Hellseherin trifft Schwarzseher – und verliert vorübergehend den Durchblick! Die junge Hellseherin Nicole wird von einem neuen Klienten um Hilfe gebeten. Dominic, ein erfolgreicher Unternehmer, glaubt ihren Voraussagen jedoch nicht. Für Nicole geht es bald nicht nur um ihre berufliche Ehre, sondern auch um ihren persönlichen Erfolg …

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Kelly Stevens

Kelly Stevens studierte in England Literatur und Kreatives Schreiben und arbeitete in Deutschland in verschiedenen Jobs im Medienbereich. Sie schreibt Erotic Romance in allen möglichen Längen und Variationen, von Kurzgeschichte bis Roman. Als Kelly Stevens veröffentlicht sie bei Verlagen, als Indie-Autorin ist sie als K. C. Stevens unterwegs.  

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... oder sofort „hineinschnuppern“

Kapitel 1

»Sie müssen mir helfen, bitte! Mein Bildschirm ist schwarz, ich weiß nicht, ob er kaputt ist, aber ich muss dringend eine Datei bearbeiten.«
   Die Stimme der Anruferin klingt leicht panisch. Ich murmele ein paar beruhigende Worte, sehe auf meinen eigenen Bildschirm, auf dem der Cursor blinkt, und schließe meine Augen. Mental gehe ich die möglichen Fehlerquellen durch, bis mir etwas Gelbes auffällt. Ein Quietscheentchen? »Gibt es am Verbindungskabel von Monitor zu PC etwas Gelbes?«
   »Nein, das Kabel ist schwarz.«
   Ich runzle die Stirn. »Könnten Sie vielleicht einmal nachschauen, bitte? Da muss irgendetwas Gelbes sein, das den Fehler verursacht hat.«
   Einem Mann gegenüber hätte ich nicht so gesprochen, aber bei dieser Frau ahne ich schon, was gleich passieren wird. Ein paar Sekunden herrscht Schweigen am anderen Ende der Leitung, dann bekomme ich undeutlich ein »Das darf doch nicht wahr sein, wie kommt denn das hierhin?« mit. Sekunden später ist sie wieder deutlich hörbar.
   »Ein gelbes Quietscheentchen. Mein Sohn scheint beim Spielen das Kabel rausgerissen zu haben. Jetzt geht der Bildschirm wieder. Wie haben Sie das nur gewusst, es ist ja fast so, als ob sie es gesehen hätten?«
   Ich lächele, verabschiede mich mit einer unserer Callcenter-Standardfloskeln und werfe einen Blick auf meinen Bildschirm. Es ist kurz nach zehn Uhr abends, meine Schicht ist für heute beendet. Ich nehme mein Headset ab, logge mich im System aus und ziehe meine Tasche unter dem Schreibtisch hervor. Auf dem Weg nach draußen stecke ich noch schnell den Kopf ins Teamleiterbüro. »Ciao Christa, bis morgen Mittag um zwölf?«
   »Ciao Nicole, schönen Feierabend.« Christa, meine Lieblingsteamleiterin, nickt mir zu, bevor sie sich wieder ihrem Rechner zuwendet.
   Ich laufe die breite Treppe hinunter und gelange vom neonerhellten Großraumbüro im zweiten Stock einer ehemaligen Fabrikhalle auf einen Berliner Hinterhof mit schummriger Beleuchtung, wo ich mein Fahrrad abgestellt habe. Reflexartig checke ich mein Smartphone, bevor ich meine Tasche in den Fahrradkorb werfe. Sechs Anrufe in Abwesenheit, alle von einer unterdrückten Nummer. Während ich noch überlege, wer mich angerufen haben könnte, klingelt es erneut.
   »Hallo?«, melde ich mich.
   »Könnte ich bitte mit Madame Jana sprechen?« Die Stimme gehört einem Mann. Sie klingt nicht unsympathisch, dennoch spüre ich einen kalten Luftzug im Nacken und halte instinktiv die Luft an. Madame Jana ist mein Künstlername, den nur wenige Menschen kennen, und die Stimme des Anrufers kenne ich nicht. »Am Apparat.« Weder habe ich eine Website noch schalte ich Anzeigen; mein kleiner Nebenjob ist nur wenigen Leuten bekannt, und genau so soll es eigentlich auch bleiben.
   »Ein Bekannter hat mir Ihre Nummer gegeben, Karim Karaman?«
   Es klingt wie eine Frage. Karim ist ein junger Unternehmer, den ich seit zwei oder drei Jahren regelmäßig berate und der mich schon einige Male weiterempfohlen hat. »Na gut. Worum geht es denn?« Ich bemühe mich, geschäftsmäßig zu klingen, während ich gleichzeitig versuche, mein Fahrradschloss zu öffnen.
