Zeit spannen sich so Geschichten, in denen die Erotik einen immer größeren Stellenwert einnahm. Tief im Herzen bin und bleibe ich aber nun einmal eine Romantikerin und daher gibt es in meinen Geschichten auch das obligatorische Happy End.

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Leseprobe

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... oder sofort „hineinschnuppern“

Kapitel 1


»Mylord, gibt es sonst noch etwas, was ich für Sie tun kann?«
   Benedict wandte langsam den Blick zu dem Zimmermädchen, das ihn mit einem koketten Lächeln bedachte. Betont langsam ließ er den Blick über ihren Körper gleiten. Ihm entging nicht, wie sie dabei die Brust ein wenig mehr herausstreckte und sich das rotblonde Haar über die Schulter warf.
   »Ich könnte Ihren Aufenthalt auf Alloway Castle etwas angenehmer gestalten«, versprach sie ihm und kam auf ihn zu.
   Benedict ließ es geschehen, dass sie ihm mit der Hand über den linken Oberarm strich, während sie sich mit der Zunge über die Lippen fuhr.
   »Wir haben sehr selten Besuch so weit im Norden, müssen Sie wissen. Es kann sehr … einsam werden.«
   Als ihre Hand über seine Brust fuhr, griff Benedict danach und lächelte langsam. Das Mädchen erwiderte sein Lächeln siegesgewiss.
   »Und du machst für jeden Besucher bereitwillig die Beine breit, nicht wahr?«
   Ihr Lächeln fror für einen Moment ein, ehe sie sich wieder fing. »Ich bin eine ergebene Dienerin, Mylord. Ich tue alles, um den Gästen seiner Lordschaft die Anwesenheit hier so angenehm wie möglich zu machen.«
   Benedict lehnte sich nah an das Mädchen heran und sah, wie sie erwartungsvoll die Lippen öffnete und sich ihre Lider langsam senkten. »Weißt du, wie du mir meinen Aufenthalt verschönern kannst?«
   »Mhm …« Sie summte geradezu, und ein wissendes Lächeln legte sich auf ihre Lippen. »Mir würde da einiges einfallen.«
   »Verschwinde.« Er stieß sie brüsk von sich und wandte sich ab.
   »Mylord …«
   »Ich sagte, du sollst verschwinden. Wenn es Alloway gefällt, kannst du ja für ihn die Hure spielen, bei mir erreichst du damit nichts.« Als er sich umdrehte, stand sie wie angewurzelt da und sah ihn an. Benedict fuhr sich mit einer Hand durchs Haar. Er hatte angenommen, sich klar und deutlich ausgedrückt zu haben. Und er hasste es, sich wiederholen zu müssen. »Raus«, sagte er dementsprechend unwirsch.
   Das Mädchen schüttelte den Kopf, als müsste es sich aus einer Starre lösen. Dann schürzte sie die Lippen zu einem beeindruckenden Schmollmund und verließ hocherhobenen Hauptes sein Zimmer.
   Benedict schloss die Tür hinter ihr und entledigte sich seiner Jacke. Er hoffte nur, sie war nicht in Alloways Auftrag gekommen. Sein Freund sollte es besser wissen.

Meine liebe Schwester,

London ist so unglaublich aufregend! Du würdest mir nicht glauben, wie wundervoll hier alles ist. Wenn Du mich jetzt sehen könntest! Ich trage die prächtigsten Kleider und den atemberaubendsten Schmuck, den Du je gesehen hast. Mir geht es so gut wie nie zuvor. Ich habe nicht viel Zeit, Dir zu schreiben, werde mich aber sicherlich bald wieder melden.

In Liebe,
Deine Isla

Catriona faltete den Brief zusammen und sah aus dem Fenster in den grauen Abendhimmel empor. Der Brief war schon vor vier Monaten angekommen. Es war der Einzige, den sie von Isla erhalten hatte, seit diese mit dem Earl of Stratting nach London gegangen war. Catriona konnte noch immer nicht verstehen, wie ihre Schwester diese Entscheidung hatte treffen können.
   Isla hatte argumentiert, dass sie ihre Beine auch für einen Ehemann würde spreizen müssen, der Earl of Stratting seiner Mätresse aber sehr viel mehr zu bieten habe, als es ein schottischer Diener je tun könne. Schmuck und Kleider, ein Leben im Luxus. Dafür war sie bereit, einige Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen.
   Aber wo war sie jetzt? Warum hatte sie sich so lange nicht gemeldet? Für Catriona stand fest, dass ihre Schwester einen Fehler begangen hatte. Irgendetwas stimmte nicht, und sie musste herausfinden, was. »Ich muss nach London«, flüsterte sie, während Fiona wutentbrannt die Küche betrat und die Tür hinter sich ins Schloss fallen ließ.
   »Schon da? Unser Gast muss aber ein schlechter Liebhaber sein.«
   Fiona warf Mary, der Köchin, einen bösen Blick zu und dann die Haare über die Schulter. »Den würde ich nie an mich heranlassen«, behauptete sie stolz und setzte sich neben Catriona auf die Bank.
   Mary rollte hinter ihrem Rücken mit den Augen und zwinkerte Catriona zu. »Natürlich nicht, Fiona, wie kam ich nur auf solch einen Gedanken.«
   Catriona biss sich auf die Lippen, um ein Lachen zu unterdrücken. Doch ganz wollte ihr das nicht glücken.
   Im nächsten Moment riss Fiona ihr Islas Brief aus den Händen und öffnete ihn. »Wirf das doch endlich weg. Deine Schwester ist auf und davon. Sie war clever genug, ihre Chance zu ergreifen.«
   Catriona nahm Fiona den Brief wieder ab und steckte ihn in ihre Tasche. »Das war keine Chance. Sie hat einen Fehler gemacht.«
   Fiona schnaubte und kämmte sich mit den Fingern durchs Haar. »Fehler. Unsinn. Sie schreibt es doch selbst: Sie führt ein herrliches Leben.«
   Catriona schüttelte den Kopf. »Sie hat seither nicht mehr geschrieben. Etwas ist geschehen.«
   Mary trieb die beiden wieder zur Arbeit an, woraufhin Fiona mit einen frustrierten Laut aufstand. »Du redest Unsinn, Cat. Deiner Schwester geht es gut. Immerhin muss sie niemandem mehr das Essen bringen, oder die Töpfe schrubben.«
   Catriona gesellte sich zu ihr und Mary und half bei den Vorbereitungen für das Abendessen. Sie erwiderte nichts auf Fionas Worte. Es hätte ohnehin keinen Sinn gehabt. Fiona sah die Welt ähnlich, wie Isla es tat, oder es zumindest getan hatte, als sie noch auf Alloway Castle gelebt hatte. Mit einem Mann ins Bett zu gehen, war für beide nichts Besonderes, und Catrionas Bedenken gegen ihre gleichgültige Art wurde mit einer Handbewegung abgetan.
   Mary stieß sie mit der Schulter an und lächelte ihr aufmunternd zu, als Fiona nicht hinsah. Catriona erwiderte das Lächeln der älteren Frau und versuchte, sich ihre düsteren Gedanken nicht anmerken zu lassen. Im Stillen dachte sie darüber nach, wie sie nach London gelangen konnte.
   Nachdem das Abendessen serviert worden war, wandte sie sich schließlich an Alan, den Butler.
   »Du hast den Verstand verloren!«, lautete sein schlichtes Urteil, nachdem sie ihm von ihrem Plan erzählte.
   »Ich muss nach London. Ich muss Isla finden.«
   »Wie willst du denn dorthin?«
   »Ich habe Geld gespart. Es wird reichen, bestimmt. Bitte rede mit Lord Alloway für mich. Ich möchte so schnell wie möglich aufbrechen. Jeder Tag, den ich noch länger zögere, kann für Islas Leben zählen.«
   »Du bist viel zu melodramatisch. Wahrscheinlich hat sie über ihr neues Leben einfach vergessen, dir zu schreiben.«
   Catriona sah ihn flehentlich an. Schließlich gab Alan mit einem Seufzen nach. »Die beiden Herren sind gerade mit dem Essen fertig.«
   Catriona umarmte Alan überschwänglich und dankte ihm immer wieder für seine Hilfe. Er murmelte nur etwas von Unsinn und Dummheit, führte sie aber dennoch ins Esszimmer.

