Leonie ist nach ihren untreuen Exfreunden alles andere als verträumt und auf der Suche nach Mr. Right. Bis zu diesem einen Moment auf der Kreuzung. Der Mann sitzt in seinem Wagen, Leo in ihrem und die Blicke bleiben endlos konstant. Wer ist der Fremde? Warum kann sie nicht aufhören, ihn anzusehen? Noch am gleichen Abend begegnet sie ihm auf einer Gala. Ryan O’Neill. Er bringt ihr Herz mit seinem irischen Charme nicht nur zum Klopfen, sondern lässt sich nicht von Leonies Schutzmauern abwimmeln.

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Emily Roberts

Emily Roberts ist das Pseudonym einer Liebesromanautorin. Unter diesem Namen veröffentlicht sie romantische und lustvolle, prickelnde und humorvolle Kurzgeschichten. 

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... oder sofort „hineinschnuppern“

Kapitel 1

Aus den Boxen dröhnte Locked Out of Heaven von Bruno Mars, die Fenster waren hinuntergekurbelt und der warme Frühlingswind zerzauste Leonies Haar. Sie kroch im Feierabendverkehr in Richtung Bielefelder Innenstadt, obwohl sie am liebsten den restlichen Tag in der Sonne verbracht hätte. Nicht hier, Stoßstange an Stoßstange.
   Na wunderbar, die Ampel schaltete auf Rot. Sie war spät dran, um ihre Freundin abzuholen. Wie immer. Pünktlichkeit war nicht gerade ihre Stärke. Mit sechsundzwanzig war es langsam unangenehm.
   Aus der entgegengesetzten Richtung wollte ein dunkelgrauer Audi links abbiegen und blieb nach wenigen Metern stehen. Ein Mann saß im Fahrzeug. Er hatte dunkelblondes Haar, ein markantes Kinn und trug einen teuer aussehenden Mantel. Sein Blick ließ Leonie für keine Sekunde los und selbst sein Mund öffnete sich einen Spaltbreit.
   Was hatte er für eine Augenfarbe? Blau? Sie konnte es nicht erkennen. Nur, dass er unbeschreiblich attraktiv war und Leo betrachtete, als wäre sie eine Dschinnya.
   Leonie überkam ein angenehmer Schauder, der Gänsehaut zur Folge hatte. Warum begutachtete er sie eindringlich? Und weshalb konnte sie nicht aufhören, ihn anzusehen?
   Die Zeit schien nicht zu vergehen. Es kam ihr ewig vor, bis jemand hupte. Sie zuckten zusammen. Er schüttelte den Kopf und fuhr davon.
   Was war das denn?
   Eine vorbeifahrende Autofahrerin, die Leo ungeduldig überholt hatte, zeigte ihr den Mittelfinger. Es erinnerte sie daran, wieder Gas zu geben.
   Mit zehnminütiger Verspätung kam sie an der Anwaltskanzlei an, in der ihre Freundin als Sekretärin arbeitete.
   Gina war schlank, brünett und besaß ein breites Grinsen. Mit ihrer zierlichen Größe dachten viele, sie wäre schüchtern. Allerdings war sie auf jeder Party die Lauteste, Ausgelassenste und Verrückteste. Typisch Gina halt.
   »Zehn Minuten. Alle Achtung. Du bist sozusagen rechtzeitig.«
   »Kein Kommentar darüber, ansonsten kannst du das nächste Mal zu Fuß gehen.«
   Gina verdrehte die Augen. »Dass du eine Chaotin bist, ist nichts Neues. Ich muss dir aber etwas erzählen!«
   »Ich brenne vor Neugierde.«
   »An deinem Gesicht ist das deutlich zu sehen.«
   Sie lachten.
   »Entschuldige, aber deine Nachrichten sind immer schrecklich. Solche Sätze verwendest du, wenn du mir ein grauenhaftes Blind Date organisiert oder eine Beule in meinen Wagen gefahren hast. Mehr Beispiele gefällig?«
   Gina hob unschuldslammmäßig die Hände. »Diesmal nicht, versprochen. Mein Chef hat mich lediglich zu einer Party eingeladen. Mit Begleitung.«
   »Swingerklub?«
   »Gott, nein!« Gina versetzte ihr einen beherzten Schlag. »Du spinnst. Dort sind viele Geschäftsleute aus der Stadt, einige andere Anwälte und, und, und. Die ganze High Society.«
   »Was du nicht sagst. Und ich soll mit dir kommen?«
   »Ja, du Blitzmerker. Wir sind Singles, warum nicht? Vielleicht angeln wir uns einen gut aussehenden Lustknaben.«
   »Geht klar, bis auf Letzteres. Du wirst ohnehin nur Augen für deinen Boss haben. Wie heißt er noch gleich?«
   »Nick Roland.« Ginas Stimme klang verträumt. »Himmel, das ist ein Mann. Ein Blick von ihm, und ich bekomme weiche Knie.«
   Leo erinnerte sich an die aufwühlende Begegnung mit dem Fremden auf der Kreuzung. Ihr Herz hatte wild bis zum Hals gepocht. Diese Augen, diese Ausstrahlung, dieser intensive Blickkontakt.
   »Hey, hörst du mir überhaupt noch zu?«, motzte Gina.
   »Entschuldige. Ich war weg. Mir ist heute nur etwas Lustiges und Seltsames passiert.«
   »Lass hören.«
   Leonie schilderte das Ereignis.
   »Mehr nicht? Ihr habt euch nur angeglotzt?«
   »Ja – und? Mitten auf der Kreuzung. Wir haben den gesamten Verkehr aufgehalten. Es war wie eine Ewigkeit.«
   Gina machte einen belustigten Laut. »Seit wann bist du eine Romantikerin? Vielleicht hatte er einen Krampf im Fuß oder den Wagen abgewürgt.«
   »Kann sein. Ich habe nicht behauptet, er wäre ein Traumprinz. Ich finde nur, dass es … Egal. Was war mit deinem Chef?«
   »Er hat mir eine Rose auf den Tisch gelegt.«
   »Hast du ihn dabei gesehen?«
   »Nein. Wer sollte es sonst tun?«
   »Es hätte jeder sein können. Wie wäre es mit dem sexy Hausmeister?«
   »Da ist wieder meine Freundin. Unromantisch und griesgrämig. Und beleidigend.«
   Leo grinste breit. »Klar. Genau deshalb magst du mich.«
   »Ich muss verrückt sein.«