   »Nicht am Telefon. Können wir uns treffen? Morgen um halb zehn im Ritz. Im Foyer.«
   Das geht mir gerade alles zu schnell. »Mo…« Moment, wollte ich sagen, werde aber abgelenkt, weil mein Fahrrad mir wegrutscht und krachend auf den Asphalt fällt. Schnell greife ich nach meinem Smartphone, das mir ebenfalls aus der Hand zu gleiten droht.
   »Morgen um halb zehn«, höre ich noch, bevor die Verbindung unterbrochen wird.

Ich bin kein Frühaufsteher. Diese Tatsache wird mir am nächsten Morgen im Bad wieder einmal bewusst, während ich verschlafen versuche, Make-up aufzulegen. Madame Jana trägt dunkelroten Lippenstift, Rouge und Smokey Eyes. Außerdem trägt sie ihre langen blonden Haare offen und nicht in dem praktischen Zopf, den ich mir normalerweise morgens mache.
   Da ich vermute, nach dem Termin im Ritz mehr oder minder direkt zum Callcenter fahren zu müssen, entscheide ich mich für Jeans, flache Schuhe und ein weißes T-Shirt, über dem ich eine bunt gemusterte Tunika trage. Ein halbes Dutzend Ketten und Armreifen vervollständigen das Bild, das sich viele Kunden von einer Hellseherin machen. Nach dem Termin kann ich Tunika und Schmuck in meine Tasche stopfen, meine Kriegsbemalung abwaschen und als Nicole zur Arbeit erscheinen.
   Normalerweise würde ich an Tagen, an denen ich Spätdienst habe, morgens gemütlich eine Stunde im Café sitzen und in aller Ruhe E-Mails checken, im Internet surfen und frühstücken. Der einzige Luxus, den ich mir in meinem Studentenleben gönne. Wenn man, wie ich, nicht nur einen, sondern gleich drei Jobs hat, braucht man ab und zu Momente, in denen man abschalten – oder zwischen verschiedenen Leben hin- und herschalten – kann.
   An diesem Morgen trinke ich zu Hause nur schnell im Stehen eine Tasse Tee, bevor ich nach meiner Tasche greife. Meine Handtasche ist, laut Meinung meiner Freunde, ein riesengroßes, bunt geblümtes Ungetüm, in dem ich meinen halben Hausstand mit mir herumschleppe. Tatsächlich sind es nur wichtige Sachen wie Schlüssel, Smartphone, Taschentücher, Strickjacke und Madame Janas Leben, das ich in Form von bunten Tüchern, einem Pendel und diversen Kartendecks permanent bei mir habe.
   Auf dem Weg zur Tür ziehe ich noch schnell eine Tageskarte aus der bunten Glasschale, in der mein Tarotdeck liegt. Der Magier, eine meiner Lieblingskarten. Der Tag verspricht, gut zu werden.
   Die Fahrt mit dem Rad dauert kürzer als geplant. Es ist erst kurz nach neun, als ich am Potsdamer Platz ankomme. Suchend schaue ich mich um, wo ich mein Fahrrad sicher abstellen kann. Nachdem ich es abgeschlossen habe, schnappe ich mir meine Tasche aus dem Fahrradkorb und gehe auf den Hoteleingang zu. Roter Teppich und ein uniformierter Herr vor der Tür, der mir selbige öffnet. Beeindruckt betrete ich das Foyer. Auch hier: noch mehr Teppich, wenn auch in dezenteren Farben, riesiger Blumenschmuck, eine imposante, geschwungene Treppe, die in den ersten Stock führt, Kronleuchter. Eine Rezeption nehme ich nicht wahr, wohl aber, dass sich links des Eingangs eine Art Bistro befindet.
   Wie in Trance steuere ich darauf zu. Irgendetwas sagt mir, dass ich dort etwas finden werde, was mir sehr wichtig ist.
   An einem der ersten Tische sitzt ein extrem gut aussehender Mann. Noch relativ jung, vielleicht um die dreißig. Er trägt Jeans, ein weiß-blau gestreiftes Hemd und etwas zu lange dunkle Locken. Seine Aura zieht mich magisch an: Obwohl sie hell schimmert, wirkt er traurig. Sein Anblick berührt mein Herz.
   Selbst im Nachhinein betrachtet habe ich keine Ahnung, was in diesem Moment passiert ist. Ich weiß nur, dass ich alles um mich herum ausblende, auf seinen Tisch zugehe und ihm meine Hand hinstrecke. »Guten Morgen, wir sind verabredet.«
   Er ergreift sie nicht. Einen Moment wirkt er irritiert, dann trifft mich ein eiskalter Blick aus blauen Augen. »Zieh deine Nummer mit jemand anderem ab, Schätzchen.«
   »Wir sind nicht verabredet?«, frage ich leise. Ich war mir so sicher, als würde ich von ihm angezogen wie eine Motte vom Licht.