*

Alan bat um eine Minute mit dem Earl of Alloway und die Herren unterbrachen ihre Unterhaltung, um Alan Catrionas Anliegen, nach London zu reisen, um ihre Schwester zu suchen, vorbringen zu lassen.
   Während der Earl of Alloway unsicher zwischen seinem Butler und dem Dienstmädchen hin und her sah, konnte Benedict ein Lachen nicht unterdrücken. Als ihn die drei anderen ansahen, hob er abwehrend die Hände. Besonders die Bestürzung des Mädchens jedoch amüsierte ihn. »Deine Schwester ist als Geliebte eines Earls nach London, und du glaubst, du kannst einfach so hinter ihr herreisen und sie suchen?«
   »Ja.«
   Eines musste er ihr lassen, sie hatte Mut. Oder sie war sehr, sehr dumm. Noch wagte Benedict es nicht, sich ein Urteil über sie zu erlauben. »Du willst also einen Liebhaber in der Gesellschaft finden, der dich …«
   »Nein!«, rief sie entsetzt und sah zwischen ihnen hin und her. »Niemals. Ich will nur meine Schwester finden. Sie ist in Schwierigkeiten, das weiß ich.«
   »Und wie gedenkst du, das anzustellen, wenn du nicht in den nötigen Kreisen verkehrst?«
   »Ich …« Sie zögerte, und Benedict beobachtete, wie sie die Stirn runzelte, die Unterlippe zwischen die Zähne zog und eine plötzliche Unsicherheit sie überkam. Ihre Schultern begannen leicht zu sinken. Ah, ihr brillanter Plan wies also noch gewaltige Lücken auf.
   »Ich werde …«
   »Catriona, ich halte das für keine gute Idee«, warf der Earl of Alloway nun ein, und Benedict spürte den Blick seines Freundes auf sich ruhen.
   Was erwartete er? Dass er dem Mädchen ausredete, nach London zu gehen und sein Leben wegzuwerfen? Wer war er denn, dass er dies tun würde? Wobei er zugeben musste, dass es eine Schande gewesen wäre, sie in der Londoner Gosse zu wissen. »Nichts wirst du«, sagte er ihr daher direkt. »London wird dich verschlucken, durchkauen und wieder ausspucken. Du würdest dort keinen Tag überstehen.«
   »Hör auf ihn«, pflichtete sein Freund ihm bei. »Deine Schwester hat ihre Entscheidung getroffen. Aber London ist nicht deine Welt, Catriona.«
   Benedict sah, wie sie die Schultern wieder straffte und das Kinn reckte. Er konnte nicht umhin, sie mit dem Mädchen zu vergleichen, das sich ihm bei seiner Ankunft so offenkundig angeboten hatte. Ja, verletzter Stolz sah immer gleich aus. Auch wenn er zugeben musste, dass die braunhaarige junge Frau vor ihnen ein weitaus ansehnlicherer Anblick war. Er hätte später nicht genau sagen können, was ihn dazu brachte, die nächsten Worte auszusprechen, oder was er sich von ihnen erhoffte. Er überraschte alle Anwesenden, sich selbst am meisten. »Selbstverständlich wäre es etwas anderes, wenn du einen passenden Ehemann finden könntest, der dich in die nötigen Kreise einführt.«
   Der Earl of Alloway schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. »Genug!« Er sah Benedict an, als fragte er sich, ob nun auch sein Freund den Verstand verloren hatte.
   Benedict gönnte ihm nur einen kurzen Blick, dann sah er wieder zu dem Mädchen. Sie musterte ihn zweifelnd, vermutete wohl eine doppeldeutige Botschaft in seinen Worten. Kluges Ding, das musste er ihr lassen.
   Ein Teil von ihm war erleichtert, dass sie nicht auf seine Worte ansprang. Ein anderer Teil hingegen war geradezu enttäuscht. Er wusste nicht, was es war, aber irgendetwas an ihr reizte ihn. Vielleicht war es einfach die Tatsache, dass sie die erste Frau seit Langem war, die sich ihm nicht sofort anbot.
   »Bist du nicht genau davor aus London geflohen?«, zischte der Earl of Alloway ihm zu, als könnte er seine Gedanken lesen.
   Erst im nächsten Moment begriff Benedict, dass sein Freund auf seine Worte bezüglich eines Ehemanns für das Mädchen anspielte. Er hatte ja recht. Benedict gönnte sich eine Auszeit von London, um den heiratswilligen jungen Damen – und ihren noch aufdringlicheren Müttern – zu entgehen.
   So sagte er nichts weiter, während sich der Earl of Alloway strikt gegen Catrionas Plan aussprach und damit argumentierte, dass er ihm, Benedict, darin zustimme, dass sich Catriona in London nicht zurechtfinden würde und er nicht zulassen würde, dass sich ein Mitglied seines Clans einer solchen Gefahr aussetzte.
   