Vor Jahren hatte sich Leo aufgrund Ginas Drängen und Überredungskunst ein weinrotes eng anliegendes Kleid gekauft. Es betonte angeblich ihr Haar und ihre Brüste (ihren Vorzug). Natürlich hatte sie es nie getragen, sogar das Preisschild war noch dran. Eigentlich war Leo eher der Typ, der zu gedeckten Farben griff: Schwarz, Dunkelblau, dunkles Grau.
   Sie zog das Stück aus dem Schrank und hielt es vor sich. Vielleicht sollte sie für diesen Abend mal gewagter sein? Was wäre, wenn sie dem Fremden wieder begegnete und sie durch diese Farbe seine Aufmerksamkeit erneut auf sich zog?
   Gütiger Gott! Leos Wangen wurden heiß. Dachte sie gerade ernsthaft daran, diesen Mann, der wahrscheinlich eine Frau oder Freundin hatte (bei seinem Aussehen), im Spaghettiträgerkleid zu verführen? Es musste am Stress liegen.
   Sie war nicht wirklich jemand, der allzu verträumt war. Vielmehr war sie zu realistisch und zu skeptisch, was Beziehungen anging. Und zwar begründet: Zwei ihrer Exfreunde, mit denen sie eine längere Beziehung geführt hatte, hatten in fremden Gewässern gefischt. Seither machte sie einen großen Bogen um Männer.
   Hin und wieder hatte sie einen One-Night-Stand, allerdings nie etwas Ernstes. Und selbst danach war der Weg nach Hause ein Walk of Shame. Weg mit dem auffälligen Kleid! Es verhexte ihre Gedanken.

»Du bist vorhersehbar. Schwarzes Kleid? Ernsthaft? Wir sind heute unter den VIPs.« Gina, die natürlich ein knallrotes rückenfreies Etwas trug, das praktisch nach Aufmerksamkeit schrie, verzog das Gesicht beim Betrachten ihrer Freundin. »Soll ich dir vielleicht etwas Besseres leihen? Zeit hätten wir noch.«
   Leo verdrehte die Augen. »Nein, ich fühle mich wohl. Außerdem sind es nur ein paar Wichtigtuer und nicht mehr. Wofür der Aufwand?« Sie schlug die Autotür zu und schloss ab. »Wann werden wir abgeholt?«