   »Du bist gut, Schätzchen, das muss man dir lassen, aber bei der Security wirst du damit nicht durchkommen, wenn die dich gleich aus deinem Lieblingsrevier wirft.«
   Er erhebt sich halb, und mir kommt ein böser Verdacht. »Ich bin keine … Haben Sie mich gestern Abend nicht angerufen und einen Termin für halb zehn ausgemacht?«
   Nun ist er derjenige, der verwirrt aussieht. »Madame Jana?«
   Ich nicke.
   »Wie haben Sie …? Nein, raus hier, sofort!«, zischt er.
   Fehlt nur noch, dass er mich eigenhändig rauswirft. Was hat mich an ihm eben noch so angezogen? Er ist unhöflich und zieht auch noch falsche Schlüsse. »Na gut, dann gehe ich eben wieder«, entgegne ich eingeschnappt. War mein Instinkt gestern Abend doch richtig, dass ich mich eigentlich nicht mit ihm treffen wollte.
   »Man darf uns nicht zusammen sehen! Warten Sie im Foyer, ich lasse Sie um halb abholen.«
   Der Mann scheint unter Verfolgungswahn zu leiden. Ich packe wortlos meine Tasche, drehe mich um und verlasse hoch erhobenen Hauptes das Bistro. Kaum habe ich die Tür passiert, sinke ich wie ein Häufchen Elend in mich zusammen. Nein, mitten im Foyer eines Luxushotels werde ich nicht die Fassung verlieren. Ich zwinkere ein paarmal, weil plötzlich alles verdächtig verschwommen aussieht, und trete wieder auf die Straße in die Realität.
   Was war das gerade? Mein Körper, mein Geist, meine Seele wussten, dass er es war, der auf mich gewartet hat. Selbst, wenn ich mich selbst nicht als Hellseherin akzeptiere, in dem Moment, in dem ich ihn zum ersten Mal sah, wusste ich, dass wir zusammengehören. Warum hat er mich nicht erkannt?
   Es ist Viertel nach neun, ich bin genervt, durcheinander, wütend auf den Unbekannten, der mich für eine Prostituierte gehalten und so unverschämt behandelt hat, und wütend auf mich, dass es mir etwas ausmacht. Am liebsten würde ich wieder nach Hause fahren, mir die Schminke abwaschen und einfach nur Nicole sein.
   Glücklicherweise fällt mein Blick, bevor ich komplett in Selbstmitleid versinken kann, auf einen Coffeeshop. Vielleicht hat mir einfach nur mein morgendlicher Koffeinkick gefehlt.
   Mit einem Vanilla Soja Latte in der Hand sieht die Welt schon wieder ein bisschen freundlicher aus. Um kurz vor halb gehe ich erneut auf den Hoteleingang zu. Der Uniformierte sieht mich und macht eine verstohlene Bewegung, als wische er sich mit der Hand über die Augen.
   Einen Handspiegel habe ich nicht, aber sein diskreter Hinweis auf die Waschräume am Ende der Halle bringt mich dazu, das Foyer mit gesenktem Kopf schnellstmöglich zu durchqueren. Ein Blick in den Spiegel der Damentoilette enthüllt, dass das Make-up nicht wasserfest war. Darauf hatte mich im Coffeeshop niemand hingewiesen.
   Schnell greife ich nach einem Kosmetiktuch und versuche, den Schaden einzudämmen, aber ich scheine es nur noch schlimmer zu machen. Kurz entschlossen wasche ich alles ab, bis mich Nicole aus dem Spiegel anschaut.
   Was nun? Madame Janas Make-up liegt zu Hause. Flucht nach vorn oder Flucht zurück?
   Ich beschließe, das Schicksal entscheiden zu lassen. Es ist neun Uhr zweiunddreißig, als ich die Halle, wieder mit gesenktem Kopf, durchquere und auf den Ausgang zusteuere. Ich werde nicht nach rechts oder links blicken, um Ausschau nach einem verdammt gut aussehenden Spinner zu halten. Noch nicht mal ein bisschen. Wobei mein Gefühl mir sagt, dass er sowieso nicht im Foyer ist.
   »Madame Jana, dürfte ich Sie bitten, mir zu folgen?«, höre ich plötzlich eine Stimme an meinem rechten Ohr.
   Der Mann ist mindestens einen Kopf größer als ich, muskulös, kahl rasiert und trägt einen schwarzen Anzug und einen Knopf im Ohr, von dem aus ein fast durchsichtiges, gewundenes Kabel unter seinem Hemdkragen verschwindet.
   Mit Security diskutiere ich grundsätzlich nicht. Ich nicke und gehe neben ihm zum Aufzug.
   Er zieht eine Plastikkarte aus seiner Jacketttasche und setzt mit ihrer Hilfe den Aufzug in Bewegung. Eine gefühlte Sekunde später öffnen sich die Türen schon wieder, und ich folge ihm einen Flur entlang bis zu einer Tür. Auch hier benutzt er die Karte, um zu öffnen, und fordert mich mit einer Handbewegung auf, einzutreten. Eigentlich hatte ich gedacht, dass er mir folgen würde, aber als die Tür leise hinter mir ins Schloss fällt, ist er verschwunden.