Kapitel 2


Was glaubte dieser Mann eigentlich, wer er war? Kaum, dass Alan die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, ließ Catriona ihn stehen und stapfte wutentbrannt zurück in die Küche. Sie war sich sicher, wäre dieser Fremde nicht zu Besuch, Lord Alloway hätte ihr die Reise nach London nicht ausgeredet.
   „London wird dich verschlucken, durchkauen und wieder ausspucken.“ Seine Worte hallten in ihr nach, und sie musste an sich halten, um nicht loszuschreien. Sie würde es ihm zeigen. Ihm, Alloway und Alan. Sie würde es nach London schaffen und ihre Schwester finden.
   Als sie die Küche betrat und die Tür hinter sich zuschlug, hob Fiona eine rotblonde Augenbraue und sah sie grinsend an. Mary warf ihr einen scharfen Blick zu, als Fiona etwas sagen wollte, und winkte Catriona an den Tisch, um mit ihnen zu Abend zu essen.
   »Dieser fremde Earl ist ein Ekel«, erklärte Catriona. Sie setzte sich neben Fiona und nahm ihren Teller von Mary entgegen.
   »Cat«, schalt Mary sie, doch Fiona nickte zustimmend. »Du bist nur sauer, dass er dich nicht in seinem Bett wollte«, warf Mary ihr vor und deutete anklagend mit dem Kochlöffel auf Fiona.
   »Nenn mir einen Kerl, der das hier«, Fiona umfasste mit den Händen ihre Brüste und hob sie provokant an, »ablehnen würde.«
   »Offensichtlich der Earl of Fairclough«, gab Mary mit einem neckischen Grinsen zurück und beendete damit die Diskussion.
   Als sie gegessen hatten, kam Alan in die Küche und sah sich um. »Catriona, Lord Alloway hat seinem Gast seinen besten Ardbeg versprochen. Bring ihm eine Flasche auf sein Zimmer.«
   Bevor Catriona etwas sagen konnte, hatte sich Fiona von ihrem Platz erhoben. »Ich kann das machen«, bot sie mit ihrem süßesten Lächeln an, doch Alan winkte ab.
   »Lass gut sein, Fiona. Du sollst dich vom Earl of Fairclough fernhalten. Ausdrückliche Anweisung seiner Lordschaft.«
   Catriona wünschte sich, sie könnte dies ebenfalls tun. Sich von dem Earl fernhalten. Doch Mary reichte ihr bereits das Tablett mit dem Ardbeg und einem Glas darauf. »Mach nicht so ein grimmiges Gesicht«, mahnte sie, während sie Catriona die Tür aufhielt.
   Auf dem Weg zum Zimmer des Earls stieg Catrionas Wut weiter an. In Gedanken spielte sie mehrfach durch, was sie ihm am liebsten an den Kopf werfen würde, doch sie wollte ihre Anstellung seinetwegen nicht riskieren. Also atmete sie tief durch und versuchte, sich zu beruhigen, bevor sie an die Tür klopfte.
   »Herein«, dröhnte die ihr bereits jetzt verhasste Stimme durch die Tür, und Catriona balancierte das Tablett auf einer Hand, während sie die Tür öffnete und das Zimmer betrat. Der Earl stand am Fenster und wandte sich zu ihr um.
   »Ich bringe Ihnen den Whisky«, sagte Catriona mit einer Ruhe, die sie nicht spürte.
   Der Earl trat auf sie zu, öffnete die Flasche und schenkte sich die goldene Flüssigkeit in das Glas auf dem Tablett. Während er den ersten Schluck trank, musterte er Catrionas Züge über den Rand des Glases hinweg. »Catriona, nicht wahr?«, fragte er, nachdem er das Glas geleert hatte, und schenkte sich erneut ein.
   »Ja«, gab sie knapp zur Antwort und begegnete seinem Blick geradeheraus. Der Earl lächelte und Catriona straffte die Schultern.
   »Du bist wütend auf mich.« Er klang mehr als belustigt, als er diese Feststellung machte, und Catriona hätte ihm liebend gern den Whisky entgegengeschleudert. Den Whisky und alle Schimpfworte, die sie je gehört hatte. Sie wusste, was von ihr erwartet wurde. Nein, Mylord, sollte sie sagen, höflich knicksen und den Raum verlassen. Stattdessen platzte es aus ihr heraus. »Wie können Sie behaupten, zu wissen, ob ich in London mit meiner Suche nicht erfolgreich wäre? Sie kennen mich nicht, Sie wissen nichts über mich und stellen einfach solche Behauptungen auf.« Ihr Atem ging schwerer, nachdem die Worte aus ihrem Mund heraus waren. Im ersten Moment war sie über sich selbst erschrocken, dann straffte sie die Schultern und reckte stolz das Kinn. Sie stand zu ihren Worten und würde etwaige Konsequenzen tragen.
   Der Earl schwenkte das Glas leicht in seiner Hand und schien einen Moment lang nachzudenken. Dann hob er das Glas an die Lippen, um erneut zu trinken. »Weil ich recht habe«, sagte er schlicht und leerte das halbe Glas in einem Zug. »Und es wäre eine Schande, wenn du in London unter die Räder geraten würdest. Und das würdest du unweigerlich. Ein junges Mädchen, das sich nach einer Mätresse erkundigt? Was glaubst du, wofür man dich halten würde? Und du hast vorhin recht deutlich gemacht, dass du nicht dazu bereit bist, deiner Schwester in dieser Sache nachzueifern, oder hast du deine Meinung geändert?«
   »Nein!« Catriona spürte, wie sie rot wurde. »Niemals.«
   »So leidenschaftlich. Es gibt nicht wenige Männer, die dich genau dazu machen würden, was du so vehement nicht sein willst.« Sein Blick glitt über ihren Körper, und Catriona kam es vor, als hielte er sie allein dadurch bereits gefangen.
   Das Tablett in ihren Händen begann leicht zu zittern, und sie spürte, wie ihr noch mehr Hitze in den Kopf schoss. »Männer wie Sie?«, brachte sie dennoch hervor. Wenn er bejahte, hätte sie wenigstens einen guten Grund, ihm die Flasche Ardbeg über den Kopf zu schütten, sagte sie sich.
   Die Augen des Earls hielten in ihrer Musterung inne und kehrten zu ihrem Gesicht zurück. Ein Schmunzeln, das Catriona überraschend bitter vorkam, breitete sich auf seinen Lippen aus.
   »Aye, wie ich.« Für einen Augenblick sahen sie sich nur schweigend an. Dann stellte der Earl das Glas zurück auf das Tablett und wandte Catriona den Rücken zu.
   Er hatte es gesagt. Er hatte ihr den Grund geliefert, den sie brauchte, um ihm ihre ganze Verachtung – und den Whisky – entgegenzuschleudern. Dennoch blieb Catriona wie angewurzelt stehen. Hatte er es wirklich? Sie verengte die Augen zu kleinen Schlitzen. Der Mann war ein Ekel, das stand ohne Zweifel fest, aber irgendetwas kam ihr merkwürdig vor.
   »Du kannst das Tablett auf dem Tisch abstellen. Und ich würde gern ein Bad nehmen. Die Reise hierher war lang.« Als sie sich nicht rührte, drehte er sich noch einmal zu ihr um. »Ist noch etwas?«
   »Wieso haben Sie Fiona zurückgewiesen?« Die Frage platzte aus ihr heraus, ehe sie darüber nachdenken konnte, und dieses Mal wünschte sich Catriona tatsächlich, sie könnte ihre Worte zurücknehmen. Es ging sie nichts an, und es interessierte sie auch nicht. Nicht wirklich. Es war nur die Art, wie er ihre vorherige Frage beantwortet hatte. Männer wie er hieß nicht, dass er sich selbst mit einschloss. »Verzeihen Sie bitte. Ich hätte nicht fragen sollen. Ich …« Sie beeilte sich, das Tablett auf dem Tisch abzustellen. Durch ihre hektische Bewegung gelang ihr dies nur mit einem lauten Klappern. »Ich gehe jetzt einfach.« Sie war schon an der Tür, als er noch einmal zu ihr sprach.
   »Vergiss mein Bad nicht.«
   Catriona nickte, wagte aber nicht, ihn noch einmal anzusehen. Als sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, rannte sie so schnell sie konnte zu Mary, um ihr den Wunsch des Earls auszurichten.