Zehn Minuten später tauchte eine schwarze Mercedeslimousine auf. Gina lebte in einer winzigen Wohnung in einer weniger schicken Gegend der Stadt. So ein Fahrzeug fiel hier auf wie ein bunter Dackel. Dementsprechend beäugten sie die Nachbarn, als wären sie seit Neustem Mitglieder in einer Mafia.
   Die Gala fand in einem Luxushotel statt, zu der nur geladene Gäste Zutritt hatten. Erst, als Leo die elegant eingerichtete Halle in Augenschein nahm, verlor sich der Zweifel an Ginas Neuigkeit. Alle waren graziös gekleidet, keiner hatte irgendwelche Peitschen in der Hand und niemand trug Leder.
   Ihr Vorgesetzter, ein hochgewachsener Mann Mitte dreißig, nahm Gina in Beschlag und stellte sie irgendwelchen Leuten vor. Statt mitzukommen, fand Leo das Buffet viel interessanter. Dort gab es Antipasti und Fingerfood.
   »Das würde ich lieber liegen lassen. Das ist Schweinezunge«, sagte gerade jemand, als sie nach dem Spieß greifen wollte. Eine angenehme, leicht raue Lache folgte. »Angeblich eine Delikatesse.«
   Leo rümpfte die Nase. Und verschluckte sich um ein Haar an ihrer Spucke, als ihr Blick der Stimme folgte. Sie musste träumen. Unauffällig kniff sie sich in den Schenkel. Nein, es musste real sein. Wie hoch war die Wahrscheinlichkeit, ausgerechnet hier dem Fremden zu begegnen? Am selben Tag?
   Und Donnerwetter, seine Augen! Es war eine satte jadegrüne Farbe, umrandet von dichten, langen, dunklen Wimpern. Dazu dieses markante Kinn mit dem Grübchen, das es noch zusätzlich betonte.
   Er wartete auf eine Antwort. Was hatte er noch mal gesagt? Sie durchkämmte panisch ihre Erinnerung. »Vielleicht liebe ich Schweinezunge.« Leo versuchte, ein selbstsicheres Grinsen aufzusetzen. Höchstwahrscheinlich sah sie dabei wie ein Regenwurm aus.
   »Ach, echt? Dann kosten Sie davon. Ich würde gern sehen, wie Sie es sich schmecken lassen.« Etwas Sarkastisches lag auf seinen Zügen.
   »Gut, ich habe geblufft. Wer tut sich so etwas an?«
   »Sie würden staunen. Dafür wird sogar ein Vermögen ausgegeben und mit Blattgold veredelt. Ich bin Ryan O’Neill.«
   »Leonie Stark. Das nenne ich eine miese Investition.«
   »Versuch es damit. Das ist eine Lachs-Zucchini-Pastete.«
   »Fisch ist immer gut.« Sie nahmen sich eins und nickten gleichzeitig, nachdem es im Mund verschwand. »Hm. Die sind gut. Du hast Geschmack. Hast du irische Wurzeln?«, fragte Leonie. »Dein Name ist nicht gerade typisch deutsch.«
   »Ja, stimmt. Ich wurde berufsbedingt vor fünf Jahren hierher versetzt. Meine Schwester folgte mir.«
   »Du Ärmster. Sie müssen dir ein Vermögen gezahlt haben. Irland ist faszinierend.«
   »Die Natur dort ist einmalig. Wobei ich sagen muss, dass mir Deutschland von Jahr zu Jahr mehr zusagt.«
   Leo schmunzelte. »Muss an der Schweinezunge liegen. So etwas Wundervolles gibt es dort nicht, oder?«
   Er lachte. »Ich habe zumindest noch keine vorgesetzt bekommen. Ich wollte mich bei dir entschuldigen.«
   »Wofür?«
   »Für heute Nachmittag. Die Situation im Verkehr.«