   Verunsichert bleibe ich stehen und betrachte die Szenerie vor mir. Ich bin in einer Hotelsuite, in einem großen Raum, in dem ein Innenarchitekt dunkle Holzmöbel auf hellem Teppichboden verteilt hat: ein Schreibtisch, Kommoden, ein weiterer Tisch mit Stühlen. Dazu zwei cremefarbene Ledersessel, zwischen denen ein niedriger Tisch steht. Durch eine geöffnete Tür im Hintergrund sehe ich ein ungemachtes Bett. Unwillkürlich schlägt mein Herz schneller.
   Während sich Erleichterung in mir ausbreitet, dass die Beratung nicht in einem Hotelzimmer, das von einem Bett dominiert wird, stattfindet, öffnet sich die Tür etwas weiter, und der Mann aus dem Bistro kommt auf mich zu.
   »Madame Jana, verzeihen Sie meine Unhöflichkeit, aber unter Sicherheitsaspekten kann ich es mir nicht erlauben, mit Ihnen gesehen zu werden.«
   Obwohl er die gleiche Kleidung trägt wie eben, wirkt er wie ausgewechselt. Aha, er kann also auch höflich sein, denke ich, bis mir auffällt, dass er mir nicht die Hand gegeben hat. Nun ja, jeder hat eine zweite Chance verdient.
   »Ich verstehe«, erwidere ich, obwohl ich noch überhaupt nichts verstehe. Meine Stimme sollte kühl und professionell wirken; tatsächlich klingt sie leicht atemlos und viel zu rau. In seiner Nähe bin ich irgendwie nicht ich selbst. Oder zu sehr ich selbst.
   »Eines würde mich interessieren …« Plötzlich wirken seine Augen wieder sehr kalt. »… wie haben Sie gewusst, wer ich bin? Ich habe Ihnen keinen Namen genannt. Wie haben Sie es herausgefunden, haben Sie Karim angerufen? Oder haben Sie mich gegoogelt?«
   Das mit der zweiten Chance überlege ich mir definitiv zukünftig. Nic, reiß dich zusammen, rede ich mir selbst ein. Er ist nur ein Kunde, der deine Hilfe benötigt. Es gibt keinen Grund, nervös zu sein.
   Trotzdem bin ich es. »Nein, habe ich nicht. Sollen wir uns setzen, und Sie erzählen mir, was Ihr Problem ist? Oder ich kann einfach so schauen«, antworte ich etwas schärfer als geplant, um meine Unsicherheit zu kaschieren.
   Er macht eine Bewegung vom Tisch zu der Sesselgruppe, die alles bedeuten kann. »Nehmen Sie Platz. Ich bin Dominic Hansen, aber das wissen Sie ja bereits.«
   Schön, jetzt weiß ich es tatsächlich. Der Name ruft keine Assoziationen in mir wach, aber er passt zu ihm. Abgekürzt hätte er den gleichen Namen wie ich – Nic und Nic. Ob das etwas zu bedeuten hat?
   Seinem leichten Akzent nach zu schließen, kommt er aus Norddeutschland. Dazu würde auch der Nachname passen. Nic Hansen. Hm.
   Ich lasse meinen Blick durch das Zimmer schweifen. Nach einem Augenblick entscheide ich mich für die Sitzgruppe. Er folgt mir und nimmt im Sessel gegenüber Platz.
   »Wie läuft das ab?« In seinem Ton schwingt Misstrauen mit.
   »Was hat Herr Karaman Ihnen denn erzählt?«
   »Nur, dass Sie ihn genial beraten und genau die richtigen Empfehlungen geben, wie er sein Unternehmen führen soll.«
   Das klingt nach Karim: Lobhudelei, aber bloß keine Details preisgeben. Je nachdem, was mein neuer Kunde erwartet hat, muss ich ein Schock für ihn sein. »Ja, ich habe mich auf Wirtschaftsberatung spezialisiert. Nur, dass ich es spirituelle Beratung nenne.«
   »Das sehe ich.« Er betrachtet mich. »Deshalb der Name. Ich hatte jemand viel Älteres erwartet. Sie sind ja fast noch ein Kind.«
   »Ich bin einundzwanzig.«
   »Und haben seit wie vielen Jahren Erfahrung als«, – es klingt fast so, als spucke er das Wort aus – »spirituelle Beraterin?«
   »Ich habe meine Ausbildung vor drei Jahren abgeschlossen.« Normalerweise diskutiere ich nicht mit Kunden, das war einer der ersten Grundsätze, die unsere Lehrerin uns eingeschärft hat. So misstrauisch wie er war bisher allerdings noch niemand. Entschlossen packe ich meine Kartendecks, mein Pendel und mein Schreibzeug aus. »Können wir anfangen?«
   Er wirft einen entsetzt-resignierten Blick darauf und lehnt sich im Sessel zurück. »Von mir aus. Ich habe ein Angebot für die Übernahme meiner Firma bekommen und möchte wissen, ob es ernst gemeint ist, und ob wir es annehmen sollen.«
   »Nein«, sage ich wie aus der Pistole geschossen, während ich noch meine Karten mische. Interessant, dass er Singular und Plural gemischt hat. Es scheint mehr hinter der Sache zu stecken, als er zugeben will.