*

Benedict schmunzelte, als Catriona aus dem Zimmer floh. Sie gefiel ihm ausnehmend gut. Und das nicht nur, weil sie sich ihm nicht sofort an den Hals warf. Er fragte sich, ob sie jemals nachdachte, bevor sie sprach, und ertappte sich dabei, wie sein Lächeln bei diesem Gedanken breiter wurde.
   Es gefiel ihm, dass sie sich nicht zu verstellen schien. Auch wenn sie sicherlich glaubte, ihre Gefühle gut zu verstecken, zeigte sie sie überdeutlich auf ihrem Gesicht. Es war eine seltene Eigenschaft und eine, von der er nicht wusste, wann er sie das letzte Mal bei einer Frau gesehen hatte. Benedict wusste nur eines: Er wollte diese Aufrichtigkeit der Gefühle sehen, während er ihren Körper erkundete. Er wollte in ihrem Gesicht wie in einem offenen Buch lesen, während er sie zum Höhepunkt und darüber hinaus brachte.
   Eine Frau wie sie war eine besondere Herausforderung. Sie würde sich einem Mann nicht einfach unterordnen, das hatte sie eben zur Genüge bewiesen. Wenn sie schon bei einem Titel nicht zurückschreckte, wieso sollte sie es dann bei der natürlichen Überlegenheit des Mannes gegenüber der Frau tun?
   Und doch wollte Benedict genau das von ihr. Sie sollte sich ihm unterwerfen. Weil es ihr Wille war. Er spürte, wie er beim Gedanken an diesen braunhaarigen Wildfang auf den Knien vor ihm hart wurde. Er sah ihre blauen Augen zu sich aufblicken, während sich ihre Lippen um seine Erektion schlossen. Seine Hand glitt zu seiner Hose, und er keuchte, als er sie von den Beinen streifte und die Finger um sein Glied schloss.
   Verdammt, es war lange her, dass er eine Frau so sehr wollte, und das für mehr als ein schnelles Abenteuer. Vielleicht war sein Gedanke im Esszimmer doch gar nicht so dumm gewesen, schoss es ihm durch den Kopf und er schloss die Faust fester um seinen Schwanz. Er stöhnte laut, griff mit der linken Hand nach dem Fensterbrett, um sich abzustützen. Mit geschlossenen Augen stellte er sich vor, wie Catriona ihm mit ihrem Mund die Freuden bescherte, die ihm seine eigene Hand bereitete. Seine Linke umklammerte das Fensterbrett noch fester, während er sich vorstellte, die Hand in ihrem Haar zu vergraben, während sie ihn ganz schluckte.
   Ein erneutes Klopfen an der Tür ließ ihn die Augen aufreißen und leise fluchen.
   »Wir bringen Ihr Badewasser, Mylord.« Die Stimme gehörte der Rotblonden.
   Benedict schloss kurz die Augen und versuchte, seine Fassung wiederzuerlangen. Dann zog er seine Hose an und wandte sich dem Fenster zu. Er hatte kein Interesse daran, dass diese Frau auf den Gedanken käme, sie könnte doch noch sein Bett teilen. Er rief sie herein, drehte sich jedoch nicht um. Nur aus den Augenwinkeln nahm er wahr, dass Catriona sie begleitete. Jede von ihnen trug zwei Eimer mit Wasser, das sie in die bereitgestellte Wanne schütteten.
   Benedict spürte Fionas Blick auf sich, doch Catriona vermied es, ihn anzusehen. Er stand schweigend da und ließ sie ihre Arbeit verrichten. Als Fiona ihm sagte, das Bad sei nun bereit, nickte er lediglich und deutete mit einem kurzen Winken an, dass sie gehen konnte. »Du nicht«, sagte er an Catriona gewandt. Seine Stimme klang selbst für ihn ungewohnt rau. Er wartete, bis Fiona die Tür hinter sich ins Schloss fallen ließ, und wartete noch etwas länger, weil er davon ausging, dass sich die junge Frau nicht zu schade war, sie zu belauschen.
   »Mylord, ich möchte mich noch einmal in aller Form entschuldigen. Es steht mir nicht zu, solche Fragen zu stellen und …«, brach Catriona schließlich das Schweigen.
   Benedict warf ihr über die Schulter einen Blick zu. »Ich habe kein Interesse an Frauen, die bereitwillig für jeden Kerl die Beine breitmachen. Wenn ich etwas Abgenutztes in meinem Bett will, gehe ich in ein Bordell.«
   Catriona sah ihn mit offenem Mund an.
   Sie hatte offensichtlich nicht erwartet, dass er ihr eine Antwort geben würde.
   Schließlich schloss sie ihre Lippen und nickte kurz. »Ich werde dann jetzt gehen, wenn das alles war, Mylord?«
   Benedict zog sich sein Hemd über den Kopf und ließ es achtlos zu Boden fallen. Ihm entging nicht, wie Catriona den Blick abwandte, oder wie ihre Wangen erneut mit Rot überzogen wurden. Überaus interessant.
   Ihre direkte Art gefiel ihm. Nun war es an der Zeit, herauszufinden, wie sie selbst mit derlei Fragen umging. »Bist du noch Jungfrau?«
   Ihre weit aufgerissenen Augen waren bereits Antwort genug, dennoch sah Benedict sie so lange an, bis sie schluckte und sich ein leises Ja abrang.
   Er musterte sie von Kopf bis Fuß. Erstaunlich, in der Tat. Sie musste die Aufmerksamkeit so manchen Mannes erregt haben.
   »Meine Unschuld soll bis zur Ehe bewahrt werden«, erklärte sie und reckte erneut das Kinn.
   So viel Stolz in diesem Körper. Benedict schmunzelte.
   »Wenn das jetzt alles ist …«
   »Ist es nicht.« Er sah, wie Nervosität von ihr Besitz ergriff und sie sich unsicher im Zimmer umsah.
   »Ich werde nicht mit Ihnen schlafen«, sagte sie ihm direkt, auch wenn sie ihn noch immer nicht ansah.
   »Aber du wirst dir den Vorschlag anhören, den ich dir unterbreiten werde, während du mir beim Baden hilfst.«
   Jetzt sah sie ihn an. Mit vor Entsetzen weiten Augen und offenem Mund. »Wieso sollte ich …«
   »Weil ich dir helfen kann, nach London zu kommen und deine Schwester zu finden. Zu meinen Bedingungen versteht sich.«
   »Ich werde niemandes Mätresse, auch nicht Ihre.«
   »Ich dachte, ich hätte deutlich gemacht, was ich von diesen Frauen halte«, erwiderte er und verzog das Gesicht.
   Catriona neigte den Kopf zur Seite und sah ihn misstrauisch an. Kluges Ding, dachte Benedict. Er hätte sich an ihrer Stelle auch nicht so einfach getraut.
   »Sie haben gesagt, Sie mögen keine Frauen, die für alle die Beine breitmachen. Ich bin unberührt, Sie wären der Erste.«
   Benedict konnte nicht umhin, über ihre Logik zu schmunzeln. Sie hatte in gewisser Weise nicht einmal unrecht. »Ich habe nicht vor, dich zu meiner Mätresse zu machen«, sagte er und bedeutete ihr, zur Badewanne zu gehen.
   Zögernd kam Catriona seiner Aufforderung nach und stellte sich hinter die Wanne.
   »Ich habe vor, dich zu meiner Frau zu machen«, erklärte er und entledigte sich der mittlerweile viel zu engen Hose.
   Catrionas Blick fiel auf sein steifes Glied, und er war sich nicht sicher, was sie in diesem Moment mehr schockierte: der Anblick eines nackten Mannes oder sein Angebot.