   »Du erinnerst dich daran?«
   Ein Lächeln zupfte an seinen Lippen. »Ich starre nicht täglich wildfremde Frauen an. Du musst denken, dass ich durchgeknallt bin.«
   »Damit triffst du ins Schwarze. Ich wollte schon die Polizei einschalten.«
   Er grinste schief. »Ich bin nicht so schrecklich. Hoffe ich zumindest. Als ich dich im Auto gesehen habe, da …« In diesem Moment berührte ihn eine Blondine.
   »Da bist du ja, Darling. Komm, ich muss dir jemanden vorstellen.« Er beäugte sie kurzzeitig und berührte sanft die Hand, die auf seinem Oberarm lag. »Okay. Ich komme.«
   Er wandte sich an Leo. »Darling wird gebraucht.«
   Natürlich war er vergeben. Was sonst? Ein Stich der Enttäuschung durchzuckte sie. Hatte sie sich etwa Hoffnungen gemacht? Sie war doch nicht auf der Suche, oder? Sie schüttelte innerlich den Kopf. Dieser Tag war verflucht. Eindeutig.
   Obwohl sie wütend auf sich war, brodelte Neugierde in ihr. Was hatte er sagen wollen, bevor seine Flamme gekommen war? Egal, Leonie sollte diesen Mann vergessen.
   Diesen rattenscharfen, humorvollen, irischen Typen, mit den einzigartigen Augen der Weltgeschichte. Schluss damit!
   Leo benötigte dringend eine Toilette. Anstatt die im Erdgeschoss zu benutzen, ging sie eine Treppe hinunter. Dort erhoffte sie sich etwas Ruhe für einen klaren Kopf.
   Fehlanzeige.
   Offenbar platzte sie in ein sehr intimes Treffen. Weil der Raum verwinkelt war, wurde sie weder von ihnen gesehen noch erkannte sie, wer sich vergnügte. Auf Zehenspitzen wollte sie verschwinden, als sie die Stimme erkannte.
   Es war Nick Roland. Und die Frau war sicher nicht Gina.
   Herrgott, das hatte ihr noch gefehlt. Gina würde an die Decke gehen, wenn sie es erfuhr. Gleichzeitig musste sie wissen, was Sache war. So einen Arsch möchte keiner haben. Vor allem nicht ihre Freundin, die auf der Suche nach einem Mann war, der eine Familie gründen wollte. Sie glaubte Leo nicht, dass diese Gattung ausgestorben war.
   Bevor sie sich rausschleichen konnte, platzte jemand in den Raum. Bei ihrem Glück war es natürlich Gina.
   »Verdammt, bist du schnell. Ich habe dich gesehen, als du runtergegangen bist.«
   Sie versuchte, ihre Freundin aus dem Raum zu schieben. »Diese Toiletten sind das Letzte. Total unhygienisch.«
   »Was? – Warte. Da stöhnt doch jemand.« Sie kicherte. Gina war nicht bekannt für ihre Zurückhaltung und ging um die Ecke. Und blieb stehen, sodass Leonie, die ihr folgte, in sie hineinrannte. Anscheinend stand der Kerl auf Sekretärinnen, denn die von seinem Anwaltskollegen vernaschte er gerade. Leonie war ihr mehrere Male begegnet, als sie Gina von der Arbeit abgeholt hatte.
   Ruckartig zog Nick die Hose hoch und streckte die Hand nach Gina aus, als würde sie ihm etwas bedeuten. Das musste man ihr lassen, egal, wie es in ihr aussah, sie wirkte absolut unberührt.
   »Das hier fällt wahrscheinlich unters Betriebsgeheimnis.«
   »Regina, dafür gibt es eine Erklärung.«
   »Ganz sicher. Ich möchte sie nur nicht wissen. Viel Spaß noch.«