   Er zuckt fast unmerklich zusammen. »Und was bedeutet es?«
   Kluge Frage. Wenn Zeit genug ist, weise ich meine Klienten immer darauf hin, dass ich einen Moment brauche, um mich auf sie einzustimmen, aber bei Dominic ist sowieso alles anders. Bei Herrn Hansen, korrigiere ich mich selbst. Während ich die gemischten Karten auf dem Tisch vor mir ausbreite, gehe ich mental die gelernten Grund- und Schutztechniken durch, um mich auf die Beratung vorzubereiten. Dann studiere ich das Kartenbild.
   »Also …« Ich deute vage auf einen Cluster von drei Karten. »Momentan sind Sie in einer Entscheidungssituation.«
   »Was Sie nicht sagen.« Seine Stimme klingt spöttisch.
   Ich runzle die Stirn ob der Unterbrechung und deute auf einen anderen Cluster. »Man hat Ihnen ein Angebot gemacht, weil man Sie testen will.«
   »Wer ist man?«
   So viel quatscht sonst niemand dazwischen. Ich will ihm helfen, habe aber zunehmend Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren. Die Informationen fließen mir zu, aber aus seiner Richtung kommen jede Menge negative Schwingungen, als versuche er, alles abzublocken. Restlos alles, auch die Informationen, die hilfreich für ihn wären. Wie kann ich nur zu ihm durchdringen? »Eine Ihnen nahestehende Person will Sie testen. Das Angebot stammt von Asiaten?«
   »Sehen Sie das auch in ihren Karten, oder woher wissen Sie das?«
   Ich gehe nicht darauf ein, verdrehe aber die Augen. Gut, dass er es nicht sehen kann, weil ich meinen Blick auf die Karten vor mir gerichtet habe. Seine bloße Anwesenheit stört meine Konzentration. »Eine indische Firma«, rede ich trotzdem weiter. »Sie arbeiten nur als Strohmann, um den Wert Ihrer Firma zu ermitteln. Sagen Sie vier Millionen.«
   »Meine Firma ist mehr wert als vier Millionen.«
   »Sie ist eine leere Hülle«, sage ich automatisch. Wenn ich eingeloggt bin, wie ich es nenne, denke ich nicht darüber nach, was ich sage. Letztendlich bin ich nur ein Kanal, durch den Informationen fließen. »Etwas fehlt. Wenn es nicht fehlen würde, könnten Sie ein Vielfaches fordern.«
   Diesmal hört man seinen Ärger deutlich. »Das mit den Indern war gut geraten, aber beleidigen lassen muss ich mich von Ihnen noch lange nicht!«
   »Es wurde etwas übersehen, was den Wert der Firma beeinträchtigt. Etwas Juristisches.« Ich schaue längst nicht mehr auf die Karten. »Sie haben nach der Person gefragt, die Sie testen will. Es ist eine Asiatin.«
   »Logischerweise, da das Übernahmeangebot von Indern kam.«
   Obwohl ich den Spott in seiner Stimme höre, kann ich mich nicht bremsen. Vor meinem inneren Auge taucht das Gesicht einer Frau mit deutlich asiatischen Zügen auf, aber ihre Haut ist heller und ihre Nase breiter als typischerweise bei Indern. Ihr Mund ist knallrot geschminkt. Sie lächelt mich an, dann verzieht sich ihr Gesicht zu einer Art Fratze und danach zu einer höflichen Maske. Woher kommst du? Japan, Thailand, Korea? Sie schaut mich starr an. China? Sie lächelt. Wer bist du? Sie reagiert nicht. »Ich bin seine Frau«, sagt eine Stimme, als ich schon aufgeben will.
   Ich will die Worte schon nachsprechen, kann mich aber gerade noch bremsen und sie umformulieren. »Sie ist Chinesin. Sie steht Ihnen sehr nahe. Vermutlich ihre Partnerin.«
   »Sie haben mich doch gegoogelt!« Er macht eine heftige Bewegung und stößt dabei gegen den Tisch, sodass ich zusammenzucke und sich das Kartenbild verschiebt. »All dieser esoterische Firlefanz, und die ganze Zeit hast du genau geplant, was du mir sagen musst! Kein Wunder, dass du direkt auf mich zugegangen bist. Aber ich habe dich durchschaut. Sogar als Schauspielerin bist du eine Niete, du hast noch nicht mal richtig auf die Karten geschaut!« Mit einer schnellen Handbewegung wischt er meine Karten vom Tisch. Das Lenormand-Set verteilt sich auf dem Teppich.