Kapitel 3


Catriona fühlte sich, als stünde ihr ganzer Körper in Flammen. Sie hatte des Öfteren unfreiwillig mitangehört, wie sich Fiona und ihre Schwester über ihre Erlebnisse mit Männern unterhalten hatten, aber noch nie hatte sie selbst einen nackten Mann gesehen.
   Nun stand sie da und konnte nicht anders, als den ersten, den sie sah, anzustarren. Sie versuchte, ihren Blick von seinem Glied zu lösen, doch es wollte ihr nicht gelingen. Hart und groß ragte es aus einem Nest dunkelblonder Haare empor, und Catriona verspürte ein ungewohntes Ziehen in ihrem Unterleib. Sie wollte ihn nicht.
   Als der Earl seine Hand um seine Erektion schloss, drang ein Keuchen an ihr Ohr, und zu spät erkannte Catriona, dass es aus ihrem eigenen Mund gekommen war. Erst jetzt gelang es ihr, sich von ihm abzuwenden und mit hochroten Wangen auf den Fußboden vor sich zu starren.
   Sie hörte die Schritte des Earls, der auf sie zukam. Alles an ihr spannte sich an. Doch er hielt vor der Wanne an und stieg hinein. Als er sich mit einem Seufzen ins heiße Badewasser niederließ, ließ Catrionas Anspannung nach.
   »Du bist sehr still. Ich hätte erwartet, dass dir der Vorschlag zusagen würde.«
   Vorschlag? Catriona versuchte sich daran zu erinnern, was er gesagt hatte. Er hatte versprochen, sie nicht zu seiner Mätresse machen zu wollen, wohl aber zu seiner … Frau.
   »Wieso sollten Sie mich heiraten wollen? Das ist verrückt. Ich habe nichts. Keinen Namen, keinen Titel, kein Land.«
   Der Earl griff nach dem Schwamm und tauchte ihn ins Wasser, ehe er ihn ihr entgegenhielt und in der Wanne nach vorn rutschte, ihr seinen Rücken preisgab.
   »Von alldem habe ich selbst reichlich und bedarf keiner mehr.«
   Catriona sah ihn verständnislos an und hielt den nassen Schwamm in den Händen, als hätte sie noch nie etwas Derartiges gesehen.
   »Mein Rücken. Wasch ihn«, forderte der Earl sie auf.
   Catriona schluckte, ehe sie sich langsam auf die Knie sinken ließ und nach der Seife griff, um den Schwamm damit einzureiben. »Ich bin dennoch nur eine einfache Dienerin. Wieso sollte jemand von Ihrem Stand meinesgleichen heiraten?« Zögernd begann sie, den Schwamm über seine Schultern gleiten zu lassen. Er war nicht so weich, wie sie es bei einem Earl erwartet hatte. Alloway trug einen deutlichen Bauch mit sich herum, und seine Finger glichen den kleinen Würsten, die in der Küche nach einer Schlachtung aufgehängt wurden. Der Earl of Fairclough hingegen war schlank, und wie Catriona schon bemerkt hatte, als er sein Hemd ausgezogen hatte, durchaus muskulös.
   Sie spürte, wie sich diese Muskeln unter ihrer Berührung entspannten. Ihr Blick blieb auf seinen Rücken gerichtet.
   »Du kannst lernen, dich in der Gesellschaft zu benehmen. So, wie es all die anderen vornehmen Damen gelernt haben. Was für mich wichtiger ist: Du kannst ebenfalls lernen, wie du dich mir gegenüber zu benehmen hast. Das hast du all den blaublütigen Mädchen voraus.«
   Catriona hatte seinen Rücken bis zum Rand des Wassers gewaschen und hielt inne. »Wie sollte ich mich denn Ihnen gegenüber benehmen?«, fragte sie vorsichtig, während sich der Earl auf die Knie setzte, um ihr mehr von seinem Rücken zu präsentieren.
   »Ich erwarte, dass du tust, was ich dir sage, wenn ich es dir sage. Ich erwarte, dass du mir nicht widersprichst, dich meinen Regeln nicht widersetzt.«
   Das klang nicht zu viel verlangt. Gedankenverloren wusch Catriona seinen Rücken, bis der Earl ihre Hand ergriff und an ihr zog. Er führte ihre Hand zu seiner Brust und lehnte sich in der Wanne zurück. Catriona spürte, dass er sie beobachtete, während sie seine Brust wusch. Hier war sie sich seiner Muskeln noch mehr bewusst. Und auch seines Gliedes, das zu ihrer Erleichterung noch vom Wasser bedeckt war.
   »Wenn ich Sie heirate und Ihren Forderungen Folge leiste, wie es von einer Ehefrau verlangt wird, bringen Sie mich nach London? Sie helfen mir, Isla zu finden?«
   »Aye.« Er sprach langsam, zog das Wort in die Länge. »Nachdem du bewiesen hast, dass du dich und mich in der Gesellschaft nicht blamieren wirst. Und nachdem du bewiesen hast, dass du dein Eheversprechen ernst nimmst.«
   Catriona hielt inne und lehnte ihren Arm auf den Rand der Wanne. Ihre Fingerspitzen sanken ins Badewasser, und der Schwamm zog sich mit Selbigem voll. »Wie lange wird es dauern, bis wir nach London fahren?«
   »Das liegt ganz bei dir. Umso schneller du lernst, umso schneller kommst du nach London.«
   Als Catriona den Mund öffnete, um ihm zu antworten, schüttelte der Earl den Kopf und griff nach ihrem Kinn.
   Mit dem Daumen verschloss er ihren Mund, während er sie näher an sich zog und sie auf halbem Weg traf. Sein Gesicht verschwamm vor ihren Augen, so nah war er ihr gekommen. »Sei dir ganz sicher, bevor du zustimmst. Ich meine es ernst, Catriona. Ich verlange deinen Respekt und deinen Gehorsam.« Sein Daumen strich über ihre Lippen. »Bist du dir sicher, dass du dazu bereit bist?«
   Unfähig, zu sprechen, nickte sie. Ihr Herz schlug so schnell, sie glaubte fast, es würde ihr jeden Augenblick aus der Brust springen.
   »Beweis es«, flüsterte er und griff mit seiner freien Hand nach ihrer. Er löste die Finger um den Schwamm und zog ihre Hand auf seine Brust. Mit gespreizten Fingern ließ er ihre Hand über seine nasse Haut gleiten.
   Er führte ihre Hand weiter nach unten und Catrionas Herz drohte, zu zerbersten. Seine Augen hielten ihren Blick gefangen.
   Als ihre Hand die Wasseroberfläche durchbrach, breitete sich ein leichtes Zittern in ihrem Körper aus. Sie spürte seinen Atem auf ihren Lippen. Er kam ungleichmäßig und schnell wie ihr eigener. Blut schoss in ihre Wangen und in ihren Unterleib, als er ihre Finger um sein Glied legte.
   Seine Hand ließ ihr Kinn los und glitt in ihren Nacken. Catriona glaubte, das Wasser müsste auf ihrer Haut verdampfen, so heiß war ihr am ganzen Leib. Als er sie küsste, begann er, ihre Hand langsam auf und ab zu bewegen.
   Catrionas Lider flatterten und sie schloss die Augen. Ein ungewohntes Verlangen begann in ihr zu brennen. Sie hörte, wie sie an seinem Mund stöhnte, und als sie seine Zunge an ihren Lippen spürte, öffnete sie sie bereitwillig für ihn.
   Seine Hand drückte ihre auffordernd und lockerte dann den Griff um ihre Finger. Vorsichtig ahmte Catriona die Bewegungen nach, die er ihr gezeigt hatte. Sein Keuchen drang in ihren Mund und sandte Schauer über ihren Rücken. Durch ihre eigene Erregung angespornt, begann sie, ihn schneller zu streicheln, schloss die Finger fester um sein geschwollenes Glied.
   Seine freie Hand öffnete den Kragen ihres Kleides, und verschwommen hörte Catriona, wie der Stoff ihres Kleides unter seinem Zerren nachgab und ihren Ausschnitt freigab. Seine kühle Hand strich über den Ansatz ihres Busens. Catriona zitterte unter seiner Berührung und seufzte. Mit einem Stöhnen löste er sich aus ihrem Kuss, ließ seine Lippen über ihre Wange und ihren Hals gleiten. Ihre freie Hand umklammerte den Rand der Wanne und sie warf den Kopf in den Nacken. Irgendwo in den Tiefen ihres Verstandes sagte sie sich, dass sie sich unglaublich schamlos verhielt, doch das Brennen in ihrem Inneren wurde stetig größer und ließ diese Stimme bald verstummen.
   Noch einmal ergriff er ihre Hand und zeigte ihr, dass sie ihn fester umschließen sollte. Als sie tat, wie er ihr gezeigt hatte, spürte sie, wie sein Glied in ihrer Hand zu pulsieren begann. Ihr eigener Körper schien im Gleichklang zu beben, und Catriona presste die Beine zusammen, als sie eine Feuchtigkeit auf ihren Oberschenkeln spürte. Sie wollte ihn in sich spüren. O Gott, zum ersten Mal konnte sie verstehen, worüber die anderen gesprochen hatten, wenn sie seufzend und ausgelassen von ihren nächtlichen Treffen mit irgendeinem Mann berichtet hatten.
   Seine Hand schloss sich um ihre rechte Brust und begann er mit dem Daumen ihre Brustwarze mit kreisenden Bewegungen zu streicheln. Ihr Unterkleid sog sich um ihre Brüste mit Wasser voll.
   »Bitte …« Sie wusste nicht, worum sie bat, aber sie war überzeugt davon, dass er es wusste. Er musste doch wissen, wie er dieses köstliche Brennen in ihr löschen konnte. Ihre Hand strich ruckartiger über seine Erektion, glich sich dem Rhythmus seines Stöhnens an ihrem Hals an und sie hörte sich selbst keuchen, als er im Badewasser kam. Überrascht stellte Catriona fest, dass er nicht sofort erschlaffte, und so streichelte sie ihn weiter, genoss das Gefühl seiner Härte in ihrer Hand. Ihr Unterleib zog sich fast schmerzhaft zusammen, und sie wusste, dass sie ihn dort spüren wollte.
   Er löste seine Lippen von ihrem Nacken und zog ihre Hand aus dem Wasser. Catriona sah ihn aus halbgeschlossenen Augen an. Er küsste ihre Handinnenfläche und sandte damit nur noch mehr Feuer durch ihren Körper. Langsam erhob er sich aus der Wanne.
   Catriona wandte beschämt den Blick ab, als ihr langsam bewusst wurde, was sie gerade getan hatte.