»Was für ein Mistkerl. Und das Schlimmste ist, dass du wahrscheinlich recht hattest bezüglich des Hausmeisters«, sagte Gina, als sie die Toilette verlassen hatten und die Treppe hinaufstiegen. »Nick war das mit der Rose bestimmt nicht.«
   »Ach Gina, auch wenn es sich abgeflacht anhört, du bist ohne ihn besser dran. Sei froh, es jetzt rausgefunden zu haben.«
   »Ich sollte es denken. Vielleicht bin ich auch nicht interessant genug.«
   »Sag so etwas nicht wegen eines Idioten, der mit zu dicken Eiern in der Weltgeschichte rumläuft und denkt, er müsste seine überbewerteten Gene verbreiten.«
   »Du bist die allerbeste Freundin, die man nur haben kann. Danke dafür, dass du versucht hast, mich von diesem Bild fernzuhalten.«
   Leo sah die Verletztheit in Ginas Zügen, obwohl sie es zu überspielen versuchte. Da konnte nur eines helfen. Sie beugte sich zu ihrer Freundin, damit es keiner sonst von den Gästen mitbekam.
   »Hast du gesehen, was Nick für einen Kleinen hat? Mit dem hat niemand Spaß. Willst du dich an so was binden?«, flunkerte Leonie, um sie aufzuheitern.
   Gina prustete los. »Du bist unmöglich!«
   »Und realistisch. Kein Wunder, dass er sich immer beweisen muss.«
   Sie gingen in Richtung Ausgang. Für heute hatte Leonie die Nase voll von Männern. Gina ging es offenbar ähnlich. Ob es überhaupt noch treue Kerle gab? Leo konnte sich kaum vorstellen, dass nur Gina und sie so ein Pech hatten. Nick Roland kam auf die Blacklist. Keine Ahnung, warum sie das ständig eintrugen. Es wurde zu einem Ritual, das beim Abschießen eines Idioten helfen sollte. Als sie noch jünger waren und zur Schule gingen, taten sie es bei einem Hexenritual, als eine Art Rache.
   Möge er nie wieder Glück haben.
   Irgendwann wurden sie zu alt dafür, und seither war es nur noch eine Schwarze Liste.
   »Weißt du, ich hatte ihn echt gern. Obwohl ich es besser hätte wissen müssen.« Ginas Stimme zitterte. »Er hat mir das Gefühl vermittelt, etwas Besonderes zu sein.«
   »Das bist du. Dieser Idiot braucht nur dringend eine Brille.«
   »Er trägt doch eine zum Lesen.«
   »Offenbar die falsche Stärke.«
   »Leonie, warte bitte.« Es war Ryan. Er winkte von Weitem. »Warte, ich habe deine Nummer noch gar nicht.«
   Leo blickte ihn fragend an. Wozu? Sie ging einige Schritte auf ihn zu. Umso näher sie ihm kam, desto mehr Zorn stieg in ihr auf. »Warum sollte ich sie dir geben? Du bist doch das Letzte, genauso wie alle anderen Männer auch. Du Vollidiot.«
   Ryan blinzelte sie verwundert an. »Wann habe ich mich in einen Idioten verwandelt? Vorhin …«
   »Da dachte ich, du wärst möglicherweise kein untreues Schwein.«
   »Du meinst Becka?«
   »Ich meine Darling.«
   Aus welchem Grund auch immer, der Typ verkniff sich mühevoll ein Grinsen und holte sein Portemonnaie heraus.
   »Was soll das werden? Ich gehe jetzt. Du solltest wirklich deine Frau zu schätzen lernen.«
   »Und du solltest aufhören, alle Männer über einem Kamm zu scheren.«
   »Du bist doch ein Paradebeispiel.«
   »Weil ich meine Schwester begleitet habe, damit sie nicht allein vor den Kollegen ist? Sie ist die Einzige im Büro ohne Mann.« Er zeigte ihr ein Familienfoto, bei dem sie im Kindesalter auf einer Bank saßen.
   »Oh.«
   Ryan lachte, als wäre es keine unangenehme Situation. »Das mit den Beleidigungen hast du drauf.«
   Tja, im Blamieren war Leo stets auf dem ersten Platz.
   »Ich hätte lieber Herpes als ihn als Mann.« Seine Begleitung tauchte hinter ihm auf. »Ich bin Becka.«
   Gina kam ebenfalls dazu. »Du hast jemanden kennengelernt und mir nichts gesagt?«
   »Gina, darf ich vorstellen, das sind der Kerl von heute Mittag und seine Schwester.«
   »Der Glotzer?«
   »Stimmt genau.«
   »Interessant.« Gina schmunzelte und musterte ihn und Leo abwechselnd. »Dann sollte ich Becka auf einen Drink ins Innere mitnehmen.«
   »Du hast recht«, erwiderte Becka und grinste. »Dabei war es so spannend. Deine Freundin hat in drei Sätzen alle Schimpfwörter verwendet, die ich überhaupt kenne.«
   »Typisch Leonie. Wenn sie mal wütend ist, wird sie gleich zur Löwin.«
   Die beiden verschwanden.
   »Da wären wir«, sagte Ryan.
   Leo biss sich verschämt auf die Lippe. »Tut mir leid. Ich habe überreagiert.«
   »Wie wäre es, wenn du als Wiedergutmachung am Mittwoch mit mir essen gehst?«
   »Das möchtest du noch?«
   Ein Lächeln entstand auf seinen Zügen. »Jetzt umso mehr.«
   »Ich warne dich, ich bin kompliziert und anstrengend.«
   »Passt mir gut.«

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