   Mein erster Impuls ist, meine Karten aufzusammeln, doch etwas in mir widerstrebt dem Gedanken, vor diesem Mann zu knien. Stattdessen greife ich nach meinem Pendel, das noch auf dem Tisch liegt, um es einzupacken. Dabei stütze ich mich mit einer Hand leicht auf dem Tisch vor mir ab. Bevor ich sie wegziehen kann, hat Dominic sie ergriffen.
   Er hält mich am Handgelenk fest und dreht meine Handfläche nach oben, während er mit den Fingerkuppen seiner anderen Hand über meine Handinnenfläche streicht. Wie erstarrt lasse ich es geschehen. Selbst mein Atmen scheint ausgesetzt zu haben.
   »Ich sehe ein langes Leben. Ein dunkler Fremder wird kommen. Ich sehe, dass er dir viel Ärger bringen wird.«
   Seine Parodie verletzt mich. Insbesondere, weil er genau das damit bezweckt. Was mir aber mehr Sorgen macht, ist, dass von meiner Handfläche, genauer gesagt der Stelle, an der seine Finger meine Handfläche berühren, eine elektrische Verbindung zu meinem Bauch zu bestehen scheint. Seine Berührung ist mir nicht auf den Magen geschlagen, sondern er hat irgendeinen Punkt in meinem Innersten getroffen. Herzchakra? Solarplexus? Ich beginne, zu zittern.
   »Angst?«
   Sein Gesicht nähert sich meinem. Wie kann jemand, der so gut aussieht, gleichzeitig so kalt und unnahbar wirken?
   »Gut so. Lass deine diebischen Klauen in Zukunft von mir und meiner Frau.«
   Die Chinesin taucht für einen Moment wieder auf und lächelt, genauso kalt wie er. Ein schönes Paar, beide erstarrt und in ihrer Kälte gefangen. Ich fröstele und greife unwillkürlich nach seiner Hand, die mich noch immer festhält. Er verstärkt den Druck einen Moment, wie um ein Statement zu machen, dann lässt er mich los. Meine Hand bleibt trotzdem auf dem Tisch liegen. Sie kribbelt weiterhin, seine Berührung wirkt nach.
   »Nichts und niemand wird zwischen mich und meine Frau kommen, egal, was du hier veranstaltest. Meine Ehe ist unumstößlich.«
   Das Pendel in meiner Hand, das sich über unseren beiden Händen befindet, schlägt wild aus. »Nein.«
   »Was?«
   »Nein. Sie hat Sie schon verlassen.«
   »Du hast ja keine Ahnung!«
   »Sie aber auch nicht.« Die Worte sind mir herausgerutscht, bevor ich es verhindern kann.
   Einen Augenblick starren wir uns schweigend über den Tisch hinweg an wie zwei Kämpfer, die beide schwanken, aber von denen trotzdem keiner aufgeben will.
   Der Moment, in dem ich noch etwas hätte sehen können, ist vorbei. Ich merke, dass die Verbindung abgerissen ist. Benommen schüttele ich den Kopf, greife nach meiner Tasche und stecke das Pendel ein.
   Dominic sitzt immer noch im Sessel und beobachtet mich. »Was schulde ich Ihnen?«
   Sein Stimmungsumschwung überrascht mich genauso wie die Anrede. Ich bin nicht sicher, ob ich ihm trauen kann. »Brauchen Sie eine Rechnung?«
   Er schüttelt den Kopf. »Das hier ist privat.«
   »Dann arbeite ich auf Spendenbasis. Sie zahlen, was Ihnen die Beratung wert ist.«
   Er sieht mich nicht an, während er in seine Hosentasche greift, etwas hervorzieht und es auf den Tisch fallen lässt. Eine Centmünze. »Danke für Nichts!«
   Die Aussage ist klar. Ich ergreife die Münze trotzdem. »Ich wünsche Ihnen viel Glück. Sie werden es brauchen.«
   Irgendwie bringe ich den Rest des Tages hinter mich. Ich weiß, dass ich im Callcenter bin und mit Kunden telefoniere, um Computerprobleme zu lösen, aber ich bin komplett auf Autopilot. Erst abends, als ich die Wohnungstür meines kleinen Appartements hinter mir zuwerfe, Strickjacke und Schuhe ausziehe, meine Tasche auf die Kommode lege und mich selbst auf den Drehstuhl vor meinem Schreibtisch fallen lasse, komme ich langsam zur Besinnung.
   Ich glaube, ich brauche jemanden, der mir erklären kann, was heute Morgen so komplett schiefgelaufen ist.
   Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, dass es kurz nach halb elf ist, aber normalerweise ist meine beste Freundin Janny um diese Zeit noch wach. Hoffentlich gibt sie nicht selbst gerade eine Beratung, denke ich, während ich sie anskype.