*

Benedict erkannte die Panik, die sich in ihren Augen ausbreitete. Er würde nicht zulassen, dass ihre Angst alles zerstörte. Sie war genauso, wie er es geahnt hatte. Sie zeigte ihr Verlangen und ihre Lust, ohne etwas zu verbergen, weil sie nie gelernt hatte, ihren Körper so berechnend einzusetzen.
   Wenn er jetzt einen Fehler machte, würde er sie verlieren, bevor sie ihm richtig gehörte. Das durfte nicht geschehen.
   Er schlang das bereitgelegte Handtuch um seine Hüften und zog Catriona sanft auf die Füße. Ihre Lider waren noch immer halb geschlossen. Sie sah aus wie eine Frau, die gerade zum ersten Mal mit ihrem Geliebten geschlafen hatte. Nur, dass sie noch nicht erfahren hatte, zu was ihr eigener Körper fähig war.
   Benedict zog sie an sich und küsste sie, machte ihr unmissverständlich klar, dass er nicht dulden würde, dass sie sich von ihm zurückzog. Sein linker Arm lag um ihre Taille, seine rechte nestelte an ihrem freigelegten Unterkleid und löste den Knoten, der es über ihrer Brust schloss.
   Catriona stöhnte an seinen Lippen, ihr Körper wölbte sich ihm willig entgegen.
   Als er das Unterkleid geöffnet hatte, schob er es beiseite und löste sich aus ihrem Kuss. Sein Blick glitt hungrig über ihre Brüste. Hellbraun reckten sich ihm die erregten Brustwarzen entgegen. Er spielte mit einer, ließ seinen Daumen darüber rollen und hörte zufrieden, wie Catriona seufzte.
   Er ging in die Knie und hob sie in seine Arme, um sie zum Bett zu tragen. Sein Kopf senkte sich über ihren Busen, noch ehe er sie auf der Decke niedergelegt hatte, und er schloss die Lippen um den Warzenhof und saugte gierig an ihr.
   Catriona bäumte sich auf und stöhnte, warf den Kopf in den Nacken. »Bitte …«, flüsterte sie wie schon vorhin, und für Benedict war es wie Musik.
   Er schob ihre Röcke bis zu ihrer Taille hoch und strich zärtlich über ihre Oberschenkel. Jede seiner Berührungen ließ ihren Körper erschaudern. Er konnte es kaum erwarten, in sie einzudringen. Aber nicht heute.
   Er wartete, bis sie die Augen öffnete und ihn ansah. Dann strich er langsam mit einem Finger über ihre feuchten Schamlippen. Catrionas Augen wurden weit, sie sah ihn mit bebenden Lippen an.
   Als er mit der Fingerspitze ihren Kitzler berührte, krallte Catriona sich an der Bettdecke fest und hob gleichzeitig die Hüften.
   »So ungestüm«, flüsterte Benedict und senkte seinen Kopf erneut über ihre Brust. Er wollte sie in völliger Ekstase. Er wollte, dass sie den Verstand verlor, bevor sie in seinen Armen kam. Sie sollte nicht einen Augenblick daran zweifeln, ihren Plan in die Tat umzusetzen.

*

Catriona konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Jede seiner Berührungen sandte neue Wellen der Erregung in ihren Unterleib, und seine Finger, die sie dort auf nie gekannte Weise berührten, nutzten jede noch so kleine Welle und ließen sie ins Unermessliche anwachsen. Sie zitterte am ganzen Körper, vergrub ihre Finger tiefer in der Decke, auf der sie lag.
   Als er mit einem Finger zwischen ihre Schamlippen fuhr und langsam gegen die Anspannung ihres Körpers anstreichelte, schossen neue Hitzewallungen durch sie hindurch. Ihr Körper schloss sich um seinen Finger, und sie fühlte sich an die Bewegungen ihrer Hand um sein Glied erinnert. Als er einen zweiten Finger in ihren Körper eindringen ließ, stöhnte Catriona auf. Ihre Beine öffneten sich, als wollte sie ihm zwischen ihnen Platz machen. Gott, selbst seine Finger füllten sie bereits vollständig aus. Im ersten Moment war es ungewohnt, ein Eindringling in ihrem Körper, doch mit jeder Bewegung, die seine Finger in ihre Scheide eindringen und wieder herausgleiten ließ, empfand sie größere Lust.
   So, wie er in ihrer Hand pulsiert hatte, so spürte sie nun ihren eigenen Körper um seine Finger pulsieren. »Bitte«, flehte sie ein drittes Mal und versuchte, seinem Blick zu begegnen.
   Er streichelte sie schneller, drang tiefer in sie ein, und Catriona biss sich auf die Lippen, um einen Schrei zu unterdrücken.
   »Halte nichts zurück, Catriona. Ich will alles von dir sehen.«
   Sie wimmerte bei seinen Worten, doch sie leistete ihnen Folge, und als sein Daumen erneut auf ihren Kitzler traf, während seine beiden Finger bis zu den Knöcheln in ihrer Scheide waren, schrie sie ihre Erregung frei heraus. Sie warf den Kopf in den Nacken, während er ihren Körper zu immer neuen Höhen führte. Gott, wie konnte sich das so gut anfühlen?
   Alles in ihr zog sich zusammen, und Catriona spürte, dass da noch etwas war, ganz nah, kurz davor, zu geschehen. Mit großen Augen sah sie den Earl an, der sich neben ihr auf dem Bett ausgestreckt hatte und ihr mit der freien Hand durchs Haar strich. »Was …«
   »Lass einfach los, Catriona. Lass los und komm für mich.«
   Es war natürlich unsinnig, zu glauben, dass seine Worte sie dazu brachten, genau das zu tun, wusste Catriona und doch ließen sie einen Damm in ihr brechen. Sie spürte, wie etwas tief in ihr explodierte. Ihre Muskeln schlossen sich um seine Finger, ihr Körper bebte und zitterte, während die Welt um sie herum für einen Augenblick stillzustehen schien.
   Er streichelte sie weiter.
   Catriona seufzte leise, als sie sich wieder fähig fühlte, irgendeinen Laut von sich zu geben. Sie sah den Earl mit leicht geöffneten Lippen an und wollte etwas sagen, doch durch sein Streicheln löste er ein erneutes Zittern in ihr aus.
   Langsam zog er seine Finger aus ihrer Scheide.
   Catriona spürte, wie ihr Körper versuchte, dies zu verhindern.
   Er schmunzelte und suchte ihre Lippen für einen erneuten Kuss. »So gierig, Catriona? Ich verspreche dir, du wirst sehr bald mehr bekommen. Das hier war nur ein Vorgeschmack. Es gibt noch so viel, was du nicht weißt. Das heißt, wenn du dich dazu entschlossen hast, meinen Vorschlag anzunehmen?«
   »Ja«, flüsterte sie und fragte sich, wie sich etwas noch besser anfühlen können sollte als das, was sie gerade erlebt hatte.

Kapitel 4


»Hast du den Verstand verloren?«
   Benedict sah seinen alten Freund über den Rand seines Glases hinweg ruhig an. »Ich dachte, du würdest mir gratulieren. Ich habe eine Braut gefunden, ohne nach einer zu suchen.«
   Alloway sah ihn ungläubig an. Einen Moment lang sagte er nichts, schüttelte nur den Kopf und fuhr sich durchs Haar. »Was soll das, Eldrige? Cat ist weder dafür geschaffen, die Frau eines Earls zu werden noch deine … was auch immer du mit ihr vorhast.«
   »Was ich vorhabe, ist sie zu heiraten. Ich dachte, das hätte ich mittlerweile deutlich genug gemacht.«
   Der Earl of Alloway ließ sich mit einem schweren Seufzen auf seinen Stuhl fallen. »Sie ist nichts für dich, Eldrige«, versuchte er es noch einmal und klang dabei merklich erschöpft. »Ich kenne dieses Mädchen, seit sie geboren wurde, ihre Eltern haben schon für meinen Vater hier gearbeitet. Cat ist ganz und gar unschuldig. Was du von einer Frau erwartest … verdammt Eldrige, das wird sie dir nicht bieten können!«
   Benedict trank langsam seinen Whisky aus und stellte das Glas ab, bevor er seinen Freund mit einer Antwort bedachte. »Ich werde nicht mit dir darüber reden, was ich von einer Frau erwarte, und ich werde auch nicht weiter mit dir über Catriona sprechen. Ihre Eltern sind tot, und sie ist alt genug, um in dieser Angelegenheit ihre eigene Entscheidung zu treffen.«
   Alloway schnaubte bei diesen Worten, doch Benedict ließ sich nicht von ihm beirren.
   »Wir werden morgen heiraten, ob es dir gefällt oder nicht. Wobei ich zugeben muss, mir wäre es lieber, wenn du als Gastgeber fungieren würdest. Natürlich kann ich auch morgen früh schon mit Catriona nach Fairclough aufbrechen und die Hochzeit erst dort von einem Pfarrer durchführen lassen. Mir ist es einerlei.«
   »Du willst das wirklich durchziehen, oder? Du nutzt tatsächlich die Sorge um ihre Schwester aus, um deinen Willen zu bekommen?«
   »Ich nutze niemanden aus. Und ich wäre dir äußerst dankbar, wenn du deine schlechte Laune nicht an mir auslassen würdest.« Er stand auf und ging zur Tür. »Morgen, Alloway. Dem Pfarrer habe ich schon eine Nachricht zukommen lassen.«