   Janny und ich kennen uns seit drei Jahren. Damals war ich gerade von einem Kaff in der Nähe von Hannover nach Berlin gezogen, wo ich einen Studienplatz bekommen hatte. Um mir ein bisschen was dazuzuverdienen, arbeitete ich nebenbei in einem Callcenter. Da ich Wirtschaftsinformatik studierte, setzte man mich im technischen First Level Support ein. Aber ich tat mich schwer damit, die Kunden adäquat zu beraten, und als ich durch Zufall auf ein Seminarangebot stieß, das versprach, dass man danach seine Mitmenschen besser beraten könne, dachte ich, zwei Wochen Urlaub im Allgäu und ein bisschen Kommunikationstraining könnten mir nicht schaden. Dass dieser Kurs in einschlägigen Kreisen als Ausbildung zum Hellsehen bekannt war, wurde mir erst klar, als ich dort ankam.
   Im ersten Moment wollte ich sofort umdrehen und wieder zurückfahren. Nur der Gedanke an die Seminargebühren, die ich im Voraus bezahlt hatte, veranlasste mich, mich wenigstens ein paar Stunden auf diesen esoterischen Quatsch, wie ich heimlich dachte, einzulassen.
   Nach dem ersten Tag war ich sicher, dass die Methoden, die unsere selbst ernannte Lehrerin uns beibringen wollte, niemals funktionieren würden. Trotzdem blieb ich, als wolle ich mir selbst beweisen, dass ich recht hatte.
   Am zweiten Tag wurde Janny meine Übungspartnerin. Wir waren etwa gleichaltrig und verstanden uns auf Anhieb. Sie tröstete mich, weil ich frustriert war, dass Hellsehen bei allen außer mir zu funktionieren schien.
   »Du willst es überhaupt nicht«, sagte sie mir auf den Kopf zu. »Lass dich einfach drauf ein, was hast du schon zu verlieren?«
   Am dritten Tag war ich plötzlich drin.
   »Jede Information ist jederzeit und an jedem Ort verfügbar«, hatte unsere Lehrerin uns gesagt, und es war mir tatsächlich gelungen, den Zugang zu diesem allgegenwärtigen Wissen zu finden.
   Danach begann mir das Seminar endlich Spaß zu machen, und ich dachte nicht mehr ans Aufhören. Nachdem der Kurs zu Ende war, blieben Janny und ich in Kontakt. Schließlich seien wir jetzt beide Lichtarbeiter, wie sie lachend meinte. Mit dem Unterschied, dass ich die Techniken, die wir gelernt haben, und die glücklicherweise alle ohne Hilfsmittel und somit unbemerkt funktionieren, allenfalls heimlich im Callcenter oder bei einigen wenigen ausgewählten Kunden anwende, bei denen ich mich hinter Paraphernalien wie Karten oder Pendel verstecke, während sie offiziell als hellsichtiges Medium arbeitet.
   Endlich taucht Jannys Bild auf dem Monitor vor mir auf. Sie sitzt auf ihrem Bett und hält eine Tasse in den Händen. Ihr Sommerkleid hat oben Spaghettiträger und ist ihr unten bis zu den Oberschenkeln hochgerutscht. Selbst bei dem schlechten Bild kann ich erkennen, wie gebräunt sie ist. »Hi, Nicky-Maus. Na, was gibts?«
   Anfangs hatte ich mich über diesen Spitznamen aufgeregt, inzwischen habe ich ihn grummelnd akzeptiert und ihr einen eigenen verpasst. »Hi, Schnucki. Hast du Zeit, oder bist du auf Rufbereitschaft?«
   »Nein, ich habe letzte Woche gekündigt.«
   Das überrascht mich.
   »Alles im grünen Bereich, es war einfach Zeit für etwas Neues«, fügt sie schnell hinzu, als sie meinen besorgten Gesichtsausdruck sieht. »Ob du es glaubst oder nicht, ich kann mich vor Kunden kaum retten. Die Zeit auf der Line hat mir jede Menge Stammkunden beschert, und seit ich ein paar Aushänge gemacht und auf meiner Homepage geschrieben habe, dass ich mich selbstständig mache, rennen die Leute mir die Bude ein. Außerdem habe ich angefangen, Beratungen übers Internet zu geben. Das solltest du auch mal versuchen.«
   »Sitzt du dann auch halb angezogen auf deinem Bett?«, kann ich mir nicht verkneifen.
   »Das habe ich, als ich noch am Telefon arbeitete, doch auch getan.« Janny nimmt einen Schluck aus ihrer Tasse und wirft sich die langen Haare über die Schulter. »Du solltest dich auch selbstständig machen. Wie lange willst du denn noch in deinem öden Job vor dich hindümpeln? Du bist echt gut, du glaubst es nur selbst nicht.«
   Das ist ein guter Übergang zu meinem Problem mit Dominic. Mit Herrn Hansen, korrigiere ich mich erneut. »Nach heute Morgen weiß ich, dass ich nicht gut bin. Ich habe meine Fähigkeiten endgültig verloren.«
   »Nic, die Menschen haben immer die gleichen Probleme: Liebe, Geld und Gesundheit«, redet Janny weiter, als hätte ich nichts gesagt. »Das war schon immer so, und das wird auch so bleiben. Wir helfen ihnen nur, ihre Probleme klarer zu sehen und dadurch zu lösen. Das ist nichts Verwerfliches.«
   »Ich spezialisiere mich lieber auf Computerprobleme und Wirtschaft.«
   »Bloß keine Liebe, könnte ja anstecken«, spottet Janny liebevoll. »Immer noch kein Mann in deinem Leben?«
   Ich zögere einen Moment. »Nein.«
   Janny ignoriert meine Antwort. »Du bist ja verliebt!« Ihre Stimme überschlägt sich fast. »Ich sehe lauter rosa Herzchen um dich herum!«
   Ein Nachteil des Hellsehens, wenn man ungewollt am empfangenden Ende ist: Man erfährt auch Dinge, die man lieber nicht wissen möchte. Janny sieht rosa Herzchen? Das kann nicht sein. Das darf nicht sein. »Nein, das stimmt nicht. Ich hasse ihn. Er ist furchtbar.«
   »Du bist tatsächlich verliebt.«
   »Janny, hör mir endlich mal zu! Er ist ein Kunde, und ich habe mich ihm gegenüber total unprofessionell verhalten. Es war schrecklich, ich konnte gar nicht mehr aufhören zu reden und habe ihm jede Menge Sachen an den Kopf geworfen, dass seine Firma nichts wert ist, dass seine Frau ihn verlässt …«
   »Klingt so, als hättest du viele Infos bekommen. Das ist doch nichts Schlechtes, im Gegenteil. Von wegen, du hättest deine Fähigkeiten verloren!«
   »Er sagte, das stimme alles nicht, und dass ich eine Betrügerin sei.«
   Janny kichert. »Ego, Liebes. Manche Männer wollen die Wahrheit einfach nicht hören.«
   »Nein, es war irgendwie anders.« Kunden, die das, was man ihnen sagt, nicht hören wollen und lieber weitermachen wie bisher, gibt es immer wieder. Die verhalten sich aber trotzdem anders. »Wir haben uns richtiggehend gestritten. So etwas ist mir noch nie passiert. Und er ist gewalttätig geworden«, setze ich nach einer kleinen Pause dramatisch nach.
   »Was? Nein, das sehe ich nicht.« Typisch Janny, gleich in die Situation reinzuspringen. »Darf ich mal gucken?«
   »Untersteh dich!« Irgendwie will ich Dominic nicht teilen, und ich will meine Gefühle in diesem Moment auch nicht analysieren lassen. »Ich brauche Trost. Bekomme ich eine Runde Mitleid und Verständnis von dir, Schnucki? Der Mann hat mich völlig aus dem Konzept gebracht. Ich habe mich total unprofessionell verhalten, und er hat mich nicht ernst genommen und beschimpft.«
   »Klar, und die wandelnde Miss ›Ich traue mich nicht, wenn ich nicht oberperfekt bin‹ in dir setzt dich unter Druck.« Janny streicht sich schwungvoll die Haare aus dem Gesicht. »Vergiss es. Du hast ihn nach bestem Wissen und Gewissen beraten, wenn er es nicht hören will, ist das seine Schuld, nicht deine.«
   Ich überlege einen Moment. »Siehst du das, oder vermutest du das nur?«
   »Eben hast du noch gesagt, ich soll nicht nachschauen«, wirft Janny mir vor. »Also was jetzt?«
   »Könntest du vielleicht ein kleines bisschen nachschauen, was er über mich denkt?«
   Einen Moment herrscht Schweigen am anderen Ende der Leitung. »Glaub mir, das willst du nicht wissen. Aber seine Gefühle dir gegenüber werden sich noch ändern.«
   »Zum Guten?«, frage ich ein bisschen zu schnell.
   Janny lacht. »Ah, Neugier. Du bist also interessiert. Ich verrate dir hiermit: Er ist zumindest nicht uninteressiert.«
   Fantastisch, übersetzt bedeutet das wahrscheinlich, dass er sich genauso über mich aufgeregt hat wie ich mich über ihn. »Warum fühle ich mich so schlecht? Irgendwie ist zwischen uns alles fürchterlich schiefgelaufen.«
   »Dann ruf ihn an und entschuldige dich, wenn du unbedingt willst.«
   »Ich habe weder seine Nummer noch seine E-Mail-Adresse.«
   »Du willst ihn wiedersehen«, stellt Janny genüsslich fest.
   »Will ich nicht!« Moment, will ich nicht? Doch, irgendwie schon. Vielleicht aber auch nicht. Anziehung und Abstoßung. Ich weiß nicht mehr, was ich will.
   »Du hast seinen Namen. Wenn er eine Firma hat, sollte das Web in der Lage sein, irgendetwas an Kontaktdaten auszuspucken.«
   »Hat es aber nicht.«
   »Du hast ihn schon gegoogelt.« Jannys Stimme klingt fast verzückt. »Ich habs doch gewusst, du bist verliebt!«

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