*

Fiona sah sie aus zusammengekniffenen Augen an, während Catriona mit Marys Hilfe eines von Islas besseren Kleidern auf ihre eigene Figur anpasste.
   »Die kleine Miss Unschuldig hat es also tatsächlich geschafft, sich einen reichen Mann zu angeln. Respekt, Cat. Deine Schwester wäre stolz auf dich. Bei ihr hat es nur dazu gereicht, sich für Sex großzügig bezahlen zu lassen. Du bekommst dafür gleich einen Ring an den Finger. Du musst bei dem Earl ja einen ganz schönen Eindruck hinterlassen haben.«
   »Ich habe nicht mit ihm geschlafen«, erwiderte Catriona ruhig, doch ihr Blick ruhte weiterhin auf dem Kleid vor ihr. Sie wollte nicht darüber reden, was zwischen ihr und dem Earl in seinem Zimmer vorgefallen war. Nicht mit Fiona.
   »Ach nein? Und was habt ihr dann die ganze Zeit getan? Du warst verdammt lange mit ihm allein.«
   »Wir haben geredet.«
   Fiona lachte los. »Natürlich habt ihr das. Geredet.« Sie stand auf und ließ Mary und Catriona allein.
   »Du bist dir sicher, dass du das Richtige tust?«, fragte Mary, nachdem Fiona gegangen war.
   »Er hilft mir, Isla zu finden.«
   »Vielleicht will sie aber gar nicht gefunden werden, und dann hättest du dieses Opfer ganz umsonst gebracht und …«
   »Opfer? Mary, ich werde nicht zur Schlachtbank geführt, ich werde nur heiraten.« Einen Earl, rief sie sich ins Gedächtnis. Einen Mann, der ihren Körper mit wenigen Berührungen zur vollkommenen Ekstase führen konnte. Sie räusperte sich, als dieses neue Kribbeln wieder aufloderte. »Mir wird nichts passieren. Bitte sieh mich nicht so an, als würde ich einen Fehler begehen.«
   Mary seufzte, nickte aber schließlich. »Komm, dein Hochzeitskleid muss noch fertig werden.«

*

»Cat, wenn diese Hochzeit gegen deinen Willen geschieht, oder Eldrige dich mit irgendwelchen falschen Versprechungen dazu drängt, das hier zu tun, dann sag es mir.«
   Catriona sah zum Earl of Alloway auf, der sie in wenigen Minuten an ihres Vaters statt zum Altar führen sollte. »Sie wollten mich nicht nach London gehen lassen. Er hilft mir, doch dorthin zu kommen. Ich muss Isla finden. Ich weiß einfach, dass etwas nicht stimmt und sie in Gefahr ist.«
   »Aber der Preis, den du dafür zahlst …«
   »Ist nicht höher als der anderer Frauen, die den Bund der Ehe eingehen.«
   »Da wäre ich mir nicht so sicher«, murmelte Alloway, »aber ich sehe, dass ich dich nicht von deinem Vorhaben abbringen kann.«
   Die Zeremonie war eine einfache Angelegenheit, zu der nur die nötigsten Personen anwesend waren. Catriona kam es sehr unwirklich vor, von einem Tag auf den anderen plötzlich als Braut vor einem Priester zu stehen und zu heiraten, doch sie sprach die Worte ihres Ehegelübdes mit fester, lauter Stimme aus, während sie ihrem künftigen Mann in die Augen sah. »Ich, Catriona, nehme dich, Benedict, zu meinem rechtmäßig angetrauten Ehemann. Ich gelobe, von diesem Tage an zu dir zu stehen. Dich an guten wie an schlechten Tagen, in Reichtum und Armut, Gesundheit und Krankheit zu lieben, zu ehren und dir zu gehorchen, bis dass der Tod uns scheidet.«
   Nach der Zeremonie wollte Benedict so bald wie möglich aufbrechen, was dem Earl of Alloway offensichtlich missfiel.
   »Ihr könnt morgen noch abreisen, das ist früh genug, gib deiner Braut ein wenig Zeit, sich von der Hochzeit zu erholen.«
   »Die Reise nach Fairclough ist keine Sache von einer Stunde. Selbst wenn wir jetzt aufbrechen, wird es früher Abend werden, bis wir ankommen«, erwiderte Benedict. »Catriona will so schnell wie möglich nach London«, fügte er hinzu. »Dafür muss sie zunächst lernen, wie sie sich in dieser Schlangengrube zu verhalten hat. Außerdem braucht sie eine vollkommen neue Garderobe und«, er sprach eindringlicher, als der Earl of Alloway ihn erneut unterbrach, »ich möchte ungern unsere Hochzeitsnacht hier verbringen und Catriona dann morgen früh diese anstrengende Reise zumuten.«
   Bei der Erwähnung dieser Nacht schoss Catriona das Blut in die Wangen. Mary hatte sich am Abend zuvor ausgiebig mit ihr unterhalten und sich vergewissert, dass ihr Wissen darüber, was geschehen würde, nicht nur aus den verruchten Geschichten ihrer Schwester und Fiona stammte. »Ich würde lieber heute aufbrechen, wenn ich etwas dazu sagen darf«, warf sie ein und zog damit die Blicke beider Männer auf sich. Sie spürte, wie ihre Wangen noch heißer wurden.
   Alloway presste die Lippen aufeinander und ballte die Hände zu Fäusten, doch an Benedicts Mundwinkeln zuckte ein leichtes Lächeln.
   »Die Lady hat gesprochen, Alloway. Du wirst ihr doch diesen Wunsch sicher nicht abschlagen. Wir brechen in einer Stunde auf. Ich hoffe, das reicht dir, um dich von allen zu verabschieden und mitzunehmen, was dir wichtig ist«, wandte er sich an Catriona.
   Sie nickte eifrig und war froh darüber, die beiden Herren allein lassen zu können. Lady. Daran musste sie sich erst einmal gewöhnen.

Pünktlich eine Stunde später brach ihre Kutsche auf, weiter Richtung Norden.
   »Wo genau liegt Fairclough Castle? Ich hätte gedacht, dass wir nach Süden müssen«, fragte Catriona. Der Gedanke an ein stundenlanges Schweigen zwischen ihnen behagte ihr nicht. Schweigen gab ihr Gelegenheit, nachzudenken. Über heute Nacht. Über die nächsten Tage und Wochen und … oh lieber Gott, sie hoffte, sie würde schnell lernen, was sie wissen musste, um in London zu bestehen.
   »Es liegt in der Grafschaft Caithness.«
   Catriona sah ihn überrascht an. »Caithness? Sie müssen sich gut in London eingelebt haben, ich hätte nie gedacht, dass der nördlichste Teil der Insel Ihre Heimat ist.«
   »Ich betrachte ihn nicht als Heimat. Meine Mutter war eine Gunn, sie brachte Fairclough Castle als Mitgift mit in die Ehe mit einem Engländer.«
   »Und Ihre Eltern leben nun in England?«
   »Meine Mutter ist tot.« Sein Gesicht zeigte keine Regung und Catriona wünschte, sie hätte ihn nicht danach gefragt. Das Ausbleiben jeglicher Emotionen zeigte ihr deutlich, wie sehr ihn der Verlust schmerzen musste.
   »Das tut mir leid. Ich hätte nicht fragen sollen.« Sie richtete ihren Blick auf die Landschaft, die an ihnen vorbeizog, und faltete die Hände im Schoß, um nicht nervös mit dem Stoff ihres Kleides zu spielen.
   »Was ist mit dir? Erzähl mir etwas von dir, von deinen Eltern, deiner Schwester.«
   Zögernd drehte sie den Kopf zu ihm und setzte zu einem Schulterzucken an. »Ich weiß nicht recht, was es über mich zu erzählen gäbe. Ich bin auf Alloway Castle geboren und aufgewachsen. Mein Vater war der Verwalter unter dem verstorbenen Earl. Damals verbrachte die Familie die meiste Zeit des Jahres in Edinburgh oder London. Wir hatten die Burg meist für uns.«
   »Du und deine Schwester konnten also davon träumen, wie Prinzessinnen zu leben, jeden Raum der Burg bewohnen und …«
   »Nein«, widersprach sie ihm hastig. »Das heißt, ja, ich glaube, Isla hat es gefallen, sich als Hausdame zu sehen. Als Lady, die Gäste von Rang und Namen empfing, die schönsten Kleider trug und den herrlichsten Schmuck. Schon als Kind bedeuteten ihr diese Dinge viel.«
   »Und dir nicht?«
   »Ich wollte nie zu Ihrer Welt gehören, wenn Sie das meinen. Sicher, Sie haben Geld und alle feinen Dinge der Welt. Die Menschen verbeugen sich vor Ihnen und erfüllen Ihnen alle Wünsche. Aber Sie können nie wirklich frei sein. Und ich jetzt wohl auch nicht mehr.«
   »Du glaubst, du warst bis heute Morgen freier, als du es jetzt sein wirst?«
   Die Erinnerungen an ihre Kindheit kehrten zu ihr zurück und Catriona lächelte. Sie dachte an die vielen Nachmittage im Wald, in denen ihr Vater sie über die Pflanzen und Tiere aufgeklärt hatte. »Sagen Sie mir, wann sind Sie das letzte Mal lachend und schreiend über eine Wiese gelaufen? Wann haben Sie das letzte Mal in einem See gebadet? Es wäre ein Skandal, wenn man Sie dabei erwischen würde. All Ihre Regeln und Pflichten, nein, als Kind habe ich nie jemanden darum beneidet. Kein Gold der Welt hätte mir so ein Leben schmackhaft machen können. Ich erinnere mich daran, wie der Earl of Alloway als Junge von seiner Mutter getadelt wurde, weil er seine Kleidung ruiniert hatte, als er vom Pferd in eine Pfütze gefallen war.«
   Benedict sah sie lange an. »Und doch gibst du deine Freiheit auf, um deine Schwester zu finden.«
   »Natürlich«, antwortete Catriona, ohne zu zögern. »Sie ist meine Schwester. Sie bedeutet mir alles. Mein Vater pflegte immer zu sagen, dass es nichts auf der Welt gäbe, das wichtiger sein könnte als die Familie. Weil sie es sei, die in allen Zeiten zu einem steht. Zu der man immer zurückkehren kann, egal, was geschehen ist.«
   Nun war es Benedict, der den Blick von ihr ab und zum Fenster wandte. »Ich fürchte, dein Vater hatte eine sehr verklärte Sicht auf Familien. Oder vielleicht hatte er einfach einen besseren Vater als meinen.«
   Einen Moment lang schwiegen sie, und Catriona konnte nicht anders, als das Profil ihres Mannes zu betrachten. Das kurze helle Haar, das ihm in einigen Strähnen in die Stirn fiel, die grauen Augen, die die gleiche Farbe wie der wolkenverhangene Himmel hatten. Seine Züge erinnerten sie an die Gemälde der alten Wikinger, die sie gesehen hatte. Wenn er stand, überragte er sie um eine Kopflänge. Sie brauchte nicht viel Fantasie, um ihn sich als einen der Eroberer von einst vorzustellen.
   »Ich verlange von dir, dass du mir stets die Wahrheit sagst, Catriona«, unterbrach er plötzlich das Schweigen. Sein Blick war noch immer aus dem Fenster gerichtet. »Unter diesem Aspekt ist es wohl nur gerecht, wenn auch ich dir gegenüber ehrlich bin. Wie ich sagte, meine Mutter ist tot. Mein Vater jedoch lebt, und wie du richtig vermutet hast, lebt er in England. Ich sage dir das, weil ich nicht ausschließen kann, dass du einmal auf ihn treffen wirst.« Benedict drehte sich zu Catriona und sie schluckte, als sie die Kälte in seinen Augen sah. »Mein Vater hat meine Mutter in den Tod getrieben. Er hatte unzählige Affären, Geliebte in jeder größeren Stadt. Als meine Mutter dieses Wissen nicht länger ertragen konnte, floh sie zurück nach Hause, nach Fairclough Castle. Mein Vater und ich reisten ihr nach. Ich hatte sie lange nicht so glücklich gesehen wie in dem Moment, als ich sie dort zum ersten Mal wiedersah. Bevor sie meinen Vater erblickte. Er zwang sie, mit ihm nach London zurückzukehren. Was sollten die Leute sagen, wenn seine Frau davonliefe und sich im Hochland verkroch. In der ersten Nacht nach unserer Rückkehr nach London nahm sie sich das Leben. Mein Vater war nicht da, er nächtigte bei einer seiner Geliebten.«
   »Deswegen hassen Sie sie«, schloss Catriona aus seinen Worten und dachte daran, was er am Abend zuvor zu ihr gesagt hatte.
   »Nein, Hass ist ein zu starkes Wort. Ich hasse meinen Vater für seine Taten. Die Frauen, zu denen er geht, sind mir einerlei. Sie öffnen bereitwillig ihre Beine und ihre Börsen für jeden Mann.«
   »Es ist kein Wunder, wenn die jungen Damen der Londoner Gesellschaft Sie zum Ehemann wollen. Welche Frau kann sich schon sicher sein, dass ihr Mann sie nicht betrügt? Sie müssen ein wahres Unikat sein.«
   Benedict lachte über ihre Worte und ergriff ihre Hand. Diese einfache Berührung ließ Catrionas Herz bereits schneller schlagen. Sie konnte nicht anders, sie starrte ihn an, als er ihre Hand zu seinen Lippen führte und ihre Knöchel küsste. Sein Blick traf ihren, und von der Kälte, die sie noch bei den Worten über seinen Vater gesehen hatte, war nichts mehr geblieben. Ganz im Gegenteil.
   »Catriona.« Seine Stimme glich einer Liebkosung.
   Bilder des vergangenen Abends kamen ihr in den Sinn. Hitze überkam sie und sammelte sich zwischen ihren Beinen. »Ja?«, fragte sie leise und bemühte sich, nicht so atemlos zu klingen, wie sie sich fühlte.
   »Du solltest jetzt wirklich anfangen, mich bei meinem Namen zu nennen.«
   Für einen Moment sah sie ihn verständnislos an, dann begann ihr Körper, sich wieder zu beruhigen. »Natürlich. Wie dumm von mir«, beeilte sie sich, ihm zuzustimmen. Ihre Wangen glühten. Was hatte sie denn gedacht, dass er ihr sagen wollte? In einer Kutsche auf dem Weg durch das Hochland? Sie schob die ungebetenen Bilder beiseite, die ihr nur allzu deutlich zeigten, was genau sie sich gedacht hatte.
   Sie waren allein, sie waren verheiratet. Er hätte alles mit ihr tun können. Er hätte sie an sich ziehen und küssen können. Wirklich küssen, so wie am gestrigen Abend. Er hätte sie streicheln können, ihre Haut mit seinen Lippen bedecken. Er hätte ihre Hand nehmen und sie über seinen Körper führen können, bis sie …
   Ihr Blick fiel unfreiwillig zwischen seine Beine. Die Muskeln in ihrem Inneren zogen sich zusammen und sandten wohlige Schauer durch ihren Körper. Heute Nacht. Sie wandte hastig den Kopf ab, als ihr bewusst wurde, wo sie gerade hinstarrte.

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